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28.01.1977

Neue Programmier-Methoden-Zukunftsmusik?

"Rationalisierung durch Einsatz neuer Software-Technologien" heißt ein Kapitel in der "Studie über Stand und Entwicklung des Einsatzes von mehrfach verwendbarer Anwendungssoftware in der gewerblichen Wirtschaft", die in Zusammenarbeit von Infratest, München und mbp, Dortmund, im Auftrag des BMFT erstellt wurde. Die Befragung von Anwendern und Anbietern zeigt deutlich negative Tendenzen: "Die Anwendung neuer Technologien, ist stets nicht nur ein technisches Problem, sondern sie verlangt auch die tatsächliche Bereitschaft zum Ersatz von vertrauten Techniken durch neue. Die Experten sind in der Beurteilung der Durchsetzung dieser Methoden bis 1980 eher zurückhaltend. . . " Hier lesen Sie, was vier Praktiker darüber denken. hö

Dr. Onno Blumhoff,

Direktor der Datenverarbeitung, Klöckner & Co., Duisburg

Wir müssen von den Anfängen der handwerklichen Arbeitsweise bei der Erstellung erster Computerprogramme auf UCT oder 1401 zur industriellen Fertigung von Computerprogrammen für Großsysteme kommen. Hierzu gehört Entwicklung von Standards, Baugruppen, Strukturen und ähnliches. Für die Organisation bedeutet das normiertes, gleichartiges Vorgehen für immer wieder den gleichen Ablauf von der Analyse der Ist-Aufnahme bis zur Programm-Vorgabe über ein Checklisten-System, das eine Vollständigkeitskontrolle, gleiche Arbeitsunterlagen und automatisierte Dokumentation in sich birgt.

Für die Programmierung bedeutet das: Programmierhandbücher für gleichartigen Programmaufbau, ein Kodex für jede funktionsfähige Programmierabteilung, Programmgeneratoren zur Effektivitätssteigerung kostbarer Programmier-Kapazität, Vermeidung von Fehlern und Verbesserung der Dokumentation, Entscheidungstabellen zur Verdeutlichung komplizierter Entscheidungsprozesse, Dokumentationssoftware zur Aktualisierung von Programm-Dokumentationen, Tabellensysteme zur flexibleren Änderbarkeit von anpassungsnotwendigen Programmen.

Wir setzen hierfür ein:

Orgware als Organisationssystem (ADV-Orga), DPS - Dokumentations- und Programmiersystem als Programmgenerator mit Entscheidungstabellen-Technik (Gemini), Quickdraw - Flowcharter und Testanalyse-Verbesserer (Zeda).

Klaus Rüdiger,

Organisationsabteilung, Berliner Kraft und Licht AG, Berlin

Bei der BEWAG gab es schon Mitte der 60er Jahre sehr umfangreiche DV-Anwendungen. Bis Anfang der 70er Jahre hatten wir Programme für den kommerziellen Bereich mit einem Aufwand von etwa 350 Mannjahren erstellt. Die vorhandene EDV-Anlage war nicht mehr ausbaufähig. Wir mußten uns also nach einem neuen System umsehen. Eine Umstellung auf neue Techniken war nicht mehr aufzuhalten. Damit uns künftig alle Wege offen sind und wir nicht gezwungen werden, einen bestimmten Hersteller zu wählen, nur um unsere Programme zum Laufen zu bringen, haben wir uns viele damals angebotene Verfahren angesehen, die zur Standardisierung der Programmierung und DV-Organisation verfügbar waren.

Wenn nicht - wie in unserem Hause - ein zwingender Grund besteht, sich mit neuen Techniken anzufreunden und sie auch einzusetzen, scheuen sich heute noch die Anwender, vertraute Methoden durch neue zu ersetzen. Der Grund hierfür ist oft Bequemlichkeit und vielfach auch die Möglichkeit, Engpässe in Organisation und Programmierung durch eine entsprechend größere Hardware auszugleichen.

Die Umstellung bei der BEWAG dauerte fünf Jahre. Zuerst wurde von der bis dahin verwendeten Assembler-Sprache auf Cobol übergegangen und gleichzeitig die normierte Programmierung eingeführt. Etwas später folgte dann die Entscheidungstabellen-Technik, seit eineinhalb Jahren benutzen wir DPS und wir haben begonnen, Struktogramme als Beschreibungselement in Programmvorgaben einzusetzen. Eine solche Umstellung kann nicht noch einmal durchgeführt werden. Wir glauben, daß der Einsatz der erwähnten Verfahren uns eine künftige Umstellung wesentlich erleichtert. Die Vorteile können wir bereits heute erkennen: Wir haben eine Systematik gefunden, die Verständlichkeit mit den Fachabteilungen wesentlich verbessert, die Programme sind leichter zu ändern und prüfbar auch durch die hauseigene Revision. Die meisten Verfahren sind leicht erlernbar und bringen - sinnvoll angewendet - Vorteile für alle Beteiligten.

