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10.09.1976

Neue IBM-Minis für das SNA-Geschäft?

Als IBM die Systems Network Architecture vor einem Jahr vorstellte, wurde das SNA-Konzept vom Marktführer als die bedeutendste Ankündigung bezeichnet, die IBM im nächsten Jahrzehnt auf den Markt bringen wird - vergleichbar nur der damaligen Ankündigung des Systems 360. Nur Marketing-Superlative? Hat IBM das nötig? Verfährt IBM auch sonst so? Mitnichten! Vielleicht stimmt das gar! Wenn ja, gehört allerdings mehr dazu, damit aus einem Konzept ein großes Geschäft wird.

Seit langem flüstern Branchen-Insider, laufen Gerüchte durch die amerikanische Fachpresse, daß IBM "in den nächsten Wochen" oder auch "in den nächsten Monaten" eine Mini-Computer-Familie auf den Markt bringen wird. Angeblich sollen in den USA bei Pionier-Kunden die ersten Systeme bereits installiert worden sein - maskiert als 370X-Einheiten; Britain's "Computer-Weekly" berichtet, daß in England ebenfalls schon zwei Rechner der Future-Mini-Line bei IBM-Kunden in Erprobung seien. Dafür spricht, daß immerhin fünf Jahre vergingen, seit das System angekündigt wurde. Dafür spricht ebenfalls, daß Armonk-Astrologen seit langem vorhersagten, IBM werde Digital Equipment dafür bestrafen, daß der Mini-Marktführer nicht bei seinen Leisten blieb, sondern mit dem großen DECsystem 10 IBM's Kreise störte.

Voraussetzung für die großen Netze

IBM's VBs sprechen heute beim Kunden mit glänzenden Augen zunächst einmal von der Systems Network Architecture, bevor es ums Alltagsgeschäft des nächsten Upgrade geht. Auf der diesjährigen National Computer Conference in New York war der gesamte IBM-Stand allein dem Thema gewidmet, wie SNA in der ganzen Breite der Anwendungen genutzt werden kann.

Und plötzlich beginnt IBM mit der Ankündigung der 138 und 148 Hardware geradezu "zu verschleudern". Bis die Konkurrenz dann nachzog, konterte sie mit Hinweisen, die Preissenkungen würden - bezogen auf Gesamtsysteme - nur 15 Prozent, höchstens 20 Prozent betragen. Tatsache aber bleibt, daß für Zentraleinheiten selbst - allerdings nur bei Kauf, und das ist wiederum bezeichnend -, verglichen mit bisheriger entsprechender Leistung, die Preise schlichtweg halbiert wurden. In der Tat eine Sensation. Ein Schachzug, der in den Zentralen die Voraussetzungen für große Netze schaffen soll?

Subsysteme als Hauptgeschäft

Aus alledem folgt, daß der eigentliche Rechner - vormals Mittelpunkt, um den sich alle Peripherie rankte - in den kommenden Netzen des Distributed Processing immer weniger wichtig wird, was den prozentualen Wert am Gesamt-System betrifft. Der Computermarkt wird sich dergestalt ändern, daß der Umsatz mit Peripherie im weiteren Sinne, also mit der Gesamtheit der Subsysteme und Terminals, das Mainframe-Geschäft mit den immer billiger werdenden Zentralrechnern weit in den Schatten stellen wird.

Wenn IBM ihren Marktanteil halten will, muß sie sich anpassen, ja, sie hat es offensichtlich bereits getan.

Sicherlich hat IBM beispielsweise das 3600 Kassen-Terminal-System oder die 3650- und 3660-Point-of-Sales Terminals zunächst auch deshalb auf den Markt gebracht, damit sie helfen, immer größere 370-Zentraleinheiten zu verkaufen. Das gleiche gilt für die entsprechenden Softwarepakete.

Aber längst ist bekannt, daß nunmehr bei den ganz großen Systemen die Grenzen der Rechner-Architektur Ó la 370 erreicht wurden, daß die Systeme bei zunehmender Terminalzahl in die Knie gehen, daß der Anteil reiner Verarbeitung an der Gesamtlast der "Real-Time-Dinosaurier" überproportional abnimmt. Distributed Processing weist den Ausweg.

Dezentrale Leitrechner vom Typ 3700 zu installieren war bisher IBM's Kontraindikation. Mit der bevorstehenden Ankündigung der neuen, vermutlich erheblich preisgünstigeren IBM Minis - wahrscheinlich Rechner, die der PDP-11-Linie und nachempfundenen Systemen ähnlich sind - wird Distributed Processing im Rahmen der SNA den ganz großen Durchbruch erzielen.