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04.07.2007

Neue GPL trifft auf verhaltene Reaktionen

Die Free Software Foundation hat die dritte Version der GNU General Public License veröffentlicht.

Nach rund 18-monatiger öffentlicher Diskussion hat die Free Software Foundation (FSF) am 29. Juni 2007 die neue GPLv3 vorgestellt. Sie soll nach Willen der Organisation möglichst bald die bisherige zweite Fassung als beliebteste Lizenz für freie und Open-Source-Software ablösen. Neben der Hauptlizenz hat die FSF auch die Lesser General Public License (LGPL), die freie Software in proprietären Programmen zulässt, in der dritten Version beschlossen.

Für Richard Stallman war die Vorstellung der neuen GPL ein großer Tag. Er hatte schon mit Hilfe von Anwälten aus der Kanzlei Perkins, Smith and Cohen die 1989 eingeführte erste Version der GPL und 1991 die GPLv2 verfasst. Damit war ihm ein Anliegen verbunden: Freiheit der Anwender. "Seit wir die Bewegung für freie Software vor mehr als 23 Jahren gegründet haben, hat die Free-Software-Community Tausende hilfreiche Programme entwickelt", erklärte Stallman bei der Präsentation der GPLv3. "Die meisten dieser Programme verwenden die GNU GPL, um jedem Anwender die Freiheit zu garantieren, ein Programm starten, studieren, adaptieren, verbessern und weiterverbreiten zu können."

Die jetzt verabschiedete dritte GPL führt einige umstrittene Neuerungen gegenüber der GPLv2 ein: So darf jetzt die digitale Rechteverwaltung (DRM) bei GPL-lizenzierten Programmen nicht die Rechte der Anwender einschränken. Die FSF will dadurch die (nach einem Linux-basierenden Videorecorder benannte) "Tivoization" verhindern: Hier sorgen technische Vorkehrungen dafür, dass GPL-Software nach einer Veränderung auf ihren Ursprungsgeräten nicht mehr verwendet werden kann. Die GPLv3 verhindert dies bei Geräten für Privatanwender, nicht aber bei solchen für Unternehmen oder Verwaltungen (zum Beispiel bei Maschinensteuerungen).

Die GPLv3 kommt mit rund einem halben Jahr Verspätung gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan. Dies hat seine Ursache in dem berüchtigten Abkommen zwischen Microsoft und Novell. Wie angekündigt verhindert die neue GPL solche in Augen der FSF "diskriminierenden" Verträge, die bestimmte Rechte, in diesem Fall Freistellung von hypothetischen Patentrechtsklagen durch Microsoft, nur für einen Teil der GPL-Softwareanwender, nämlich für die Suse-User, vorsehen. Novell kommt allerdings durch eine "Großvaterklausel" unbehelligt davon. Die Folgen für Xandros und Linspire, die ähnliche Verträge mit Microsoft geschlossen haben, sind noch nicht absehbar.

Die neue Lizenz sieht ferner vor, dass Firmen das Recht zur Nutzung von GPL-Software entzogen werden kann, wenn sie aus der GPLv3 hervorgehende Pflichten (zum Beispiel Wiederveröffentlichung des Codes) verletzen. Die Einführung solcher Kündigungsklauseln war seitens der IT-Industrie stark kritisiert worden. Denn sie befürchtete, das Recht zur Nutzung von GPL-Software zu verlieren, wenn sie mit der FSF oder Wettbewerbern über Patente in Streit geraten sollte.

Kein Applaus aus der Industrie

So nimmt es nicht wunder, dass die Reaktionen auf die neue Lizenz seitens der Industrie recht verhalten sind. IBM, Hewlett-Packard und Oracle beispielsweise haben bis Redaktionsschluss kein Statement abgegeben. Sun mag momentan von dem schon einmal angekündigten Wechsel zur GPLv3 nicht mehr reden. Novell freute sich über die Möglichkeit zur "weiteren Kooperation mit Microsoft" dank der Großvaterklausel und lobte im Übrigen lediglich den "kollaborativen Entstehungsprozess" der Lizenz. Red Hat stellte fest, das Werk sei "zu erläutern", die Anwender würden "von einigen Neuerungen profitieren".

Eine generelle Übernahme der GPLv3 durch die Distributoren sie heißen in der neuen Lizenz "propagations" ist ohnehin nicht so einfach möglich. Denn das wichtigste aller Open-Source-Projekte, der Linux-Kernel, wird nach vernichtenden Statements von Linus Torvalds und der gesamten Kernel-Maintainer-Gruppe unter der GPLv2 bleiben. Damit steht der Bewegung für freie und quelloffene Software eine zweigleisige Entwicklung ins Haus.

Dafür wäre allerdings der Ausdruck "Schisma"übertrieben: Die parallele Nutzung mehrerer Open-Source-Lizenzen ist in Community-Projekten nicht ungewöhnlich. Es ist jedoch absehbar, dass die alte GPLv2 trotz aller Schwächen noch einige Zeit die dominierende Lizenzform bleiben wird.

In den nächsten Wochen wird die Free Software Foundation die unter ihrer Führung entwickelten Programme unter die GPLv3 stellen. Dies betrifft die unmittelbare Kernel-Umgebung von Linux. Mit Sicherheit wird das Samba-Team die neue Lizenz annehmen. Das auf Lizenz-Tracking spezialisierte Unternehmen Palamida geht davon aus, dass mehr als 4500 Community-Projekte Interesse an der GPLv3 haben. Allerdings gibt es Zehntausende solcher Gemeinschaftsvorhaben. (ls)