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29.11.2007

Neue Gesetze im Outsourcing-Markt

Industrialisierung, weltweites Sourcing und der Fachkräftemangel sorgen dafür, dass der Auslagerungstrend eine neue Richtung nimmt.

Mit zunehmender Reife des Auslagerungsgeschäfts nehmen die Varianten des Outsourcings zu, weil Anwender wie auch Anbieter ihre Erfahrungen in die neuen Verträge einfließen lassen. "Teile der IT auszulagern ist für die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland heute selbstverständlicher Teil der Optimierung ihrer Wertschöpfungskette", behauptete Martin Jetter, Vorsitzender der Geschäftsführung von IBM Deutschland und Mitglied des Bitkom-Präsidiums. Der Branchenverband hatte zu einem Kongress zum Thema Next Generation Outsourcing (NGO) geladen. Was sich konkret dahinter verbirgt, ist nicht klar umrissen. Sicher gehören die Industrialisierung und Internationalisierung der Angebote auf Seiten der IT-Dienstleister dazu. Die Anwender hingegen fordern von ihren Providern mehr Branchenorientierung, Innovationen, flexible Strukturen und nach wie vor geringere Kosten ein. Zudem interessieren sie sich für effizientere Verfahren, um ihre Lieferanten zu steuern.

Fachkräftemangel fördert Offshore-Trend

Geeignetes IT-Personal zu finden fällt den hiesigen IT-Anbietern zunehmend schwer. "Zurzeit gibt es 20 000 offene Stellen im IT-Bereich", warnte Andreas Goerdeler, Referatsleiter im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, auf dem Bitkom-Anwenderkongress. "Im Jahr 2014 werden in Deutschland 60 000 Ingenieure fehlen." Doch die Klage der Branche über verfehlte Hochschulpolitik und leer gefegten Arbeitsmarkt klingt angesichts der zurückliegenden Jahre etwas befremdlich. In mageren Zeiten haben es die IT-Anbieter versäumt, gegenüber den Arbeitnehmern Verlässlichkeit zu zeigen. "Wie wollen wir in einem 16- oder 17-jährigen Schüler Begeisterung für die Informatik schüren, wenn sein Vater in diesem Beruf entlassen wurde?", fragte Dieter Kempf, Vorsitzender des Vorstands bei der Datev e.V.

Ukrainer, Rumänen und Russen haben die Not der Deutschen schnell erkannt: "Russland ist nicht billig", betonte Sergey Karas, Vice President Global Strategy beim russischen IT-Dienstleister Luxsoft. "Russische Ingenieure sind als verlängerte Werkbank für einfache Aufgaben wie die Applikations-Maintenance ungeeignet. Diese Services lassen sich in Indien günstiger einkaufen." Auch Firmenvertreter aus der Ukraine und aus Rumänien warben insbesondere mit ihrem enormen Ressourcen-Pool an IT-Ingenieuren um Auslagerungsaufträge. Günstige Preise sind dabei obligatorisch. Auch Luxsoft-Manager Karas räumte auf Nachfrage ein: 25 Euro Stundenlohn für Standard-Outsourcing-Service sind derzeit in Russland Durchschnitt. Gehe es jedoch um Architekturdesign, IT-Beratung und Security-Consulting, verlange man durchaus marktübliche Preise und damit sind die hiesigen Tagessätze gemeint.

"Next Generation Outsourcing ist längst keine Fiktion mehr, sondern gelebte Praxis in Projekten", sagte Jetter. Um das zu untermauern, präsentierte der Verband auf dem fünften Anwenderforum zum Thema Outsourcing einige Praxisbeispiele. Der Baukonzern Hochtief hat etwa den Einkauf an Accenture ausgelagert und freut sich über schlanke Prozesse, reduzierte Lieferantenzahl und transparente Gemeinkosten. "Wir sind ein Baukonzern", begründete Tossan Souchon, Leiter Global Procurement bei Hochtief, die Entscheidung zur Auslagerung. "Wir haben kein Interesse daran, Fachkräfte für den Einkauf zu beschäftigen." Das tut nun Accenture im Rahmen eines Shared-Services-Angebots. Der IT-Dienstleister kauft für Hochtief Büromaterial, Kurierdienste, IT-Hardware, Software und vieles mehr ein. Die Hochtief-Mitarbeiter bestellen über ein Portal mit verbindlichem Preis, der wiederum einen Aufschlag enthält, um das BPO-Projekt zu finanzieren. Accenture verdient also am Verkauf in die Fachabteilungen. Der Kunde verpflichtet sich im Gegenzug, seine Mitarbeiter anzuhalten, ausschließlich über das Portal einzukaufen und alternative Bezugsquellen zu schließen.

