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11.08.2006

Neue Marktimpulse

Das Thema "Schnell, schneller, am schnellsten" ist ausgereizt. Größer, breiter, kontrastreicher und hochwertiger - das sind die Trends, mit denen die Hersteller den immensen Monitorpreisverfall der vergangenen Monate stoppen wollen.

Von Klaus Hauptfleisch

Samsung hat sich gerade einen ganz dicken Fisch geangelt. Von September 2006 bis Juli 2007 soll der koreanische Hersteller 24.600 TFT-Monitore an BMW liefern. Von solch einem großen Auftrag können andere nur träumen. Aber es zeigt doch, dass sich wieder was dreht im Monitormarkt.

Dramatische Preisentwicklung

Wie in ComputerPartner-Ausgabe 32/06 zu lesen war, sind die Monitorpreise laut dem Statistischen Bundesamt seit dem Jahr 2000 um über 60 Prozent oder 15 Prozent pro Jahr gesunken. Dabei muss man aber bedenken, dass in der Zwischenzeit der Umstieg von CRT auf LCD stattgefunden hat, sowie von kleineren zu größeren Bilddiagonalen. Der tatsächliche Preisverfall war also noch viel krasser. Dass sich dennoch neue Anbieter auf den Markt wagen, zeigt Asus: "Asus ist sich der Tatsache des extremen Preisverfalls im LCD-Monitor-Markt von Anfang an voll bewusst gewesen, aber dennoch sehen wir hier ein großes Potenzial und hohe strategische Bedeutung für die Marke Asus", erklärt Produktmanager Mohammed Jaber und fügt hinzu, erklärtes Ziel für 2007 sei es, unter die Top 10 zu kommen.

Um sich die Preiserosion auf dem Monitormarkt zu verdeutlichen, muss man sich nur einmal die Entwicklung bei den Panels anschauen, die den größten Faktor bei den Materialkosten bilden. Von Ende 2005 bis Mitte Juli ist der Durchschnittspreis für 17-Zoll-Panels von 170 auf 102 Dollar gesunken, um Anfang August wieder auf 110 Dollar zu steigen. Eine ähnliche Preisbewegung haben auch 19-Zoll-Panels gemacht. Dabei haben sich die Preisunterschiede über alle Panel-Größen sogar noch genähert. Gleiches gilt auch für Monitore. Das hat dazu geführt, dass Geräte mit 19 Zoll oder höheren Bilddiagonalen in Deutschland seit dem ersten Quartal 2006 schon deutlich auf der Überholspur sind. Und das, obwohl im Unternehmenssegment und im PC-Bundle auch die Nachfrage nach 17-Zöllern immer noch groß ist.

Um dem Preisverfall bei den Standardgrößen zu entgehen, setzen die Hersteller auf Bilddiagonalen ab 20 Zoll und auf Widescreen. Aber ausgerechnet bei den Größen hält der Panel-Preisverfall derzeit noch an. Deshalb ist abzusehen, dass auch in dem Segment die Monitorpreise sich weiter nach unten bewegen werden und eine weitere Preisnivellierung stattfindet. "Der Effekt wird verstärkt durch hohe Stückzahlen, die auf den Markt geworfen werden. Der Preisdruck steigt, und die Schritte zwischen den nahe beieinander liegenden Panel-Größen werden zusehend kleiner", bestätigt Jürgen Reinhard, der neue Display-Frontmann bei Samsung Deutschland.

Bei den Standardgrößen 17 und 19 Zoll gibt es aber in Taiwan bereits erste Zeichen, dass die Gerätepreise analog zu den Panels im dritten und vierten Quartal anziehen könnten. Ob und in welchem Maße, hängt laut Belinea-Produktmanager Jörg Bissing nicht zuletzt auch von der Entwicklung des US-Dollars ab.

Mit Upselling aus dem Sommerloch

Niemand will natürlich davon direkt betroffen worden sein, aber für einige Hersteller fiel das berühmte Sommerloch zwei Monate zu früh schon in den kalten April dieses Jahres. Bis zu einer Million Geräte sollen trotz stark sinkender Preise teilweise in europäischen Lagern versauert sein. Grund dafür ist unter anderem auch die RoHS-Thematik. Seit dem 1. Juli dürfen keine Geräte mit schädlichen Substanzen (englisch hazardous substances, daher RoHS) mehr in die EU eingeführt werden. Einige Hersteller haben schon früh umgestellt, andere mussten zusehen, die Altlasten schnell in die Distribution oder in weniger strenge Länder wie Russland zu verschieben oder zu Dumpingpreisen anzubieten. "Auch technisch nicht mehr aktuelle Displays, zum Beispiel mit einer Reaktionszeit von 12 ms, sind nur noch schwer zu verkaufen", sagt Jens Böttcher, Produktmanager Displays bei Benq.

