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26.09.1986 - 

Hochleistungsdrucker

Neue Drucktechniken revolutionieren Gutenbergsche Anwendungen:Nur wenig Probleme mit der Hardware

Obgleich Experten behaupten, es hätte keine Zukunft, ist das "Desktop-Publishing" doch ein aktuelles Diskussionsthema. Drucker, die eine hohe Ausgabequalität bei tragbaren Kosten bieten, verführen zu eigenen Entwürfen. Alois Fabek, Mitarbeiter des Druckerherstellers Centronics, machte sich Gedanken zu Gutenbergs Nachfolgern.

Es ist schon ein verlockender Gedanke, mittels PC und Scanner als Eingabemedium, entsprechender Software als Verarbeitungsmedium und Laser-Drucker als Ausgabemedium, ein drucktechnisches Erzeugnis in den Händen zu halten, das sich nur wenig von den bisher, unter hohem technischem und personellem Aufwand erstellten Druckerzeugnis unterscheidet.

Diese eigene "Druckerei auf dem Schreibtisch" wird noch gefördert durch die immer preiswerter werdende Hard- und Software, so daß der Zeitpunkt nicht mehr allzu fern erscheint, an dem der Druckverarbeitungsspezialist mit seinem DP-Köfferchen (DP steht für Desk-Top-Publishing) von Auftraggeber zu Auftraggeber reist und dessen Druckwünsche, seien es nun Datenblätter Firmenzeitschriften oder technische Veröffentlichungen, quasi als Teilzeit-Arbeitskraft erledigt, während eventuell die hauseigene Druckerei so langsam aber sicher in die Röhre schaut.

Zum Verständnis der grundsätzlichen Neuerungen kann man zunächst die vereinfachte Produktionsabfolge bei der herkömmlichen Erstellung einer Seite aus Text und Grafik im Gegensatz zum neuen DP System betrachten.

Herkömmlich:

- Autor legt Textmanuskript vor

- Grafiken, Zeichnungen, Logos etc sollen eingebunden werden

- Autorenmanuskript wird redigiert

- im Fotosatz werden ein oder mehrere Korrektursätze erzeugt

- Montage von Korrektursatz und Grafik (Satzsysteme)

- erneute Korrektur des Gesamten

- Erstellung des Filmes (Belichter)

- Film dient als Vorlage zur Erstellung einer Druckplatte

- die Druckplatte erzeugt das endgültige Druckprodukt.

DP-System:

- am PC-Bildschirm werden Text und Grafik durch geeignete Software (Textprogramme, Satzprogramme und Seitenbeschreibungssprachen) erstellt beziehungsweise verarbeitet (getrennt oder kombiniert) Die erstellten Daten können jederzeit auf Massenspeicher abgelegt und wieder aufgerufen werden.

- erste Kontrollen über ein oder mehrere Hardcopies

- Ausdruck des Ergebnisses über Laser-Drucker oder

- Erstellung von Datenträgern (Diskette) zur Verwendung in herkömmlichen, angepaßten Satzsystemen.

Selbst bei diesem groben Vergleich erkennt man ganz deutlich, daß hinsichtlich Systemkosten, Durchlauf- und Kontrollzeiten, eventuelle Auftragsvergabe an ein oder mehrere externe Unternehmen, erhebliche Vorteile auf der DP-Seite liegen. Hier kann einer für alles zuständig sein. Zusammengefaßt sind also die Vorteile:

- die System- beziehungsweise Investitionskosten sind niedrig

- kaum spezielles Training notwendig

- wesentliche Zeitersparnis bei Korrektur, Layout und Umbruch

- die Produktionskosten sind niedrig, da Einmann-Handhabung

- kontinuierliche Produktionskontrolle, da in alle Abläufe involviert.

In einem Satz ausgedrückt heißt dies: Unter wesentlich geringerem Personalaufwand, kann bei stark reduzierten Produktionskosten in verhältnismäßig kurzer Zeit ein druckreifes Erzeugnis erstellt werden. Doch ganz so einfach ist es auch nicht. Die Problematik liegt dabei weniger in der Hardware, die fast an jeder Ecke gekauft werden kann, als in der angepaßten beziehungsweise abgestimmten Software, die für ein zufriedenstellend arbeitendes DP-System erforderlich ist. Da gibt es eine Vielzahl von Programmen, unter denen es die geeignete auszuwählen gilt, wie Textprogramme, Grafikprogramme, Satz-, Seitenlayouts- und Umbruchprogramme, Bit- oder vektororientierte Programme (die PDL - Page Description Language) oder Spezialprogramme für Scanner und Digitalisiertabletts.

Aus dieser Aufzählung läßt sich schon entfernt die Komplexität eines vollständigen DP-Arbeitsplatzes erkennen und es würde den Rahmen sprengen, nun auf jeden einzelnen Programmpunkt einzugehen. Stellvertretend soll daher etwas mehr auf die sogenannten "Page Description Language" (PDL) eingegangen werden.

Unter PDL versteht man vereinfacht eine Programmiersprache, die das Erscheinungsbild von Text, Grafik und digitalisierten Bildern auf einer druckenden Seite festlegt, als dynamische und interpretative Hochsprache ausgebildet, und geräteunabhängig ist. Derzeit existieren schon einige PDL wie Postscript, Impress, Express, Quic oder Interpress. Allen diesen PDL gemeinsam ist die typografische Gestaltung einer Seite mit all ihren Variationsmöglichkeiten durch einen mathematischen Algorithmus, der es erlaubt, die gesamte Bandbreite von höchstmöglicher Punktauflösung, völlig freier Plazierung und beliebiger Gestaltung ausnutzen.

