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10.04.1998 - 

Festhalten an den Netware Loadable Modules

Neue Produkte sollen Novell beim Turnaround helfen

10.04.1998

Nach zwei Jahren der scheinbaren Apathie präsentierte sich Novell auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz mit wieder erstarktem Selbstbewußtsein. Mit einem kämpferischen "We are back" schwor Novell-CEO und President Eric Schmidt die 5000 anwesenden Entwickler auf die künftige Marschrichtung der Company ein. Eine Route, die nach Verwirrungen wie dem von Frankenberg ausgerufenen "Pervasive Computing" für Schmidt nur ein Ziel haben kann: "Das Gesicht des Networking muß menschlicher werden."

Diesen Anspruch will das Unternehmen auf der Linie von vier Prinzipien mit seinen Produkten in die Tat umsetzen: vorbehaltloses Bekenntnis zu TCP/IP und dem Internet, einfachere Handhabung der Netzdienste, Kommunikationsmöglichkeiten mit fast jedem Endgerät sowie eine einfachere Netzadministration. Neben neuen Produkten wie "ZEN works" (ZEN = Zero Efforts Network), das die Verwaltung der Clients vereinfachen und laut Schmidt rund 70 Prozent des Supportpersonals einsparen soll, bleiben für die Netzwerker die No- vell Directory Services (NDS) der zentrale Dreh- und Angelpunkt bei der Verwaltung großer Netze.

Ganz unbescheiden versprach die Novell-Führungsriege denn auch auf der Brainshare, "Win- dows NT 5.0 mit NDS besser zu verwalten, als es Microsoft selbst kann". Auch wenn die Networking-Company nach außen die Bedrohung durch Windows NT herunterspielt und Schmidt gerne über den nicht existierenden Verzeichnisdienst "Active Directory" aus dem Hause Gates scherzt, muß Novell mit der Tatsache leben, daß im letzten Jahr mehr NT-Lizenzen über den Ladentisch gingen als Novell-Kopien. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Erhebung der International Data Corp. (IDC), die auf vorläufigen Verkaufszahlen beruht (siehe Grafik).

Die abtrünnigen Windows-Netzanwender versucht Schmidt vor allem mit Hilfe des Verzeichnisdienstes NDS wieder ins eigene Lager zu ziehen. Die Company arbeitet an einer nativen NDS-Implementierung auf NT, die noch 1998 als "NDS on NT" in den Regalen stehen soll. Darüber hinaus entwickelt das Unternehmen eine NDS-Version für die Sun-Plattform Solaris.

Allerdings ist der Verzeichnisdienst NDS nicht das einzige As, das die Netzwerker im Ärmel haben. So besitzt Novell eigenen Angaben zufolge mit Netware 5.0 die derzeit schnellste Plattform für Java. Laut Cristopher Stone, Senior Vice-President für Unternehmensstrategie und Entwicklung, ist die Novell-Implementierung der Java Virtual Machine zweimal schneller als die NT-Lösung und schlägt entsprechende Unix-Plattformen um den Faktor fünf.

Auf Java setzt Novell zudem bei der Server-Verwaltung. So liefern die Netzwerker mit der für April angekündigten dritten Betaversion von Netware 5.0 die "Console One" aus. Das bisher unter dem Codenamen "Houston" bekannte Tool besitzt eine grafische Benutzeroberfläche und soll die Administration auf Client- und Server-Ebene vereinfachen. Zudem erlaubt Console One die Einbindung eigener Java-Applets zum Aufbau eigener Netz-Management-Lösungen.

Ungeachtet ihres PR-Wirbels in Sachen Java halten die Netzwerker auch bei der nächsten Net- ware-Generation am Konzept der "Netware Loadable Modules" (NLMs) fest. Danach gefragt, auf welcher Plattform ein Entwickler nun künftig Server-basierte Applikationen schreiben solle, empfiehlt Novell den Programmierern für komplexe, schwierige und sicherheitsrelevante Anwendungen das NLM-Konzept. Einfache sowie portierbare Programme seien dagegen ein Fall für Java.

Novell Directory Services erhalten mehr Funktionen

Um den rund 70000 Entwicklern, die für die Novell-Plattform Applikationen programmieren, die Arbeit zu erleichtern, bietet das Unternehmen künftig ein Software Developer´s Kit (SDK) an und stellt die wichtigsten APIs kostenlos im Web zur Verfügung. Den Anfang machen eine NDS-Dokumentation des Directory-Service-API, der Code für die Netware-Clients sowie Schnittstellen-Module zur Integration von Telefonie und Spracherkennung.

