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16.06.1989 - 

DFÜ-Gebührenvorteile können nur schrittweise realisiert werden, aber:

Neue Infrastruktur ist eine sehr preiswerte Alternative

"Es dürfte voraussichtlich mehrere Jahre dauern, bis die EDV-Industrie die ÆISDN-HerausforderungÆ meistern kann", schreibt Otto F. Schröter, Ex-IBMer und heute Berater für Kommunikationstechnik, Im folgenden Artikel. Welche Mittel und Wege es jedoch dennoch schon heute gibt, Nutzen aus der neuen Kommunikationsinfrastruktur zu ziehen, zum Beispiel über Terminaladapterkarten, zeigt der Autor ebenfalls auf.

Das ISDN-Teilnetz der Deutschen Bundespost, welches wie berichtet im März 1989 in acht Großstädten in Betrieb genommen wurde, wird im Laufe dieses Jahres zügig erweitert. Bis zum Jahresende werden insgesamt in 63 und bis Ende 1 990 in mehr als 290 Ortsvermittlungsstellen ISDN-Basisanschlüsse verfügbar sein. In Verbindung mit der vorgesehenen "Fremdanschaltung" können dann etwa 50 Prozent aller Telefonkunden der Deutschen Bundespost einen ISDN-Universalanschluß erhalten.

Auf ISDN-Verbindungen können viele Dienste, Telefon-, Telefax-, Bildschirmtext-, Teletex- und Datenübermittlungsdienste, mit bis zu 64 KBit/s abgewickelt werden. Zur Prüfung der "ISDN-Anschlußfähigkeit" des eigenen Standortes hat die Deutsche Bundespost einen "ISDN-Verfügbarkeitsatlas" herausgebracht, welcher für jedes Ortsnetz die ISDNTermine darstellt.

Der ISDN-Universalanschluß bietet zwei Basiskanäle mit je 64 KBit/s für die Informationsübertragung zu gleichen oder unterschiedlichen Zielen und einen zusätzlichen Steuerkanal. Wegen der hohen Grundgebühr von 74 Mark pro Monat (ohne Endgeräte) wird eine ausschließliche Nutzung im Telefondienst nur dann erfolgen, wenn die neuen Leistungsmerkmale, wie Rufumleitung und Rufweiterschaltung oder die lokalen KomfortLeistungsmerkmale der ISDN-Telefonapparate, für den Anwender von Bedeutung sind.

Der überwiegende Teil von ISDN-Interessenten wird durch die Nutzungsmöglichkeit mehrerer Dienste von einem Anschluß motiviert, da sich erhebliche Einsparungsmöglichkeiten bei den Grund- und Verbindungsgebühren ergeben können. Insbesondere die Datenübermittlung mit bis zu 64 KBit/s zum Telefontarif ermöglicht eine kostensparende Durchführung bestehender oder geplanter Anwendungen. In den folgenden Ausführungen sollen vor allem Datenübermittlungsanwendungen im ISDN-Universalnetz der Bundespost während der Einführungszeit "1989-1992" betrachtet werden.

Zwischen ISDN-Universalanschlüssen können auf "Wähl-" oder "semipermanenten Fest"-Verbindungen Daten mit bis zu 64 KBit/s zum Telefontarif übertragen werden. Über Wählverbindungen können beliebige ISDN-Universalanschlüsse innerhalb 1,7 Sekunden verbunden werden, dabei können geschlossene Benutzergruppen eingerichtet werden. Semipermanente Festverbindungen werden zwischen zwei Anschlüssen "vorprogrammiert" und können jeweils innerhalb von 300 ms aktiviert werden. Beide Verbindungsarten verursachen wesentlich geringere Kosten als bei den bisherigen Spezialnetzen. Um diesen Dienst optimal auszunutzen, wird die S(0)-Schnittstelle benötigt.

An einem ISDN-Basisanschluß "S(0)" steht, neben den für die Informationsübertragung verfügbaren zwei Basiskanälen mit einer Bandbreite von je 64 KBit/s ein separater Steuerkanal "D" mit einer Bandbreite von 16 KBit/s zur Verfügung. Dadurch wird es möglich, die Anschlußkennung des rufenden Teilnehmers an der Empfangsstelle anzuzeigen. Beim Telefondienst erfolgt eine Rufnummeranzeige auf dem Display des ISDN-Telefonapparates. Dieses ISDN-Leistungsmerkmal wurde von einigen Kommentatoren kritisiert, weil es in besonderen Fällen die notwendige Vertraulichkeit aufheben könnte.

