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09.05.1980

Neue Realisierungschancen für integrierte Lösungen

Professor Dr. August-Wilhelm Scheer, Direktor des Instituts für

Wirtschaftsinformatik an der Universität des Saarlandes,

Saarbrücken

Nachdem für Versuche, die Anfang der 60er Jahre entwickelten Konzeptionen für total integrierte Management-Informationssysteme (MIS) zu realisieren, viel Lehrgeld bezahlt werden mußte, ist dieser Begriff zumindest in Praxis in Verruf geraten. Ursache für das spektakuläre Scheitern einiger MIS-Realisierungen war, daß der falsche Eindruck erweckt wurde, das theoretische MIS-Konzept könne mit den damals bestehenden Möglichkeiten der Datenverarbeitung realisiert werden. An der Weckung dieser Erwartungen waren auch führende EDV-Hersteller nicht unschuldig.

In der Zwischenzeit haben aber neue Entwicklungen der EDV auch den Integrationsgedanken wieder stärker in den Vordergrund gerückt, Allerdings wirken die schlechten Erfahrungen nach, so daß nunmehr eine gewisse Hemmung bei der Realisierung an sich möglicher integrierter betriebswirtschaftlicher Lösungen zu verspüren ist.

Ein wichtiges, heute von DV Managern diskutiertes Problem betrifft die Frage der verteilten Datenverarbeitung. Insbesondere steht im Vordergrund, wie die Datenverarbeitungsaufgaben auf die Knoten eines Rechnernetzes verteilt werden sollen. Hier werden dem Anwender bisher nur wenige Hilfestellungen gewährt. Auch besteht zwischen der Organisationsstruktur einer Unternehmung und der Art der Datenverarbeitung kein zwingender Zusammenhang.

Die zentrale Datenverarbeitung bisheriger Art hat nur zu einer Scheinintegration der betrieblichen Aufgaben geführt. Es fand zwar bei der eigentlichen Datenverarbeitung durch die zentrale EDV-Anlage eine örtliche Integration statt, die vorhergehenden und folgenden Arbeitsschritte bleiben aber getrennt. Gerade diese Diskrepanz hat häufig zu erheblichen Schwierigkeiten geführt, wenn etwa in einer Verkaufsniederlassung die Liste über die Lagerbestände zentral in der Hauptverwaltung erstellt wurde und bereits bei der Auslieferung um, drei bis acht Tage veraltet war. Die verteilte Datenverarbeitung, die nicht automatisch mit einer stärkeren Dezentralisierung der Organisation verbunden sein muß, führt nun dazu, daß die Datenverarbeitung zwar örtlich getrennt stattfinden kann, die einzelnen betrieblichen Aufgaben aber stärker funktional integriert werden können. Beispielsweise können der Lagerbestand der Verkaufsniederlassung nun in der Niederlassung selbst aktuell aus den Auftragsreservierungen und Zu- und Abgängen geführt werden; die Auskunft über die Verfügbarkeit eines bestimmten Artikels im Hauptlager durch den Zugriff auf den Zentralcomputer erhalten werden und die einzelnen Lager an den Verkaufsniederlassungen zentral entsprechend ihren individuellen Bedarfszahlen mit Nachschublieferungen versorgt werden und so weiter. Im Vordergrund der Planung steht nicht die Verlagerung der Datenverarbeitungskapazitäten, sondern die Neuorganisation der betrieblichen Abläufe. Erst wenn dieses geschehen ist, kann auch die zugehörige DV-Ausstattung bestimmt werden, in den folgenden Kästen sind einige Argumente für zentrale EDV für verteilte Datenverarbeitung zusammengetragen. Sie sollen als Reizwörter und Anhaltspunkte für die Diskussion der betriebswirtschaftlichen Probleme dienen.

In einem an meinem Institut bearbeiteten Projekt wird mit Hilfe eines Simulationsmodells die Auswirkung der organisatorischen Umstrukturierung bei der Einführung verteilter Datenverarbeitung zu simulieren versucht. Die Fragestellungen, die mit diesem System beantwortet werden sollen, erstrecken sich von der recht globalen Abteilungsbetrachtung bis hin zu den Auswirkungen der Computerbelastung anhand der unterschiedlichen Transaktionsanforderungen. So wird beispielsweise in einer Art Netzplan eine Auftragsbearbeitung in ihre einzelnen Arbeitsfolgen aufgelöst. Derartige Strukturinformationen müssen in das Simulationssystem eingegeben werden; mit Hilfe eines Modellgenerators wird dann ein entsprechendes Simulationsmodell erzeugt. Es kann dann analysiert werden, wie sich die Zusammmenlegung einzelner Abteilungen oder Vorgänge auf die Durchlaufzeit der Auftragsbearbeitung auswirkt, wie sich einzelne Übergangszeiten oder Änderungen der organisatorischen Abläufe auf die Auslastung der einzelnen Abteilungen auswirken und so weiter.

Die neuen Möglichkeiten der Datenverarbeitung werden nach meiner Überzeugung zu einer verstärkten Integration der betrieblichen Problembearbeitung führen. Dies ist vom betriebswirtschaftlich-wissenschaftlichen Standpunkt aus sehr zu begrüßen, trifft aber meines Erachtens auch mit den Wirtschaftlichkeitsaspekten der betrieblichen Aufgabenbearbeitung zusammen.

Vortrag anläßlich des Siemens-Seminars "Datenverarbeitung in der Grundstoff- und Investitionsgüterindustrie" am Eibsee vom 3 bis 5 März 1980, Auszug.

Argumente für verteilte EDV

Ausnutzung der vorteilhaften Preis-/Leistungsverhältnisse bei

Minicomputern

Geringere Einstiegskosten

Bessere Größenvariation und beschleunigte Anpassung an den technischen Fortschritt

Geringere Komplexität, geringerer Overhead der einzelnen Systeme

Einsatz von Spezialsystemen/-rechnern

Die Hardware-Kosten sinken schneller als Kosten der Datenübertragung

Datenpflege durch Fachabteilungen

Verbesserte problembezogene

Kompetenz der Mitarbeiter

Höhere Motivation durch Eigenverantwortung

Mehrere Produktionsstätten, mehrere Märkte

Große Selbständigkeit der Unternehmensbereiche

Geringe gemeinsame Nutzung von Programmen und Daten