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03.09.2004 - 

IT in Banken/Daimler-Chrysler Bank

Neue Geschäftschancen mit standardisierten Prozessen

Kosten senken kann jeder, neue Geschäftsfelder erschließen ist weit anspruchsvoller erst recht vor dem Hintergrund der Marktsituation in der Finanzbranche. Da ist die Rede von volatilen Kapitalmärkten, Konsolidierung von Bankinstituten, neuen Playern und Vertriebskanälen. Um sich im Wettbewerb behaupten zu können, gilt es besser zu sein als andere. Eine der Kernfragen lautet: Welche Produkte und Services produziere ich selbst, und welche kaufe ich extern ein? Als Königsweg gilt eine Kombination aus Kostenkontrolle, Erschließung neuer Geschäftsfelder und Anpassung der Wertschöpfungstiefe.

Die Daimler-Chrysler Bank in Stuttgart hat ihre traditionellen Geschäftsfelder Finanzierung und Leasing ergänzt und sich neue, wachstumsträchtige Bereiche erschlossen. Das erweiterte Produktspektrum umfasst zusätzlich zu dem klassischen Portfolio auch Tagesgeld, Sparpläne, Kreditkarten und Versicherungsleistungen.

"Die Expansion der Geschäftstätigkeiten musste auch durch eine informationstechnische Infrastruktur abgesichert sein", berichtet Robert Queitsch, Manager Business Integration Services bei der Stuttgarter Bank. "Die Vorgabe an die IT-Abteilung im Projekt ,Intrade' lautete daher, eine Vielzahl vorhandener und neuer Systeme und Anwendungen in eine flexible Infrastruktur zu integrieren." Gefragt war keine reine Datenaggregation, sondern die Abbildung und Straffung bankfachlicher Prozesse, die system- und anwendungsübergreifend implementiert sind. Zu Projektbeginn betraf dies fünf externe Systeme, 27 fachliche Schnittstellen und 200 Datenformate. Die Geschäftsprozesse involvieren eine Vielzahl zugekaufter Applikationen sowie selbst entwickelter Host-Anwendungen und Datenbanken.

In der aktuellen Implementierung sind insgesamt 15 interne und externe Systeme integriert, dazu kommen vier Systeme, mit denen Datenfiles ausgetauscht werden. Zu den internen Systemen zählen etwa die Stammdatenverwaltungen, ein Internet-Portal, die Verwaltung von Kundenkontakten und die Drucksteuerung.

Monitoring und Feinjustierung

Beispiele externer Systeme sind die Prämienabwicklung, Mercedes Card, Abwicklung von Smartcard-Leistungen, Erfassung von Kreditkartenanträgen, Aufbereitung von Kreditkartendaten, Kreditkarten-Management, Fondsabwicklung sowie Transaktionen für das Einlagen- und Fondsgeschäft.

Die Infrastruktur ist so aufgebaut, dass die Integrationsplattform "Businessware" von Vitria Geschäftprozesse unter Einbeziehung externer Services wie Bonitätsprüfungen oder Kreditkartenabrechnungen koordiniert. Sie sorgt für den Datenaustausch, die Datenkonvertierung (Mapping) und die Prozesssteuerung (Workflow-Management). "Damit war die technische Infrastruktur geschaffen", sagt Queitsch. "Transparenz und Monitoring der Prozesse erlauben Messungen der Business-Performance, deren Ergebnisse wiederum einer Feinjustierung der Prozesse dienen."

Geschäftspolitisch verfolgt die Daimler- Chrysler Bank eine Strategie des Best of Breed, bei der Komponenten und Services externer Finanzdienstleistungsanbieter in das eigene Portfolio und damit in die Geschäftsprozesse eingebunden werden. Dies erfordert einen hohen Integrationsbedarf und die Orientierung an Standards. Queitsch: "Die Prozesskompetenz, um die Services zu koordinieren und zu steuern, wird damit zu einem zentralen Merkmal der Bank."

Zentrale Steuerung entscheidend

Mit den Themen Integration und Verbesserung von Geschäftsprozessen befasst sich das Unternehmen schon geraume Zeit. Die Anfänge der heutigen Lösung reichen einige Jahre zurück. In einem ersten Enterprise-Application- Integration-Projekt ging es um eine Vernetzung von Auftragssystemen der Daimler-Chrysler AG mit Vertragssystemen der Daimler-Chrysler Bank. Als technische Lösung setzte man damals auf einen Java Application Server.

Rasch stellte sich heraus, dass eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung der benötigten Anwendungen nicht zu den gewünschten Ergebnissen führen würde.

Im Rahmen einer Markterhebung analysierte die Bank das Angebot und untersuchte drei Produkte. Darüber hinaus stellte sie Kosten und Nutzen denen einer Eigenentwicklung denen einer gekauften Lösungsplattform gegenüber. Basis waren die Anforderungen der Bank hinsichtlich Stabilität, Skalierbarkeit, Transaktionalität, Business Process Modelling und Wartungskosten.

