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14.11.1975

Neue Gelder für veraltete Konzeptionen!

Die letzten Ausgaben der Computerwoche bestätigen, daß der technologische Fortschritt in dieser Branche bei atemberaubender Geschwindigkeit anhält: neue Array-Computer Ó la "Staran" (CW-Nr. 43 vom 24. Oktober 75, "Assoziative Feldrechner ante portas"). Große Single Chip-Mikroprozessoren Ó la TI 990/4 für gut 1000 Mark (CW-Nr. 45 vom 7. November 75, "Ein Knüller, wenn nicht gar eine Bombe"). In dieser Ausgabe, Seite 1, der Bericht über den neuen Insai-Hypercube-Jumbo-Rechner mit "Universalrechner-Anspruch" und mit bis zu 512 Intel-Prozessoren "256 MOPS für 3 Millionen Mark". (Über Software spricht man nicht!) Gleich nebenan: "Nach dem Jumbo jetzt der Mammut" - eine Meldung über die Langfrist-Pläne des japanischen MITI-Ministeriums, ein Super-Rechenmonstrum in VLSI-Technik bis 1981 auf den Markt zu bringen.

Gegen all das nimmt sich Gene Amdahls 470 V/6 (CW-Nr. 24 vom 13. Juni 75, "Ein Superstar in Bonn", und CW-Nr. 45 vom 7. November 75, "Amdahl stark im Gespräch") schon eher artig und konventionell aus: Das Konzept ist ja auch das der 370 - nur eben realisiert in Very Large Scale Integration-Technik der Vierten-Schaltkreis-Generation. Dann wären die neuen Array-Rechner und Multiprozessoren auf Mikro-Computer-Basis bereits fünfte Generation? Wohin geht der Trend?

Gutachten von gestern

Man bedenke, daß die Studien für die Planung des Dritten DV-Förderprogramms der Bundesregierung (1976-1980) vor etwa einem Jahr mit dem Know-How-Stand von kurz davor erstellt wurden. Befragt war die etablierte Gutachter-Mannschaft. Wer aber von denen wußte damals oder weiß heute Bescheid über die neuesten technologischen Entwicklungen - die übrigens bereits auf dem Markt erscheinen? Die Handvoll Wissenschaftler, die hierzulande über Parallel Array Processing informiert sind - etwa Prof. W. Händler, Universität Nürnberg - Erlangen - oder die verstehen, wie die Hypercube-256-MOPS-Maschine arbeitet, gehören nicht zu denen, die über die Millionenbeträge für die Industrieförderung im Dritten DV-Förderprogramm, auch "Siemens-Förderprogramm" genannt, befinden. Vielleicht hätten sie einiges dazu zu sagen?

Ewiges Nachhinken

Während der Systems '75 gab es eine Diskussionsveranstaltung des "Clubs Wirtschaftspresse", in der Dr. Manfred Wahl, Ex-IBM-Topmanager ganz hoher Etagen voraussagte, daß wir vermutlich 1980 ein Viertes Milliardenprogramm brauchen, weil wir genau dann erkennen - wenn es wieder einmal zu spät ist -, wo man 1976 hätte fördern sollen. Wahl deutete an, daß vermutlich Siemens bei seiner Erfahrung in der Fernsprech- und Nachrichtentechnik heute eine rentable Marktstellung im Bereich der Kommunikationstechnologie von morgen hätte, wenn man 1971 mit Hilfe des Zweiten DV-Förderprogramms entsprechend den technologischen Entwicklungen vorausplanend gefördert hätte. Statt dessen wurden IBM-Rechner nachgebaut und die Telefunken TR 440 entwickelt.

Schade um das viele Geld

Eigentlich schade um die vielen, vielen Steuergelder. Warum schließt Siemens nicht mit Amdahl oder Fujuitsu oder sonstwem einen Know-How-Vertrag für den Nachbau Vierter-Generations-VLSI-Maschinen, um sich mit Staatshilfe heute schon auf die Entwicklung zu konzentrieren, die danach kommt?

Beispiel: BASF hat - ganz ohne staatliche Förderung - auf der Systems '75 erstmalig einen extrem schnellen, kommerziell verfügbaren Domain Tip Propagation Externspeicher (DOT) auf Bubble-Basis (Magnetblasen) vorgestellt. (Mehr darüber in der nächsten Computerwoche.) Auch Bonn sollte lernen, mehr in die Zukunft zu schauen. Dort nämlich liegt das Geschäft.

IBMs Future System - wenngleich um Jahre zurückgestellt - kommt bestimmt - so etwa um 1980 Nach allem, was bisher über FS bekannt wurde, soll es eine Mischung aus assoziativem Rechner und Multiprocessor-Array-Rechner sein.

Im BMFT und im Parlament sollten die jüngsten Entwicklungen überdacht werden, bevor Hunderte von Millionen Mark als "Industrieförderung" verteilt werden.