Die EDV-Industrie ist gefordert

Für die Datenverbindungen bietet die fälschungssichere Übertragung der Anschlußkennung die Möglichkeit, das unberechtigte Eindringen in Datennetze, bekannt als "Hacker-Tätigkeit", bereits beim Aufbau der Wählverbindung zu verhindern.

Allerdings muß die EDV-Netzwerksteuerung in der Lage sein, D-Kanalsignale auszuwerten und eine automatische Berechtigungsprüfung vor Verbindung mit der EDV--Anwendung durchzufahren. Dies ist zur Zeit bei keinem der bekannten Netzwerkprogramme (zum Beispiel SNA/NCP, DECnet, Transdata und anderen) der Fall. Auch die volle 64-KBit/s-Übertragungsrate und die "S(0)"-Schnittstelle wird für Terminalanschlüsse in den Steuerungssystemen, Ternlinal-Controlunits und Frontend-Prozessoren noch nicht angeboten, obwohl im D-Kanal auch "anwendungsspezifische Steuersignale" übermittelt werden können.

Es dürfte voraussichtlich mehrere Jahre dauern, bis die EDV-Industrie die "ISDN-Herausforderung" meistern kann. Ein entsprechender "Anwenderdruck" ist dringend notwendig, um die erforderlichen Entwicklungen zu beschleunigen.

Terminaladapter für die ISDN-Einführung

Lediglich für Personal Computer werden bereits Kommunikationskarten mit "S(0)"-Schnittstelle und D-Kanalsteuerung von mehreren Herstellern angeboten. Damit können zwischen individuellen Kommunikationspartnern Wählverbindungen für die PC-PC-Kommunikation genutzt werden. Dabei können dann in der Fernzone 3, für Entfernungen über 100 Kilometer, bei einer Übertragungsrate von 64 KBit/s, mehr als 40 volle DIN-A4-Seiten für 23 Pfennig übertragen werden - eine phantastische Möglichkeit, bei kürzeren Entfernungen, jeweils wesentlich größere Datenmengen einer Telefonzeiteinheit.

Nachdem die EDV-Industrie für die ISDN-Anpassungsentwicklungen ihrer Netzwerksteuerungen noch einige Jahre benötigen wird, müssen zunächst Terminaladapter, welche die bisher gebräuchlichen Schnittstellen und Übertragungsraten an die ISDN-Bedingungen anpassen, zur Anwendung kommen. An der Endgeräte-Schnittstelle "S(0)" des posteigenen Netzwerkterminators "NT" können private Endgeräte und Terminaladapter, welche durch das Zentralamt für Zulassungen im Fernmeldewesen (ZZF) in Saarbrücken zugelassen sind, angeschlossen werden. Die Bundespost bietet einen "teilnehmereigenen" Terminaladapter mit der X.21-Schnittstelle für eine Kaufgebühr von 1009 Mark an.

Vorteile auch bei geringeren Übertragungsraten

Terminaladapter mit V-Schnittstellen sind zur Zeit nur von privaten Anbietern, zum Beispiel IBM, Philips, Systec und anderen lieferbar, die bisher bekannt gewordenen Preise schwanken zwischen 1500 Mark und 4000 Mark für Adapter mit zwei Schnittstellen zur Nutzung der beiden Basiskanäle.

Der Einstieg in die ISDN-Datenübermittlung über Terminaladapter bringt auch dann wirtschaftliche Vorteile, wenn mit Rücksicht auf bestehende Anwendungen geringere Übertragungsraten als 64 KBit/s übertragen werden. Alle Terminaladapter bieten die international standardisierte "Bitraten-Anpassung" nach "CCITT X.30".

Die Abbildung zeigt am Beispiel von IBM-Anwendungen, wie Terminaladapter die Überführung bestehender oder geplanter Verbindungen in das ISDN-Netz ermöglichen können.