So liegt zum Beispiel ein Buchstabe nicht als Bit-Map-Gebilde, wie in herkömmlich verwendeten ROM-residenten Zeichengeneratoren vor, sondern als mathematisch gestaltbarer Kurvenzug mit komplexen Variationsmöglichkeiten wie Drehung, Stauchung, Streckung, Verschiebung oder Spiegelung.

Typisch dabei ist, daß sich dadurch die maximale geräteabhängige Punktdichte erreichen läßt, die jedem sofort beim Betrachten einer farbig gestalteten Seite ins Auge fällt und kaum noch erkennbare Unterschiede zu herkömmlichen Satzmethoden erkennen läßt.

Aus der Vielzahl von PDL sticht besonders "Postscript", fast schon als De-facto-Standard zu bezeichnen, und in vielen Systemen implementiert, besonders hervor. "Postscript", ein Produkt von Adobe Systems Inc., kam im Jahre 1982 auf den Markt, kann aber auf eine Vorgeschichte bis ins Jahr 1976 verweisen.

Ursprünglich als Forschungsprojekt zur Schaffung einer interpretativen Sprache zum Aufbau von komplexen, dreidimensionalen grafischen Datenbanken unter dem Namen "Design System" bei der Evans & Sutherland Corp. hervorgegangen, entwickelte sich daraus im Jahre 1978 eine Reimplementation dieser Sprache unter dem Namen "JaM" am Xerox Palo Alto Research Center.

Doch auch hier fand diese Sprache nur experimentelle Anwendung wie VSLI-Design sowie Druck- und Grafikkunst. Ein Ergebnis aus dieser Zeit ist die Entwicklung von "Interpress" der Xerox Corp. Viele der Ideen in "Postscript" und "Interpress" haben also ihren Ursprung in der "Design System- und JaM-Sprache".

1982 gründeten Chuck Geschke und John Warnock die Firma Adobe Systems Inc. Dort entstand die dritte Inkarnation, genannt "Postscript", ebenfalls als interpretative Grafikbeschreibungssprache. Doch dieses Mal beschrieb die Sprache zweidimensionale Druckseiten und war als residente Sprache in Controllern für Rasterdrucker implementiert worden.

Die Postscript-Fähigkeiten beinhalten beispielsweise folgende Möglichkeiten in jeder Kombination:

- willkürliche Formen, gestaltet aus geraden Linien, Bögen und kubischen Kurvenzügen. Sie lassen sich überschneiden und können Zwischenräume und Löcher enthalten.

- Darstellung von Grundmustern, die es erlauben, einen Grundriß mit Linien in jeder Dicke sowie Farben auszufüllen.

- Integration von Text und Grafik. Im Postscript-Grafikmodell werden Textzeichen (standard- oder benutzerdefiniert) als grafische Form behandelt, die sich durch die Postscript-Operatoren verändern läßt.

- Verarbeitung von digitalisierten Bildern jeder Auflösung in einer Vielzahl von Variationen. Bietet Möglichkeiten zur Kontrolle der Übertragung von Bildern auf ein Ausgabegerät.

- Unterstützung aller Kombinationen der linearen Transformation einschließlich Translation, Rotation, Reflektion oder Scalierung.

Man könnte nun beliebig tief in diese Materie einsteigen, aber lassen wir es dabei bewenden. Man erkennt schon an diesen kurzen Erläuterungen, wie mächtig eine solche Sprache sein kann. Andere Sprachen beispielsweise sind:

Impress

Entwickelt durch Imagen Corp., deren traditionelle Stärken bei der Publizierung von technischen Applikationen und in CAE-Systemen mit Dokumentenverarbeitung lagen.

Express

Angeboten durch Office Automation Systems Inc. in San Diego, die Controller, basierend auf Motorola 68000 CPU, entwickelt. Der Sprachumfang beinhaltet rund 50 Befehle, die Seitenformatierung und Grafikpositionierung steuern. Ausgestattet mit einem Zeichengenerator genannt "Pyramid Front System", können durch mathematische Algorithmen Bit-Map verschiedener Größen zur Übertragung von Zeichensätzen erzeugt werden.

Quic

Diese Sprache wurde von QMS entwickelt. Ermöglicht das Laden von Zeichensätzen, Verwendung von ROM-residenten Fonts und liefert Drucker/Interface-Befehle wie "Drucke mehrere Kopien einer gegebenen Vorlage".

Interpress

Dies ist eine Dokumenten-Beschreibungssprache, die von Xerox auf ihren Non-Impact-Druckern verwendet wird. Sie enthält Xerox Zeichencodes für Fonts und ist kompatibel zu Xerox-Dokumenten-Übertragungsprotokollen.

Es bleibt abzuwarten, welche dieser PDL das Rennen macht, zumindest hatte "Postscript" einen guten Start, da schon einige Hersteller von Non-Impact-Druckern, sowie PC-Hersteller sich für "Postscript" entschieden haben. Allerdings: Noch ist unklar was geschieht, wenn sich Marktführer IBM entscheidet.