Standardisierung und mehr Flexibilität hat die Vaillant-Gruppe, Hersteller von Heiz- und Klimatechnikgeräten, mit ihrem Outsourcing-Projekt angestrebt. Die Netz-, Desktop- und Server-Infrastruktur wurde an HP ausgelagert. Gezahlt wird nach Verbrauch. Anlass war die Übernahme eines Unternehmens mit dezentraler IT. Vaillant hatte die eigene IT seit Jahren zentral betrieben. "Beide Welten mussten zu einer einheitlichen, harmonischen Umgebung zusammengeführt werden", erläuterte Klaus Scheid, verantwortlich für die IT-Infrastruktur bei Vaillant. Zunächst habe man es selbst versucht, sei damit aber nicht weitergekommen. Nun betreibt HP die Installation und garantiert dem Konzern Transparenz, Service und Preise.

Breakeven nach sechs Monaten

Dennoch bleibt die Kostenreduzierung eine wichtige Triebfeder im Outsourcing. "Für uns war von Beginn an klar: Das BPO-Projekt muss sich aus den Einsparungen finanzieren. Geht das nicht, dann lassen wir es", betonte Hochtief-Manager Souchon. Der wirtschaftliche Erfolg hat sich offenbar eingestellt. Den Breakeven erreichte das Vorhaben schon nach sechs Monaten. Auch Vaillant-Manager Scheid hatte den wirtschaftlichen Nutzen stets im Blick: "Neben Standardisierung waren die Kosteneinsparungen ein wesentlicher Punkt."

Für die IT-Dienstleister bedeutet dies, dass sie ihre Services effizienter erbringen müssen. "Die Kunden haben sich emanzipiert sie gehen viel besser vorbereitet in Outsourcing-Projekte als noch vor wenigen Jahren", warnte Jetter die Anbieter. Das Zauberwort heißt für sie Industrialisierung, sie ist ein wesentliches Element zur Ausgestaltung des Next Generation Outsourcing. Orientierung auf dem Weg zur industriellen Fertigung bietet die Automobilbranche, insbesondere deren ausgefeiltes Netz an Zulieferern. "Es gibt weite Teile in der IT, in denen wir selbst nicht Innovationstreiber sind und es auch nicht sein wollen", schilderte Thomas Besthorn, Geschäftsführer von SAP Hosting, die Effizienzbemühungen bei der Outsourcing-Tochter des Softwarekonzerns aus Walldorf. Sein Unternehmen habe die eigenen Services kritisch durchleuchtet und herausgefunden, wo es Mehrwert bieten könne. Dienstleistungen, die andere besser erbringen, würden zugekauft. Industrielle Fertigung heißt aber auch, auf steigenden Bedarf schnell reagieren zu können. SAP produziert daher Dienstleistungen auf Vorrat. Damit stehen fertig konfigurierte Server zur sofortigen Nutzung bereit.

Doch es gibt auch eine Schattenseite in diesem Geschäft. Der anhaltende Preisdruck durch Near- und Offshore-Angebote macht es den deutschen Anbietern zunehmend schwer, ihre Services kostendeckend zu erbringen. "Deutschland ist ein Hightech-Standort und wird den Wettbewerb um Lohnkosten nicht gewinnen", sagte Andreas Stiehler, Analyst bei Berlecon Research. "Die Anbieter können sich aber durchaus dem Preiswettbewerb stellen." Dazu müssten jedoch Off- und Nearshore-Kapazitäten in das Portfolio aufgenommen werden.

"Geben wir den Massen- und Commodity-Markt vielleicht zu früh auf?", fragte Peter Kreutter von der WHU Otto Beisheim School of Management in Vallendar. Statt sich um effiziente Arbeitsabläufe zu bemühen, räumen viele Anbieter angesichts des Preisdrucks lieber das Marktsegment für einfache Rechenzentrums- und Desktop-Services. Die Konzentration der Anbieter auf hochwertige Dienstleistungen verfolgt Berlecon-Analyst Stiehler allerdings mit Sorge: Je mehr Dienstleister um das Highend-Segment werben, desto früher und schneller fallen auch dort die Preise. Kreutter vergleicht die Entwicklung im IT-Servicegeschäft mit der historischen Entwicklung der Stahlbranche. Steigender Preisdruck, neue Anbieter aus Asien sowie ein jahrelang nur moderat wachsendes Geschäft haben vielen lokalen Stahlkochern den Garaus gemacht. So betrachtet wäre Next Generation Outsourcing auch ein Synonym für die weitere Konsolidierung unter den IT-Serviceanbietern, langsames Wachstum und - aus Anwendersicht - günstigere Preise.