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29.07.1983

Neue Programmiermethoden sind kein Universalmittel

Mit gemischten Gefühlen stehen viele Anwender noch immer modernen Programmiermethoden gegenüber. Nach Ansicht von Herbert Wank, DV-Leiter der Gebrüder Steinhart Wachswarenfabrik, Krumbach, ist es für Management und Fachabteilungen unmöglich, am Einsatz neuer Techniken vorbeizukommen. In der Regel erhofft sich der Benutzer jedoch Wunderdinge, die keines der heute angebotenen Systeme erfolgen kann. "Das böse Erwachen", so Hans-Peter Müller, Landesgeschäftsführer beim Bildungswerk der Deutschen Angestellten Gewerkschaft im Lande Nordrhein-Westfalen e. V., "bleibt dann häufig nicht aus." Aufklärung der betroffenen Anwender ist also dringend notwendig, denn der hohe Kostenaufwand scheint nur dann gerechtfertigt, wenn der Benutzer die angebotenen Systeme bis ins Detail beherrscht und sie in vollem Umfang ausnützt. Die Hersteller könnten hier helfen, indem sie kostengünstige Seminare anbieten.

Hans-Peter Müller

Landesgeschäftsführer, Bildungswerk der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft im Lande Nordrhein-Westfalen e. V., Düsseldorf

Das Zauberwort "Informationsverarbeitung" hat in einigen Betrieben ähnliche Folgen ausgelöst wie in Goethes "Zauberlehrling". Die EDV wurde gerufen, man erhoffte sich Wunderdinge und versprach sich ein perfekt arbeitendes Führungsinformationssystem. Das böse Erwachen kam aber schnell. Produktion und Wartung der für den Betrieb von Computern notwendigen Programme fraßen große Beträge des EDV-Budgets auf, ohne den entsprechenden Gegenwert zu erhalten. Auch ist festzustellen, daß die heute angebotene Software teilweise zwar als Managerwerkzeug geeignet ist, doch sind zu deren Auswahl und Einsatz noch erhebliche Fachkenntnisse erforderlich. Die ständige - auch softwareorientierte - Weiterbildung der Führungskräfte ist deshalb unerläßlich.

Die meisten Softwarepakete, die vom Hardwarehersteller angeboten werden, kann der Anwender kaum einsetzen. Sie müssen meistens noch auf die Bedürfnisse der Benutzer zugeschnitten werden.

Das Management steht heute einer verwirrenden Informationsflut gegenüber, die zu folgenden Kommunikationskonflikten führen kann, der Unfähigkeit, große Informationsmengen transparenter zu machen, der Unfähigkeit, weit verzweigte Ursachen, Wirkungen und Zusammenhänge zu verdeutlichen, sowie der Unfähigkeit, Dispositionsleistungen entscheidend zu verbessern.

Diese Konflikte lassen sich am ehesten beseitigen, wenn es gelingt, die wesentlichen Innovationen der computergestützten Kommunikation benutzergerecht in Anwendungen umzusetzen. So ist es erforderlich, daß die Probleme der Interaktivität und der Multifunktionalität gelöst werden.

Erst mit der Interaktivität, mit den individualisierbaren Abruf- und Dialogmöglichkeiten, betritt die Datenverarbeitung Neuland in der Kommunikation. Sie verläßt die eindimensionale Form zielgerichteter Adressierung, die Einbahnstraße der Kommunikation, und gibt dem Benutzer die Gelegenheit, die benötigten Informationen abzurufen.

Auch entwickelt sich Multifunktionalität zu einem wichtigen Kriterium. Die zeitaufwendige Programmierung und die damit verbundenen Kosten lassen den Aufbau separater Datenbestände wirtschaftlich erscheinen. Die Integration der Programme und Dienste, also ein größtmöglicher Mehrfachnutzen, ist deshalb anzustreben. Um diese Forderungen zu erfüllen, ist natürlich eine entsprechende Software erforderlich.

Es fehlt zwar noch an allgemein verbindlichen Methoden zur Beurteilung und Bewertung fertiger Programme, man kann aber feststellen, daß aus der Softwarekunst eine Softwaretechnik geworden ist. Mit dem schnellen Wachstum ergibt sich gleichzeitig eine zunehmende Integration der Datenverarbeitung in den Organisations- und Produktionsabläufen der Benutzer. Durch die Verflechtung der Datenverarbeitung mit der Organisation und der Produktion ist der Benutzer gegen einen Ausfall des Systems jedoch wesentlich empfindlicher geworden.

