Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

18.03.1977

Neue Konzeptionen für DV im Bildungswesen

"Morgen lernen wir anders!" Das war das euphorische Schlagwort der Bildungs-Technologen, die Anfang dieses Jahrzehnts auf computerunterstützten Unterricht setzten und eine Revolution in allen Phasen der Aus- und Weiterbildung voraussagten. Das aristotelische Ideal "Jedem Schüler sein eigener Lehrer" sollte sich verwirklichen durch Mensch-Maschine-Dialog in großen Timesharing-Systemen, Tausende von multimedialen Arbeitsplätzen mit Audio- und Video-Unterstützung, programmgesteuert koordiniert durch Riesen-Zentralen von Großrechner-Batterien, wurden kühn projektiert. Das Mekka hierzulande war Heidelberg, Stiftung Rehabilitation, wo man tatsächlich schon damals recht erfolgreich mit IBM- und Siemens-Großrechnern umfangreiche Terminal-Netze für comonterstützten Unterricht betrieb.

Das Ganze war Forschung, nutzte Behinderten bei der beruflichen Umschulung, galt als Pilot-Projekt - die Kosten waren nicht Entscheidungs-Kriterium.

Drill oder Team?

Angesichts des visionären, weltweiten Multi-Milliarden-Dollar-Geschäftes entwickelten aile groBen Rechner-Hersteller entsprechende Systeme - auch die Software, aber eben nur Software für die Rechner, selbstverständlich nicht für die Lehrprogramme, dafür sind ja andere Disziplinen zuständig. In der vorherrschenden Pädagogik-Diskussion geht es derzeit vor allem um soziales, nicht um kognitives Lernen. Wen interessieren maschinengesteuerte "Drillprogrammei" für die Wissensvermittlung, wo es doch Teamwork, Solidarität, Kommunikation als Bildungsinhalte zu vermitteln gilt. Hinzu kommt, daß das große Geld für die großen Systeme, für die großen Schulen fehlte. Aus der Traum. Das Ganze, mit 62 Millionen Mark aus dem Bonner DV-Programm gefördert endete - übrigens nicht nur hierzulande - als mittleres Fiasko.

Indiz dafür war soeben Europas großte Lehrmittel-Messe "didacta 77" in Hannover. Von den DV-Herstellern waren nur noch IBM, Sperry Univac, Dietz, Olivetti, Hewlett Packard und Nixdorf vertreten, und zwar in Pflichtübung mit abgemagerter Mannschaft. In Festansprachen wurden die "Großen Lehrmaschinen" offiziell begraben. In einen Topf mit den großen Sprachlabors geworfen, gab es für die "computergesteuerten Gesamtsysteme" im ARD-Magazin "Titel, Thesen, Temperamente" nationwide einen unrühmlichen Nekrolog.

Nicht Lehrmaschine, sondern Lernobiekt

Die Gefahr besteht, daß nunmehr das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird. im dritten DV-Programm (1976 - 1979) sind - insbesondere für (deutsche) Hersteller - noch reichlich Fördergelder vorhanden - nur will sie offenbar keiner haben, weil angeblich der Markt für das Endprodukt fehlt. Das Bundesministerium für Forschung und Technologie hat jetzt zum 24. März zu einem Gespräch des zuständigen ad hoc-Beratungsausschusses mit Vertretern der DV-Hersteller eingeladen. Im dazugehörigen Diskussionspapier heißt es: "Gemäß der Veränderung sowohl bei den Schulen als auch auf dem Rechnermarkt wird es künftig darauf ankommen, das erarbeitete Know-how auch in wirtschaftliche Kleinrechnerlösungen umzusetzen." Und empfohlen wird, dafür die Schulsprachen Elan und Pascal E zu nutzen, die von einem gelehrten "Arbeitskreis Schulsprachen" als für den Informatik-Unterricht bestgeeignete Sprachen ermittelt wurden.

Zwischen den Zeilen steht alsa gesderieben: Anwendungen großer Timesharing-Lehrsysteme sollten nicht mehr gefördert werden.

Neuer Schwerpunkt werden Rechner für den Informatik-Unterricht sein - also der Compier nicht als Lehrmaschine sondern als Unterrichtsgegenstand und als Werkzeug zum Problemiösen. Die deutschen Hersteller sollten dafür Rechner mit Elan- und Pascal E-Compiler entwickeln wollen. Dafür könnte es dann auch Bonner Millionen geben.

Wann schwingt das Pendel zurück?

Angesichts der Entwicklung der Hardware-Preise und dem Trend zum Distributed Prowessing mag es sinnvoll sein, jetzt auf den Kleinrechner-Einsak in den Schulen zu setzen. Fraglich ist jedoch, ob es nicht besser wäre, statt - aus einerseits Sicht der Praxis und andererseits Sicht des Weltmarktes-"Obskurer" Sprachen lieber Basic und APL zu fördern, selbst wenn diese nicht ganz so optimal geeignet sind. Insbesondere APL wäre dann eine Sprache für den Informatik-Unterricht, mit der auch ein Entwickeln von Lehrprogrammen für computerunterstützten Unterricht möglich ist.

Wenn das Pendel der Gesamtstimmung zum Thema DV im Bildungswesen demnächst wieder zurückschwingt, würde man sich freuen, in den Schulungen Erfahrungen, erweiterungsfähiger Hardware und Compiler zu haben, mit denen sich dann auch wieder computerunterstükter Unterricht machen läBt. Darüber sollte man in Bonn am 24. März nachdenken. Nach dem Katzenjammer kommt die nächste DVBildungs-Euphorie bestimmt.