Vorleistungen zur Einsparung mit ISDN

Nachdem Universal-Wählanschlüsse flächendeckend frühestens ab 1993 verfügbar sein werden, muß die ISDN-Einsatzplanung mit einer umfassenden Standortanalyse für alle Geschäftsstellen, Zweigwerke und sonstige Kommunikationspartner eines Unternehmens oder einer Verwaltung beginnen. In der Einführungsphase werden in den meisten Fällen ISDN-Universalanschlüsse nur teilweise verfügbar sein. Trotzdem lohnt sich eine frühzeitige Nutzung auch an wenigen Stellen wegen hoher Kosteneinsparungen und der Notwendigkeit, Erfahrung zu sammeln. Pilotprojekte sind erforderlich, um alle möglichen qualitativen Verbesserungen zu entwickeln und zu erproben.

Bei der Planung des ISDN-Einsatzes , sollte man sich von dem irreführenden und falschen "Integrationsanspruch" nicht blenden lassen. Auch ISDN ist nur ein Transportmittel, jede Anwendung ist ein Teilnehmer mit individuellen Anforderungen. So wie telefonierende Menschen nicht mit dem Telefondienst "zusammenwachsen", sind auch Datensysteme nur "Teilnehmer" und nicht "Bestandteil" der Telekommunikation.

ISDN bietet für die physikalische Verbindung eine sehr leistungsfähige und preiswerte Alternative zu en bisher gebräuchlichen Verbindungsarten, eine Anwendungsintegration jedoch findet nicht statt, Allerdings müssen Daten-Netzwerksteuerungen und EDV-Anwendungen für die optimale Nutzung des schnellen Transportmittels ISDN, wie in einem vorhergehenden Absatz beschrieben, "fit" gemacht werden, es sind Anpassungsentwicklungen erforderlich.

Bei der schrittweisen Einführung des ISDN-Datenübermittlungsdienstes können von Fall zu Fall folgende Maßnahmen vorgesehen werden:

- Umwandlung bestehender Fernsprech-Modemanschlüsse in ISDN-Universalanschlüsse, dabei kann die Übertragungsrate bis auf 19,2 KBit/s gesteigert werden. Dies erfordert entsprechende Vorkehrungen in den Steuersystemen und/oder Anwendungen.

- Bestehende Datex-L-Anschlüsse sollten zum frühestmöglichen Termin auf ISDN-Universalanschlüsse, zunächst über Terminaladapter X.21, ohne Änderung der Übertragungsrate umgestellt werden. In einem zweiten Schritt kann die Erhöhung auf die 64-KBit/s-Übertragung erfolgen, um die Verbindungsgebühren weiter zu senken.

Der Ersatz von Direktrufverbindungen durch digitale semipermanente Festverbindungen (Festverbindung der Gruppe 3) erlaubt eine wirtschaftliche Nutzung der 64-KBit/s-Übertragung und in sehr vielen Fällen sogar auch eine erste Kostenreduzierung bei Beibehaltung der bisherigen geringeren Übertragungsrate (was bestehende Anwendungen oft erfordern). Die, soll durch die Beispiele der Tabelle unterstrichen werden:

Auch hier werden in der Einführungsphase, wie in der Abbildung dargestellt, Terminaladapter am ISDN-Universalanschluß erforderlich sein. Jeder Anwender sollte jedoch bestrebt sein, Terminaladapter baldmöglichst durch die "S(0)"-Schnittstelle zu ersetzen, um die volle ISDN-Leistung zu erhalten, hierzu müssen die EDV-Lieferanten ihr Produktangebot erweitern.

- Ersetzt man bestehende Direktrufverbindungen (H.f.D.) durch ISDN-Wählverbindungen, lassen sich in vielen Fällen hohe Gebühren einsparen. Die dafür notwendigen Prozeduränderungen können sich lohnen. Dies soll an einem Beispiel erläutert werden: Zwischen Hauptwerk und Zweigwerk eines Fabrikationsunternehmens besteht eine Direktrufverbindung mit 9,6 KBit/s, diese verursacht bei einer Entfernung von 50 Kilometern jeden Monat 2700 Mark an Fernmeldegebühren. Morgens werden vorwiegend Auftragsdaten und nachmittags Produktionsmeldungen übertragen, dazwischen wird die Leitung wenig genutzt. Bei der Nutzung einer Wählverbindung mit 64 KBit/s lassen sich die Übertragungszeiten gegenüber der 9,6-KBit/s-Festverbindung wesentlich verringern. Wenn werktäglich über den Tag verteilt im Mittel 10 bis 15 Verbindungen von jeweils 3 bis 10 Minuten Dauer erfolgen, betragen die monatlichen Fernmeldegebühren nur noch 500 Mark, eine Einsparung von mehr als 2000 Mark pro Monat, obwohl in diesem Beispiel werktäglich bis zu 25 MByte übertragen werden.