Die ausgereiften Funktionen zur Prozessmodellierung und -automatisierung sowie die homogene Architektur des Produkts gaben den Ausschlag zugunsten von Vitria. "Das entscheidende Plus der Businessware-Lösung ist eine zentrale Prozesssteuerung", sagt Queitsch. Die ersten Projekte gingen im Sommer 2002 live.

Heute arbeiten sieben Server-Instanzen in der Produktivumgebung. Um eine hohe Ausfallsicherheit zu gewährleisten, wird eine Cluster-Umgebung mit Intel-basierenden Servern und Windows 2000 eingesetzt. Die Instanz Intrade verarbeitet durchschnittlich pro Tag mehr als 700000 Transaktionen bei einem Datenvolumen von mehr als 1,2 GB und zirka 70000 Logging-Events zur Systemüberwachung und Prozesskontrolle.

Seit Frühjahr 2004 nutzt der Finanzdienstleister im Integrationsprojekt Easyline - am Point of Sale starten Mitarbeiter eine Anfrage in den Backend-Systemen wegen einer Fahrzeugfinanzierung - Messwerkzeuge für Prozesse. Ermittelt werden unter anderem Daten über die Anzahl der automatisch abgewickelten Anträge im Verhältnis zu allen Anträgen sowie die Durchlaufzeiten der Anträge. Die Ergebnisse dienen dazu, im Sinne eines "Reverse Engineering" Prozesse zu analysieren und zu verbessern. Möglich sind Auswertungen nach Niederlassungen, Regionen und Fahrzeugsparten.

"Ein Kennzeichen der Integrationsstrategie der Daimler-Chrysler Bank ist die Fokussierung auf Geschäftsprozesse statt auf Systeme", resümiert Queitsch. Die besondere Natur interner und unternehmensübergreifender Prozesse, die darauf beruht, dass eine Vielzahl von Services wie Kreditauskünfte oder das Anlagengeschäft einzubinden sind, erfordert eine zentrale Steuerungsinstanz für Geschäftsprozesse. Diese existiert in Form der Integrationsplattform. (bi)

*Jürgen Wasem-Gutensohn ist Autor in München.

Hier lesen Sie ...

- wie und warum die Daimler-Chrysler-Bank ihre traditionellen Geschäftsfelder erweitert hat;

- welche Infrastruktur diese Erweiterung informationstechnisch abgesichert hat;

- warum eine zentrale Prozesssteuerung ausschlaggebend wurde;

- weshalb sich die Bank auf Geschäftsprozesse fokussiert hat, statt auf Systeme.

EAI-Award 2004

Auf dem 6. EAI-Forum in Mainz wurde die Daimler-Chrysler Bank mit dem EAI-Award 2004 "für das beste EAI-Projekt" ausgezeichnet. Der Kongressveranstalter IIR Deutschland würdigte mit diesem Preis das Integrationsprojekt "Intrade", das die Daimler-Chrysler Bank in Zusammenarbeit mit Vitria Technology umgesetzt hat. Die Award-Jury war vor allem beeindruckt von der vollständigen Automatisierung der Prozesse und der Tatsache, dass über die Plattform neue Abläufe schnell integriert werden können. Auch die Leistungsmessung der Prozessleistung mittels Kennzahlen und die detaillierte Return-on-Investment-Berechnung vor dem Projektstart überzeugten.

Das Unternehmen

Die Daimler-Chrysler Bank ist eine der führenden Autobanken Deutschlands. Sie gehört zur Daimler-Chrysler Services AG, dem globalen Finanzdienstleister im Daimler-Chrysler-Konzern mit Fahrzeugfinanzierungsgesellschaften in 39 Ländern. Mit einem verwalteten Vertragsvolumen von 98,2 Milliarden Euro und rund 11000 Mitarbeitern (Stand: Ende 2003) zählt Daimler-Chrysler Services zu den weltweit führenden Finanzdienstleistern. Das Leistungsspektrum umfasst Fahrzeugfinanzierung, Fahrzeugleasing und Fahrzeugversicherung für Mercedes-Benz, Smart, Chrysler, Jeep und Setra. Heute rollt nahezu jedes zweite Daimler Chrysler-Neufahrzeug in Deutschland mit einer Finanzierungslösung der Daimler-Chrysler Bank auf die Straße. Zusätzlich zum Flotten-Management bietet die Bank seit Juli 2002 Geldanlageprodukte und Kreditkarten an. Die bundesweit 1500 Mitarbeiter betreuen mehr als 850000 Kunden, die Hälfte davon im Leasing- und Finanzierungsgeschäft, rund 20 Prozent bei Geldanlagen und 30 Prozent bei Kreditkarten (Stand: Ende 2003).