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19.11.1999 - 

Fachliteratur/Perspektiven für die Informationsgesellschaft

Neue Interfaces verändern die Computernutzung

Der Leiter des Massachusetts Institute of Technology (MIT), Michael Dertouzos, möchte die Vision der zukünftigen Informationsgesellschaft einem breiten Publikum vermitteln. Das Buch avancierte zwar in den USA zum Bestseller, bietet aber kaum Neuigkeiten. Nur der dritte Teil setzt einige kritische Akzente, wenngleich der Autor teilweise geradezu euphorisch die "Versöhnung von Technik und Humanität" beschwört. Das nichtssagende Geleitwort verfaßte Bill Gates.

Das Buch setzt recht verheißungsvoll ein: "Die Zukunft gestalten", heißt es da. Die neuen Technologien erklärt Michael Dertouzos auf drastisch einfache Weise, so daß - und das gilt für das ganze Buch - selbst ein kompletter Laie sich nach der Lektüre etwas darunter vorstellen kann, zum Beispiel unter Interfaces. Dertouzos plädiert für eine effizientere Kommunikation von Mensch und Maschine. Der Autor stellt die Möglichkeiten von Spracherkennungssystemen vor, und zwar am Beispiel des Buchungssystems "Pegasus". Ordentliche Ergebnisse lassen sich erzielen, wenn das Vokabular eng begrenzt ist und quasi-dialogisch funktioniert. Sogenannte Bodynets, also Körpernetzwerke als eine andere Variante von Mensch-Maschine-Interfaces, könnten zukünftig die unterschiedlichsten tragbaren elektronischen Geräte unter eine Haube bringen, beispielsweise das Handy, das Radio und Notebooks. Mit einer Spezialbrille oder einem Fingerring können zukünftig Körpernetze von Menschen bereits Kontakt aufnehmen, bevor diese miteinander sprechen!

Zahlreiche Lebensbereiche umreißt Dertouzos im zweiten Teil, wo es um die Veränderungen im Alltagsleben geht. Das zwingt ihn wiederum zur Pauschalisierung. Im Abschnitt "Geschäftsleben und Organisation", auf das sich der lernbegierige Manager konzentrieren wird, erteilt ihm Dertouzos sehr allgemeine Ratschläge zur Nutzung von Informationen im Handel, im Dienstleistungssektor sowie in der Produktion. Eine "Schutzengelsoftware" könnte zwar dem Autofahrer beispielsweise mit Serviceratschlägen weiterhelfen. Sie ermöglicht dem Hersteller aber auch weitreichenden Einblick in Kundengewohnheiten.

"Technik und Humanität" möchte Dertouzos im dritten Teil des Buchs zusammenführen, ein hehres Anliegen, gewiß. Hier will der Autor zunächst den "Mythos von den billigen Kopien" entzaubern: Er argumentiert damit, daß die meisten Informationen durch Arbeit erst veredelt werden müssen, durch "Informationsarbeit". Dertouzos kritisiert den "Informationsmüll", der nur durch Vermittler, menschliche und elektronische, zu handhaben sei. Außerdem diskutiert er den - auch nicht brandneuen - Ansatz, Software in eine zu mietende Dienstleistung umzuwandeln, um Raubkopien zu durchkreuzen. Er geht hier auch auf das "Produktivitäts-Paradoxon" ein, also die Tatsache, daß die Produktivität der Büroarbeit nicht mit dem Aufschwung in der Computerbranche der USA korrelierte.

Dertouzos sieht voraus, daß der Informationsmarkt die Kluft zwischen Arm und Reich noch vergrößern wird. Hier nimmt er die reichen Länder in die Pflicht.

Michael Dertouzos: What Will Be: Die Zukunft des Informationszeitalters. Wien, New York: Springer 1999. 492 Seiten, 68 Mark.