Ebenfalls neu in der dritten Netware-Beta ist eine erweiterte NDS-Ausführung, die eine Unterstützung der Version 3 des Lightweight Directory Access Protocol (LDAP) sowie neue Directory-Catalog-Services beinhalten. Zudem warten die überarbeiteten NDS laut Novell mit einer verbesserten Performance auf und sollen weniger Netzverkehr auf den WAN-Strecken generieren. Getreu dem Leitspruch, die Verwaltung der Netze zu vereinfachen, runden neue Installations- und Migrationswerkzeuge wie etwa ein "Migration Wizard" für die automatische Migration den Funktionsumfang der nächsten Netware-Version ab.

In Salt Lake City lüfteten die Netzwerker nicht nur den Schleier über der nächsten Netware-Generation, sondern präsentierten auch die kommende Version ihrer Kommunikationsplattform "Groupwise". Die Version 5.5, die auf der Brainshare in den öffentlichen Betatest ging, bietet laut Novell über 150 neue beziehungsweise verbesserte Funktionen. Neben der grundsätzlichen Überarbeitung der Scheduling-Funktionen hat Novell vor allem in Sachen Internet-Connectivity nachgebessert.

Groupwise 5.5 unterstützt nun alle wesentlichen Internet-Standards durch eine native Internet-Adressierung und eingearbeitete Hypertext-Markup-Language- (HTML)-Funktionen. Auf diese Weise sind die Groupwise-Anwender - laut Novell elf Millionen weltweit - nicht nur in der Lage, Groupwise-Funktionen wie E-Mail oder Scheduling über Web-Browser zu nutzen, sondern können auch via Handhelds sowie intelligente Telefone auf die Informationen zugreifen. Um die Sicherheit der Kommunikation via Internet zu gewährleisten, integrieren die Netzwerker in das nächste Groupwise-Release Verschlüsselungs- und Authentifizierungsmechanismen auf Basis des Standards Security/Multipurpose Internet Mail Extension (S/MIME).

Ebenfalls erweitern will Novell die Workflow-Komponenten auf seiner Kommunikationsplattform. Mit Visual Basic, Javascript etc. läßt sich die Groupware an die unternehmensspezifischen Bedürfnisse anpassen. Damit ist, wie es heißt, auch das Dokumenten-Management für Groupwise kein Fremdwort mehr.

Wie bei Netware übernehmen auch bei Groupwise die NDS die zentralen Verwaltungsaufgaben. In ihnen werden alle Adressen, Objekte und ähnliches gespeichert und bei Bedarf automatisch repliziert. Dieses Verfahren berücksichtigt nicht nur Änderungen in der zentralen Datenbank, sondern auch auf dem Desktop.

Durch die noch engere Integration mit NDS verspricht sich das Novell-Management eine weitere Senkung des Administrationsaufwandes. Bereits heute, so Ed McGarr, ist Groupwise die kostengünstigste Messaging-Plattform. Laut dem Marketing Vice-President, der sich auf eine Gartner-Studie beruft, fallen über einen Zeitraum von drei Jahren pro Groupwise-Benutzer Unkosten in Höhe von 136 Dollar an. Ein Niveau, das nicht einmal die Internet-basierte "Suitespot"-Lösung von Netscape übertragen kann (167 Dollar). Noch teurer kommt Gartner zufolge der Einsatz von Microsofts "Exchange", das pro Anwender mit 470 Dollar zu Buche schlägt. Kostentreiber par excellence ist dieser Erhebung zufolge "Lotus Notes", hier müssen die IT-Manager pro Anwender Kosten in Höhe von 718 Dollar einkalkulieren.

Während das Novell-Management vor dem Hintergrund seiner neuen Produktgenerationen Zuversicht versprühte, bewerteten die Besucher das Spektakel teilweise deutlich skeptischer. So beabsichtigen die Mitarbeiter eines großen, weltweit operierenden Teilezulieferers der Automobilindustrie, der Brainshare künftig den Rücken zu kehren.

Schmidt sucht die Nähe der großen Outsourcer

Die IT-Spezialisten, die in ihrem Unternehmen NT- und Netware-Netze einsetzen, wollen in Zukunft NT-Briefings besuchen. Sollte es Microsoft nämlich gelingen, mit NT 5.0 endlich ein stabiles Server-Betriebssystem mit vernünftig nutzbaren Directories auf die Beine zu stellen, so sehen die IT-Mitarbeiter keinen Grund, weiter auf Netware zu setzen.

Eine Gefahr, der sich wohl auch Novell-Boß Schmidt bewußt ist. Um das Einsatzgebiet seiner Produkte zu vergrößern, sucht der Manager verstärkt Partner. Zwei wichtige Verbündete hat er in Intel und Oracle gefunden (siehe CW Nr. 14 vom 3. April 1998, Seite 1). Ganz oben auf der Wunschliste von Schmidt stehen aber nicht die DV-Hersteller, sondern die großen globalen Outsourcer wie etwa EDS. Gespräche, die man in diesem Zusammenhang führe, so orakelte der CEO auf der Brainshare, hätten positiv begonnen.