Vorteile schrittweise zu realisieren

Bereits aus diesen wenigen Beispielen wird deutlich, daß die ISDN-Gebührenvorteile nur schrittweise und nach Durchführung von Pilotprojekten realisiert werden können. Anwendungsentwicklung, vor allem Anpassung der Datennetzsteuerungen an ISDN-Wähl- oder Festverbindungen und hohe Übertragungsraten sind personalintensiv, werden aber durch die erzielbaren, Gebühreneinsparungen sehr lohnend sein. Kompetente Anwender können auch durch entsprechende Pilotprojekte den notwendigen Druck auf die EDV-Industrie verstärken, um das erforderliche ISDN-Angebot zu forcieren. Neue Datenübertragungsaufgaben sollten im Hinblick auf die Gebührensituation sofort als ISDN-Anwendung geplant werden, viele Planungen können erst dadurch wirtschaftlich gerechtfertigt werden!

Postversäumnisse bei ISDN-Festanschlüssen

Diese sind schon heute bundesweit mit einer Lieferzeit von drei bis sechs Monaten verfügbar. Sie ermöglichen einen frühzeitigen Einstieg in ISDN-Anwendungen und sollten daher große Beachtung für die Datenübertragung finden.

Das Angebot der Deutschen Bundespost beinhaltet digitale Basis-Festanschlüsse mit ein oder zwei Basiskanälen zu je 64 KBit/s oder Primärmultiplex-Festverbindungen, welche 15 bis 30 Basiskanäle zu je 64 KBit/s und einen Zeichengabekanal "D(64)" beinhalten. Der Primärmultiplex-Festanschluß und die dafür gültigen Festverbindungen können zweckmäßigerweise nur für die Verbindung zwischen Anlagen -benutzt werden. Die Gebühren für die 64-KBit/s-Übertragung sind sehr viel niedriger als für vergleichbare Direktrufverbindungen.

Leider wurde das erforderliche D-Kanal-Protokoll für die Verbindungszeitmessungen noch nicht bekannte gegeben, was sich als starke Bremse auswirkt. Offensichtlich hat man sich auf Seiten der Bundespost bisher nicht dazu durchgerungen, den D-Kanal transparent freizugeben und eine pauschalierte Gebühr zu erheben. Dies ist bedauerlich, denn die Nutzung von digitalen Festverbindungen könnte eine verbesserte ISDN-Akzeptanz erzeugen sowie EDV-Herstellern und Anwendern Erfahrungen mit ISDN-Kanalstrukturen schneller vermitteln.

Nur im Ortsnetz, wo die ISDN-Festverbindungsgebühren für 64 KBit/s mit 69 Mark pro Monat bereits verbindlich pauchaliert sind, besteht Planungssicherheit, hier sollte der Anwender mit entsprechenden Pilotprojekten starten, um Erfahrungen zu sammeln.

ISDN-Daten-Dienste werden preiswerter

Der "Telefontarif 90" bringt 1990 und 1991 weitere Senkungen der Verbindungsgebühren in den Fernzonen 2 und 3. Ab 1. April 1991 beträgt die Zeiteinheit 23 Pfennige für alle Verbindungen über 50 Kilometer am Tage 21 Sekunden und nachts sowie am Wochenende 42 Sekunden, statt heute 15 Sekunden/38 Sekunden.

Ferner hat die Bundespost angekündigt, daß die sogenannte "Spitzabrechnung" eingeführt werden soll, um die Nutzung des ISDN-Datenübermittlungsdienstes noch attraktiver zu machen. Dabei wird jeweils eine Grundverbindungsgebühr erhoben (sie soll 15 bis 20 Pfennig betragen) und danach die Abrechnung im "1-Sekundentakt" durchgeführt. Bei ISDN-Festverbindungen der Gruppe 3 erfolgt die Verbindungszeiterfassung bereits heute im "Ein-Sekundentakt".

Aufgrund dieser Gebührenentwicklungen müssen Anwender von Datenübermittlungsdiensten die Nutzung von ISDN in ihre Planungen schnellstmöglich einbeziehen und vor allem auch die erforderlichen Investitionen - einschließlich der Bereitstellung des Personals für Anpassungsentwicklungen und Pilotprojekte - bereitstellen.