Um den Computer zur Vermittlung von Führungsinformationen zu benutzen, ist die Mensch-Maschine-Schnittstelle optimal zu gestalten. Die größten Probleme sind also nicht allein im Bereich der Anwendungssoftware zu suchen. In den Mittelpunkt des Geschehens rückt immer mehr die Kommunikationssoftware: Der Wunsch nach vernetzten Konzeptionen hat einen immensen Bedarf an Kommunikationssoftware ausgelöst, der bisher nicht annähernd befriedigt werden konnte.

Die gegenwärtige Software-Methodenlandschaft ist nicht sehr transparent. Sie ist gekennzeichnet durch eine Vielzahl und Vielfalt existierender Methoden. Es ist nicht verwunderlich, daß dadurch unter den potentiellen Methoden-Anwendern eher Verwirrung und Ratlosigkeit als Klarheit herrschen. Die Situation ist durch eine Reihe von Problemen gekennzeichnet, die unternehmensspezifische Gegebenheiten nicht oder nur unvollkommen berücksichtigt, es liegen zu wenig Erfahrungsberichte über effektive Nutzungen vor, viele brauchbare Hilfen sind zu wenig verbreitet. Das Personal ist nicht ausreichend qualifiziert, die Unterstützung durch das Management fehlt und bei den Methodenanwendern ist zu wenig Akzeptanz vorhanden.

Angesichts dieser Situation ist es kaum möglich, die vorhandenen Softwaremethoden sachgerecht zu vergleichen, das heißt also eine mengen- und wertmäßig erfaßbare Leistung der zur Verfügung stehenden Software ist schwer einzuordnen. Schwierigkeiten bei der Messung ergeben sich vor allem dadurch, daß jede Arbeitsart eigentlich einen eigenen Maßstab erfordert. Ohne auf die Details weiter einzugehen, sind allerdings. einige wichtige Leistungskomponenten zu nennen, die zur Messung einer Software herangezogen werden können:

- funktionale Fähigkeiten,

À- Flexibilität (Eignungsbreite, Erweiterbarkeit durch Zusätze),

-ÀZuverlässigkeit,

À- Kompatibilität,

À- Benutzerfreundlichkeit,

À- Dokumentation.

Führungsinformationen sind nicht gleich Führungsinformationen. Das Abrufen einer einfachen Kennzahl ist sicher anders zu bewerten als das Durchführen einer großen Rentabilitätsrechnung mit verschiedenen Wahrscheinlichkeitsgraden.

Der Nutzen des Instrumentes "Computer" bestand bisher vorwiegend in der Rationalisierung. Die Steigerung in der Informationsqualität muß schon aus Kostengründen in Zukunft klar im Vordergrund stehen.

Herbert Wank

DV-Leiter, Gebrüder Steinhart Wachswarenfabrik, Krumbach

In einer Zeit, in der die "Computerintelligenz" und dadurch auch die moderne Programmierung immer mehr in den Vordergrund rückt, ist es für das Management und für die einzelnen Fachabteilungen eigentlich unmöglich, an dieser Entwicklung vorbeizukommen, Es sollte jedem Manager klar sein, daß eine gut organisierte und programmtechnisch versierte DV-Abteilung entscheidende Vorteile bringt.

Das optimale Zusammenspiel der einzelnen Komponenten, wie Textverarbeitung, Datenverarbeitung und Kommunikation, kann die Entscheidung vieler Probleme ganz erheblich beeinflussen. Denken wir nur an Statistiken, Grafiken, Auswertungen und Analysen, die aufgrund moderner Programmierung möglich sind. Es wird im Management kaum einen Bereich geben, der nicht softwaremäßig unterstützt werden kann, um Entscheidungshilfen zu geben. Aus eigener Erfahrung möchte ich dazu anfuhren, daß in unserem Unternehmen Beschlüsse der Geschäftsleitung zu 80 Prozent von der EDV unterstützt werden.