Horst Mensfelder,

Leiter der EDV, Deutsche Beamtenversicherug, Wiesbaden

Laufzeiteffektivität läßt sich durch Hardware verbessern - die Fähigkeit zur Anpassung an geänderte Bedingungen nur durch neue Methoden der Programmproduktion. Ältere Systeme, die mit völlig unzulänglichen Methoden entwickelt worden sind und seitdem ständig wuchern, werden alle - früher oder später - reorganisiert werden müssen. Nur so lassen sich neue Software-Technologien wirkungsvoll einsetzen. Daß diese Entscheidung von vielen Anwendern hinausgeschoben wird, ist verständlich. Wer besitzt schon den Mut, das Unbehagen mit dem eigenen System einzugestehen und wer hat die Kraft, neue Methoden gegenüber der Geschäftsleitung und dem EDV- Stab durchzusetzen?

Systemumstellungen sind Investitionen, die sich nur durch Konsumverzicht erkaufen lassen: Für längere Zeit muß die Produktion neuer Anwendungsprogramme zugunsten methodischer Entwicklungen zurückgestellt werden. Ich weiß, wovon ich spreche, denn wir haben die Umstellung unseres Systems auf eine modulare Technik hinter uns. Es war ein langer Weg, die Idee in die Praxis umzusetzen. Neue Techniken erfordern mehr und qualitativ bessere Instrumente und Werkzeuge als konventionelle Verfahren. Die Beschaffung dieser Werkzeuge - ob durch Eigenentwicklung, Kauf oder Miete - verursacht Kosten, die sich nur bei konsequenter Anwendung amortisieren. Und doch lohnt sich der Aufwand, weil die Flexibilität bei der Beurteilung von EDV-Systemen einen immer größeren Stellenwert einnimmt. Letzten Endes zwingt uns der Computer selbst, neue Wege zu beschreiten, denn die drastischen Veränderungen, die er bewirkt hat, können nicht ohne Rückwirkungen auf die EDV bleiben.

Klaus Weyler,

Leiter der Projektprogrammierung, H. F. und P. H. F. Reemtsma, Hamburg

Während sich das Preis/ Leistungsverhältnis von Datenverarbeitungssystemen ganz entscheidend verbessert hat, steigen die Entwicklungskosten von Software weiter an. Auf der einen Seite sind wir in den Unternehmen in das Stadium der immer größer werdenden Integration von EDV-Anwendungen eingetreten, auf der anderen Seite werden die Werkzeuge der Vergangenheit noch immer zur Realisierung benutzt. Die Frage der Programmtechnik wurde ausgeweitet auf die Frage der Systementwicklung. Wenn wir in Zukunft den daraus resultierenden Anforderungen gerecht werden wollen, so ist es eine der vordringlichsten Aufgaben der EDV-Leitung, allen Mitarbeitern das Gefühl zu vermitteln, daß sie mit dieser Problematik nicht allein auf sich gestellt sind, sondern daß hier Vorkehrungen getroffen werden, die zur Lösung dieser Probleme beitragen können.

Bei dem Einsatz von neuen Methoden der Systemanalyse

oder Programmiertechnik spielt das allseits bekannte nur zu menschliche Beharrungsvermögen, das Festhalten von Bekanntem und Beherrschtem eine große Rolle. Wir haben die Erfahrung gemacht, daß hier nur ein schrittweises Vorgehen durch Situationsanalysen und Motivierung einen Sog bei allen Mitarbeitern erzeugt, der eine Umsetzung auf neue Methoden, Systeme und Generatoren erleichtert.

Eine wichtige Voraussetzung für den Einsatz neuer Methoden ist die den neuen Methoden entsprechend angepaßte Organisationsform im Entwicklungsbereich. Hier wird sehr oft der Fehler gemacht, daß viele Unternehmen Systeme und Generatoren einsetzen, jedoch die organisatorischen Voraussetzungen nicht geschaffen wurden und somit ein Teil der Erneuerung von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Diese Fehlschläge vermindern sehr stark die eventuell vorhandene Aufgeschlossenheit. Der einmal erzeugte Sog schlägt in Ablehnung um. Wir werden den Schritt in die dritte Software Generation tun müssen. Je besser wir auf diese Probleme eingestellt sind, desto leichter wird dieser Prozeß sein. Sollten wir diesen Schritt nicht selber tun, so wird ihn ein anderer für uns durchführen.