Nachdem die meisten Geräte heute schon mit 8 ms oder darunter ausgeliefert werden, sind die Zeiten ständig neuer Geschwindigkeitsrekorde längst vorbei. Überhaupt hat sich der Consumer-Markt, der nach immer schnelleren Reaktionszeiten lechzte, besonders verhalten gezeigt, stellt Timo Meißner, Business Unit Manager Display Products bei Acer, fest.

In den Vordergrund rücken bei den meisten Herstellern derweil andere Upselling-Argumente wie Ergonomie, größere Bilddiagonalen und Blickwinkel, Widescreen und vor allem höhere Kontrastraten und Helligkeitswerte. Und die wollen sie natürlich auch dem Handel und den Endkunden schmackhaft machen. Der Trend zu größeren Bilddiagonalen hat dazu geführt, dass trotz stark sinkender Preise und Kaufzurückhaltung bei den Privatkunden die Umsätze in der ersten Jahreshälfte in etwa auf Vorjahresniveau geblieben sind.

Durch den Verkauf höherwertiger Geräte, auch Step-up-Modelle genannt, habe LG Electronics laut IT-Direktor Luc Graré nicht nur Marktanteile gewonnen, sondern auch wertmäßig zugelegt. Ähnliches berichtet auch Sony und hat sich zum Ziel gesetzt, den Marktanteil in Deutschland von zwei auf vier Prozent zu steigern. NEC Display Solutions habe sich vor allem im Bereich 20 und 21 Zoll gut positioniert und seine Marktführerschaft bei Public Displays ausgebaut, verkündet Stefanie Corinth, die neue Vertriebsdirektorin für Central Europe, stolz. Generell sei der durchschnittliche Verkaufspreis von Monitoren in Deutschland aber relativ konstant geblieben.

Neue "Werte"-Debatte

Statt auf schnelle und günstige TN-Panels, setzen auch B-Brands mittlerweile zunehmend auf MVA-, PVA- und IPS-Panels sowie deren Supervarianten, die nicht nur gute Kontrast- und Helligkeitswerte, sondern auch einen großen Blickwinkel bieten. LG Electronics zum Beispiel wirbt schon für Geräte mit einer dynamischen Kontrastrate von 2.000:1. Samsung will demnächst folgen. Aber was den Blickwinkel angeht, holen mit 160 Grad horizontal und 160 Grad vertikal auch TN-Panels auf. PVA und MVA verlieren damit gewissermaßen einen Vorteil. Aber Blickwinkel ist eben nicht alles. Harald Borutta, Vertriebsleiter Distribution und Systemhaus bei Hyundai IT, hält die Debatte sogar für überbewertet. Schließlich säßen die meisten Anwender allein vor dem Monitor, sodass ein Einblickwinkel von mehr als 150 Grad bedeutungslos sei. Der Vorteil der MVA/PVA-Panels liege in erster Linie in den hohen Kontrastwerten. Und in der Bildqualität, ergänzt Samsung-Manager Reinhard.

Auch das Thema Helligkeit rückt stärker in den Vordergrund. Laut NEC-Vertriebsdirektorin Corinth seien die neuen Feature-Debatten für Kunden wie für die Partner verwirrend. Entscheidend sei die Frage, für welche Anwendung welcher Monitor mit welchen Werten benötigt werde. In der normalen Office-Umgebung reiche eine Helligkeit von 250 cd/qm vollkommen aus und werde von vielen Nutzern schon als zu hell empfunden. "Ein Kontrastwert von beispielsweise 1.600:1 sagt noch nichts über die Ergonomie der Geräte aus. Zudem wird bei der Messung dieses Wertes weder das Umgebungslicht noch der Blickwinkel berücksichtigt", fügt sie hinzu.

Das Panel allein entscheidet nicht über die Bildqualität. Elektronik, Software und Hintergrundbeleuchtung spielen dabei ebenfalls eine Rolle. Eizo setzt zum Beispiel bei seinen Highend-Geräten auf u-förmige Hintergrundbeleuchtung. NEC ist mit der neuen SpectraView-Referenz-Reihe für professionelle Bildbearbeitung einer der ersten Anbieter von Monitoren mit farbigen Leuchtdioden, sprich roten, grünen und blauen LEDs, die eine besonders hohe Farbechtheit garantieren und eine hundertprozentige Abdeckung des Adobe-RGB-Farbraumes garantieren sollen. Im Massenmarkt können sich aber solche Geräte mit Preisen von mehreren Tausend Euro kaum durchsetzen.

