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26.07.2007

Neue Manager-Generation am Abgrund?

Peter Jordan 
Sie sind rund um die Uhr erreichbar und stehen unter großem Erfolgsdruck: Führungskräfte müssen lernen, normal zu leben.

Die Krankmacher in der heutigen Arbeitswelt sind nicht mehr die körperlichen Bedingungen, sondern die psychischen. Psychische Krankheiten sind die dritthäufigste Ursache für Krankentage zumeist hervorgerufen durch Stress. Permanenter Entscheidungs- und Erfolgsdruck machen dabei Führungskräfte zur größten Risikogruppe. Gleichzeitig geht von ihr auch der größte Stress aus. "Erstaunlich viele Manager haben wenig Ahnung von Menschenführung", sagt der Wirtschaftspsychologe Dieter Frey, Professor an der Ludwig Maximilians Universität in München. Sie könnten oft nicht den Sinn einer Tätigkeit erklären und ein Gefühl der Wertschätzung vermitteln und beziehen die Mitarbeiter bei Entscheidungen nicht ein.

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Folgen schlechter Führung

Die Folgen bei den Beschäftigten sind zuerst Demotivation und danach die innere Kündigung. Mangelnde Qualität der internen Kommunikation und des Führungsverhaltens sorgen zu fünfzig Prozent für Stress bei den Mitarbeitern, was auch zu krankheitsbedingten Fehltagen im Unternehmen führt.

Wie stark Stress und andere Belastungen auf den Einzelnen wirken, hängt vom Resilienzfaktor ab. ‚ÄöResilienz‚Äò leitet sich vom englischen ‚Äöresilience‚Äò ab und bedeutet so viel wie Elastizität und Unverwüstlichkeit. Man versteht darunter die seelische Widerstandsfähigkeit; die innere Kraft über die wir als Menschen, aber auch als Organisationen und Unternehmen, verfügen, um schwierige Lebenssituationen zu bewältigen.

Stress-Erkrankungen steigen

Wesentliche Faktoren, die eine Resilienz begünstigen, sind das soziale Umfeld, die biologische Vitalität und die aktive Einstellung gegenüber Problemen. In Organisationen hat die Führungs- und Unternehmenskultur einen wesentlichen Anteil daran, wie man Krisen und ihre Folgen durchsteht. Eine wertschätzende und beteiligungsorientierte Unternehmenskultur gibt der Organisation und den Beschäftigten nach Innen und Außen Kraft. Das bewirkt eine gute Resilienz gegenüber Stress.

Fakt ist aber noch: Die Stress-Erkrankungen wachsen dramatisch, sie sind für die Medizin und auch für die Volkswirtschaft ein ernst zu nehmendes Problem unserer Leistungsgesellschaft. Wir zahlen für "Die-rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit" und die "Multitask-Fähigkeit" einen zu hohen Preis. Der ständige Blick auf Blackberry & Co. sollte schnellstens wieder verlernt werden, er schwächt die Konzentrationsfähigkeit und verführt dazu, sich mit allzu Banalem zu beschäftigen.

Stress hat viele Seiten. Eigentlich sind Belastungen und neue Anforderungen gesund; sie bewirken eine innere Befriedigung und Stolz auf das eigene Vermögen. Dieser positive Effekt, der sogenannte Eustress, läßt uns kurzzeitig Höchstleistungen erreichen. Menschen, die diese Anforderungen nicht erleben, können an der Unterforderung genauso psychisch leiden wie an Überforderung, dem Distress. Sie grübeln, stellen sich in Frage und gehen in den inneren Rückzug.

Wenn man sich an den Dauerstress erst einmal gewöhnt hat, verlernt der Körper sich zu entspannen, wie man aus der Stressforschung weiß. Viele Manager greifen zur Flasche; eine einfache aber fatale Gegenstrategie, die den Teufelskreis zwischen Spannung und Entspannung noch mehr steigert. Gefährlich wird es, wenn man im Job gegen die eigene Motivation oder Überzeugung Aufgaben übernehmen muss. Gerade für Manager ist die Gefahr groß, dass das eigene Selbstwertgefühl vom beruflichen Erfolg abhängig gemacht wird. Läuft die Karriere nicht mehr steil nach oben, kann sogar der Absturz drohen.

In den USA ist bereits ein Gegentrend bei Leistungsträgern sichtbar geworden. "Downshifting" heißt das neue Lebenskonzept. Es ist eine individuelle Antwort auf den Stress mit dem Ziel "Weniger arbeiten, mehr leben". Die Konzentration auf das Wesentliche ist die persönliche Gegenstrategie, die hilft die innere Kraft zu finden und sich zu zentrieren. Das Wesentliche zu erkennen, ist die Herausforderung.

Dem Bauchgefühl vertrauen

Diese Klärung hilft bei einer Positionsbestimmung und führt zu einem stärkeren Selbstvertrauen. Denn nur wer sich selbst vertrauen kann, strahlt auch Vertrauen aus. Es geht nicht nur um eine kognitive, sondern auch um eine emotionale Auseinandersetzung und ein Erkennen der eigenen emotionalen Fähigkeiten als Führungskraft. Dabei ist die emotionale Intelligenz oder auch Intuition eine große Chance zu wirklicher Veränderung.

Nur ein geringer Teil der Entscheidungen sind sachlich bestimmt, der größere Teil geschieht intuitiv. Daniel Goleman, der amerikanische Psychologe und Autor des Buches "Emotionale Intelligenz" meint, dass man zu besseren Entscheidungen kommt, wenn man auf seine Gefühle hört. Das Bauchgefühl zu kennen und zu trainieren hilft spontan richtige Entscheidungen zu treffen. Der eigenen Intuition zu vertrauen, ist eine große Chance, mit sich selbst im Einklang zu sein.

Arbeiten an der Wahrnehmung

"Die eigene Balance finden" ist ein Workshop-Konzept für Führungskräfte im Rahmen des "Genuine Contact Programs". Im Mittelpunkt steht die Arbeit mit dem "Organisationskompass". Der Kompass hilft, alle wichtigen Aspekte einer Persönlichkeit und einer Organisation mental und emotional zu bestimmen - vom Zweck zur Führung, Vision, Gemeinschaft und Kommunikation bis zum Management. Der Workshop soll für die Teilnehmer eine Voraussetzung schaffen, wieder die eigene Mitte zu finden. Erstmals wird im Herbst 2007 gemeinsam von der Personalberatungsgesellschaft Weider AG und der Kommunikationsberaterin Gabriele von Camen ein solcher Workshop angeboten. Er will bewusst Irritationen herstellen, um die Wahrnehmungsfähigkeit zu verbessern und um eine Situation mit allen Sinnen zu erfassen. Weitere Informationen sind erhältlich bei der Weider AG (www.weider.de).