Jede kaufmännische oder technische Führungskraft, die erkannt hat, daß gute Programmierung neben der modernen Hardware ein optimales Hilfsmittel für Entscheidungen oder Fachdiskussionen ist, wird immer wieder darauf zurückkommen.

Wie eine Studie der International Data Corporation (IDC) feststellt, nutzen nur drei Prozent der Führungskräfte. "Computerintelligenz". Daraus ist ersichtlich, daß momentan nur ein verschwindend kleiner Teil des Managements sich vom Computer unterstützen läßt. IDC meint aber, daß bereits im Jahre 1990 der Anteil auf 65 Prozent steigen wird. Diese Entwicklung zeigt, daß sich auf Dauer die Vorteile der DV-Unterstützung für das Management klar herauskristallisieren.

Leiter der Datenverarbeitung, die gerade diese Tendenz nicht klar erkennen und sich nicht darauf einstellen, werden über kurz oder lang von der Entwicklung überrollt.

Aber nicht nur Entscheidungshilfen für die Geschäftsleitung, sondern auch Informationen als Element der Kontrolle, Planung und Steuerung bringen die modernen Programmiersprachen mit sich.

Die gegenseitige Durchdringung der einzelnen Kommunikations- und Informationstechniken, die ja erst durch die moderne Programmierung möglich ist, schafft neue Gestaltungsmöglichkeiten. Mit der entscheidenden Verbesserung der Informationsverarbeitung steigt die Produktivität der einzelnen Fachabteilungen wesentlich mehr als durch reine Rationalisierung der Hardware.

Eine Abteilung, die ihre aktuelle Situation durch den permanenten Zugriff ihres Datenbestandes im Griff hat, wird immer über relevante Informationen verfügen. Dies ist aber nur möglich, wenn die Daten durch entsprechende Programmiermethoden optimal aufbereitet und als "Output" auch dem DV-Laien klar und verständlich zur Verfügung gestellt werden.

Dieter Hartz

DV-Leiter, Wiegand Karlsruhe GmbH, Ettlingen

Der Aufwand beim Einsatz moderner Programmier- und Testmethoden ist im Normalfall ziemlich hoch, da der Anwender nicht von den bisherigen Erfahrungen und Regeln ausgehen kann, sondern umdenken muß.

Die Vorteile dieser neuen Verfahren sind sicher bei der Prototypprogrammierung festzustellen. Allerdings darf man nicht vergessen, daß die bisher bewährten Grundregeln auch hier gelten: Ohne sorgfältige Analyse und Vorplanung sind auch moderne Methoden nicht sinnvoll einsetzbar.

Ein Problem stellt die Frage des Nachwuchses dar. Ferner müssen die bereits vorhandenen Mitarbeiter ausgebildet werden, da der Umgang mit dem gewohnten Equipment zumindest anfangs viel Zeit und Organisationstalent erfordert. Diesen Schritt nach vorne kann man nicht unterstützen, indem man einen Absolventen der Hochschule oder einen Berufsanfänger mit Fachausbildung einsetzt, Die Annahme, er sei mit dem neuesten Wissen versorgt und fit für den praktischen Einsatz, erweist sich meist als Trugschluß.

Die Hersteller und Anbieter von modernem Equipment müßten kostengünstige Seminare anbieten, die einen Vergleich der verschiedenen Produkte ermöglichen. Werden diese Kosten bei einer Bestellung auf den Kaufpreis angerechnet, wie das in anderen Industriezweigen üblich ist, so bleibt der finanzielle Aufwand erträglich.

Der Kerneinsatzpunkt ist, den Informationsgehalt schnell zur Verfügung zu stellen. Der Anwender kann nicht wegen möglicher Nachteile ,mit den bestehenden Programmiermethoden weiterarbeiten. Letztlich soll das neue Equipment zu einer Aufwandsersparnis führen. Wenn man es einsetzt, muß man davon ausgehen können, daß alle in der Programmierung beschäftigen Mitarbeiter gut ausgebildtet sind und ihr Arbeitsgebiet beherrschen.

Vor allem im kaufmännischen Bereich, wo die Innovation nicht so groß ist wie in der Technik, ist durchaus eine Verbesserung und damit eine Ersparnis möglich. Große DV-Applikationen sind die Vorreiter dafür, mit neuen Methoden neue Wege zu beschreiten und Detailinformationen zu gewinnen.