Die Zukunft von Leuchtdioden sehen die meisten Hersteller daher eher bei weißen LEDs, wie sie auch schon in den ersten Notebooks und LCD-Fernsehern zu finden sind. "LED wird kurzfristig ein Thema, OLED langfristig", meint Acer-Manager Meißner. Benq-Mann Böttcher hält die neuen Technologien auch für vielversprechend, für ihn ist eine Serienproduktion mit entsprechenden Stückzahlen dahinter aber noch nicht erkennbar. Wie viele andere Hersteller auch, versucht Benq LCD-Monitore auf Basis herkömmlicher Hintergrundbeleuchtung weiterzuentwickeln. Noch in diesem Jahr will das Unternehmen die "Black-Frame-Insertion"-Technologie einführen, die durch Einfügen schwarzer Bildimpulse "eine bisher unerreichte Bildschärfe" ermöglichen soll. Philips unter anderem versucht sich, mit einer Null-Pixel-Fehler-Garantie ein Alleinstellungsmerkmal oder Neudeutsch USP zu schaffen.

Nachdem auch Massenanbieter wie Acer, Benq, V7 und Viewsonic mit höherwertigeren Panels zunehmend in das Profi-Segment drängen, stellt sich natürlich die Frage, ob Unternehmen wie Eizo oder NEC damit nicht ihre Marktposition ein Stück verlieren. Dazu Acer-Manager Meißner: "Bei Vergleichbarkeit der Hersteller, Spezifikation und Services steht letztlich der Preis. Hersteller, die sich nur auf das Profi- beziehungsweise Hochpreis-Segment konzentriert haben, werden sich künftig schwerer tun." Trau, schau, wem. Samsung-Manager Reinhard hingegen betont: "Die etablierten Marken sind aufgefordert, die Produkte weiterhin kontinuierlich zu verbessern und diese Verbesserungen auch entsprechend an den Kunden zu vermitteln."

Zölle auf DVI-Eingang

Von der RoHS-Thematik abgesehen - Probleme haben Hersteller, die nicht in der EU produzieren, auch mit dem seit Mitte Januar geltenden höheren Steuersatz von 14 Prozent für Monitore mit DVI-Eingang ab 19 Zoll Widescreen. Betroffen sein soll unter anderem Samsung. Andere Monitor- und Panel-Hersteller wie LG, LG Philips LCD (LPL), AU Optronics (AUO) und Chi Mei (CMO) assemblieren zum Teil schon in Europa oder haben es vor. Panel-Industriebeobachter Witsview zufolge belaufen sich die zusätzlichen Kosten für Geräte mit DVI-Eingang auf sechs Prozent. Durch den drastischen Panel-Preisverfall seien die Auswirkungen aber dennoch relativ gering. Abgesehen davon würden LPL, Samsung, AUO und CMO rund 90 Prozent des Weltmarktes für die Monitor-Module beherrschen. Der von der EU über den DVI-Zoll angestrebte Schutz der europäischen Industrie sei damit hinfällig. DVI ist neben anderen Schnittstellen wie USB natürlich auch ein Upselling-Argument.

Hersteller wollen es größer und breiter

TFT-Monitore erreichen langsam eine Größe, die ursprünglich dem TV-Markt vorbehalten war. Nach 24-Zöllern wollen einige Hersteller ab 2007 auch verstärkt 26-Zoll-Monitore anbieten. Für Grafiker und Desktop-Publishing wäre das sicherlich eine Erleichterung, für normale Office-Anwendungen aber völlig überdimensioniert. Denn in dem Segment werden von den meisten Unternehmen noch immer 17- und 19-Zöller im 4:3-Format bevorzugt. Monitor-TV-Geräte werden wohl weiterhin ein Nischendasein fristen. Kaum einer glaubt an den Konvergenzmarkt. Nur LG will damit schon kräftig Umsatz machen.

Widescreen dagegen ist im Kommen, entwickelt sich aber nicht so, wie von den Herstellern erwartet. Im ersten Quartal 2006 lag der Widescreen-Anteil gerade mal bei 3,2 Prozent in Deutschland. Bei den meisten von ComputerPartner Befragten hält sich die Begeisterung über die tatsächlichen Widescreen-Verkäufe noch in Grenzen, mit Ausnahme von Philips-Sales-Director John Bruijnincx: "Monitore im Widescreen-Format sind dabei, die Stars zu werden. Die Wachstumsraten sind wirklich beeindruckend." Das mag stimmen, aber die Marktauguren waren vor einem Jahr davon ausgegangen, dass Widescreen sich wesentlich schneller durchsetzen würde.

Obwohl bei Notebooks mit über 60 Prozent Marktanteil schon Mainstream, können die meisten Monitorkunden sich noch nicht mit dem neuen 16:10-Format anfreunden, zumal es bei gleicher Bilddiagonale weniger Fläche bietet. Interessant wird Widescreen bei Monitoren eh erst ab 20 Zoll Bilddiagonale, in etwa so hoch wie ein 17-Zöller und so breit wie ein 21-Zöller im herkömmlichen Format 4:3.

Alle Hoffnungen der Hersteller richten sich nun auf Windows Vista. Das neue Microsoft-Betriebssystem soll schließlich Widescreen voll unterstützen. Dass es aber ständig verschoben wurde, hat sicherlich auch für Verunsicherung und Kaufzurückhaltung bei den Kunden geführt.