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28.07.1995

Neue Bundeslaender fassen nur langsam Tritt Wer einen DV-Job sucht, sollte es zuerst in Hessen probieren

MUENCHEN/HAMBURG (CW) - In Hessen werden die meisten Datenverarbeiter gesucht. Ein Fuenftel aller Stellenanzeigen kommen nach der juengsten EMC-Inseratenauswertung fuer das erste Halbjahr 1995 aus diesem Bundesland. Auf die neuen Bundeslaender inklusive Berlin entfielen dagegen nur zehn Prozent.

Die erfreuliche Entwicklung des Arbeitsmarktes der vergangenen Monate hat sich fortgesetzt. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 1995 fast 80 Prozent mehr Stellen ausgeschrieben als im gleichen Vorjahreszeitraum. Bei den Informatikern brachten die Anwendungsprogrammierer, Software- und Systemingenieure mit Steigerungsraten von jeweils um die 150 Prozent dem Arbeitsmarkt mehr als eine frische Brise. Das Schlusslicht der Saison, der Vertrieb, bescherte mit 16 Prozent gerade noch moderaten Zuwachs. Der Hamburger EMC-Medienservice legte jetzt auf Grundlage der Stellenangebote in 33 Tageszeitungen diese positive Halbjahresbilanz des DV-Stellenmarktes vor.

Im Branchenvergleich haben die Berater und die Elektronikindustrie die Nase vorn. 40 Prozent aller DV-Jobs wurden von den DV- Beratungs-, Software- und Systemhaeusern angeboten, knapp 20 Prozent belegte die Elektronikindustrie, etwa zehn Prozent andere Industriesparten, und das restliche Drittel teilen sich die uebrigen Branchen.

Elke Krevel von der Abteilung Personalentwicklung der Deutschen Philips GmbH in Hamburg erklaert dieses Ergebnis: "Eine Schluesselfunktion fuer den Arbeitsmarkt faellt der Industrie zu." Die Softwarebranche erfuelle hierbei einerseits traditionell die Rolle eines Dienstleisters. Andererseits haetten sich aber auch die Strukturen von Produktionsprozessen dahingehend veraendert, dass sie mehr und mehr von der Informationstechnik durchdrungen wuerden. Grundsaetzlich koenne man sagen: Wenn es der Industrie besser gehe, mache sich das auch in der Softwarebranche bemerkbar.

Krevel, die auch enge Hochschulkontakte unterhaelt, fuehrt aus, dass in ihrem Unternehmen ganze Entwicklungsgruppen fuer den Produktbereich neu aufgebaut wurden. Diese setzen sich vorwiegend aus technisch orientierten Informatikern, Ingenieuren mit fundierten Informatikkenntnissen und anderen Informatikern zusammen. Solche Entwicklungsteams, die ueber lange Zeit hinweg an einem Projekt beziehungsweise Produkt arbeiten, sind in den Industrieunternehmen fest eingestellt.

Andererseits sei ein Unternehmen bei der Projektabwicklung prinzipiell flexibler, wenn es Auftraege nach aussen vergeben koenne, raeumt die Philips- Managerin ein. Aber selbst wenn die eigentliche Entwicklung extern erledigt werde, muesse nach der Implementierung das Unternehmen komplett ueber die Software verfuegen koennen.

Im Rueckblick auf die letzten mageren Jahre, von denen alle Branchen betroffen waren, kann sich Krevel vorstellen, dass Unternehmen, bei denen sich nun eine Erholung abzeichnet, ihren neuerlichen Aufbau vorerst nicht nur mit eigenen Mitarbeitern bewaeltigen wollen. Die DV-Beratungsbranche, die System- und Softwarehaeuser boeten sich dazu an. Nach dem Grundsatz, dass originaere Geschaeftsprozesse nur mit eigenen Leuten zu machen sind, liege die Grenze fuer ihr Unternehmen allerdings insbesondere da, wo Software-Entwicklung spezielles Philips-Know-how erfordere.

Guenter Landwermann, Geschaeftsfuehrer der Landwermann Consulting GmbH im linksrheinischen Schweppenhausen, nahe bei Wiesbaden, die vor allem fuer Grossunternehmen der Chemie in Rheinland-Pfalz taetig ist, bestaetigt den Trend. "Im Zuge von Standardsoftware- und Client-Server-Einfuehrungen haben sich Projektstaus gebildet. Viele Anwendungsentwickler, die heute gebraucht werden, sind in der Rezession der letzten Jahre in die Fachabteilungen abgewandert, weil die DV-Abteilungen abspecken mussten. Diese Leute kommen nicht zurueck."

Landwermann berichtet, dass die Fachabteilungen auf den bisherigen Service, den sie von ihrer DV-Abteilung bekamen, nicht verzichten moechten. Das erfordere gerade beim Customizing von Standardsoftware in bestimmten Groessenordnungen einen erheblichen Anpassungsaufwand. Gefragt seien nicht nur hochspezialisierte Beratungen, sondern auch DB2- und Cobol-Programmierung fuer das Bridging. "Wir haben alle Haende voll zu tun", freut sich Landwermann.