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10.10.2003 - 

IBMs Lotus Notes 6.5 und Microsoft Exchange 2003 im Vergleich

Neue Runde im Duell der Mail-Giganten

MÜNCHEN (ws) - Die beiden Marktführer im Bereich Messaging und Collaboration, IBM und Microsoft, bringen neue Versionen ihrer Systeme "Notes/Domino" und "Exchange" auf den Markt. Neben besserer Bedienbarkeit steht besonders die enge Integration von Instant Messaging im Vordergrund. Die Gates-Company stimmte Exchange zudem auf den Windows Server 2003 ab.

Beim Windows Server 2003 schließt Exchange 2003 eine seit sechs Monaten vorhandene Lücke, weil Exchange 2000 nicht auf dem neuen Windows-Server läuft. Umgekehrt kann aber Exchange 2003 auf Windows 2000 installiert werden. Daneben kommt der Abstimmung des Messaging-Systems auf Office große Bedeutung zu, weil dessen bevorzugter Client "Outlook" als Teil des Büropakets ausgeliefert wird.

Die Angleichung an Windows 2003 beschränkt sich nicht auf bloße Kompatibilität, sondern soll Exchange die fortgeschrittenen Features des neuen Betriebssystems zugänglich machen. Dazu zählen etwa die Möglichkeit, Cluster aus acht Knoten einzurichten, oder die Sicherung von Datenbanken durch "Shadow Copy". Outlook 2003 fällt auf den ersten Blick zwar durch die veränderte Oberfläche auf, trägt aber hinter den Kulissen zu einer besseren Leistungsfähigkeit von Exchange bei. So kann es nach dem Vorbild von Lotus Notes eine lokale Replik der Mail-Datenbank anlegen ("cached mode") und so den Server entlasten. Der flächendeckende Einsatz von Outlook 2003 lässt daher mehr Benutzer pro Exchange-Installation zu als andere Clients. Dieses Feature kommt auch mobilen Anwendern in Form kürzerer Antwortzeiten zugute, wenn sie über Wählverbindungen auf den Server zugreifen. Sie profitieren zudem davon, dass die MAPI-Kommunikation zwischen dem neuen Client und Exchange 2003 nun komprimiert wird.

Umbau auch bei Lotus-Software

Im Rahmen der IBM-Strategie, seine Groupware mit den Plattformprodukten Websphere und DB2 unter der Bezeichnung "IBM Lotus Workplace" näher zu bringen, repräsentiert Notes/Domino 6.5 eine neue Version eines alten Systems - auch wenn dieses kein offizielles Ablaufdatum hat und auf absehbare Zeit weiterentwickelt werden soll. Ein wesentliches Anliegen der IBM besteht darin, dass sich alt und neu nicht nur ohne größere Probleme parallel betreiben lassen, sondern Benutzer möglichst einfach auf die zukünftige Plattform umsteigen können. Big Blue will daher Notes/ Domino und Lotus Workplace stärker aneinander angleichen. Die Company verspricht sich davon erhebliche Einsparungen, weil systemnahe Software nicht doppelt entwickelt werden muss. Das gilt etwa für Datenbanken, Ablaufumgebungen für Java-Servlets oder Portale. Aus diesem Grund sollte ursprünglich in Domino 6.5 die Notes Storage Facility (NSF) als bevorzugter Speichermechanismus der DB2-Datenbank weichen. Erstere wäre dann als Option weiterhin vorhanden, bei der Nutzung von DB2 könnten sich aber Lotus Workplace Messaging und Domino im Parallelbetrieb eine gemeinsame Mail-Datenbank teilen. Dieses Feature wurde indes nicht mehr fertig gestellt und auf Domino 7.0 verschoben. Bei den unterstützten Betriebssystemen kommt mit dem neuen Release Linux für Mainframes der "Z-Series" hinzu. Der freie Unix-Clone wird aber auch als Client-System bedient - zwar nicht mit einer eigenen Ausprägung von Notes, aber mit "Domino Web Access" (vormals "iNotes"). Dieser Client ohne eigene Benutzeroberfläche greift auf einen Web-Browser zur Darstellung seiner Inhalte zurück. Unter Linux kommt dafür Mozilla 1.3 beziehungsweise der darauf aufbauende "Netscape Navigator 7" zum Zug. Leider berücksichtigt Domino Web Access (DWA) unter Windows weiterhin nur Microsofts "Internet Explorer". Deshalb können Anwender, die Windows und Linux einsetzen, keinen unternehmensweiten Standard-Browser festlegen, wenn sie Web-Mail auf Basis von Notes nutzen wollen.

In Zukunft sollen alle Nicht-Windows-Desktops weitgehend gleichwertig mit einem Java-Client unterstützt werden. Er ist nicht Bestandteil der Version 6.5, soll aber noch vor der Fertigstellung von Notes/Domino 7.0 zur Verfügung stehen. Die Rede ist dabei von einem "Rich Client", unklar bleibt aber bis dato noch, ob er tatsächlich alle Funktionen von Notes bieten wird. Lotus hatte schon vor rund fünf Jahren mit der "E-Suite Workplace" einen erfolglosen Anlauf mit Java-basierender Client-Software unternommen. Dank höherer Rechenleistung moderner PCs und erheblicher Fortschritte von Java scheint die Sun-Technik nun reif für den Desktop. Dies belegen etwa komplexe Applikationen wie IBMs integrierte Entwicklungsumgebung "Eclipse".

In der Zwischenzeit können Linux-Anwender Fortschritte bei DWA in Anspruch nehmen, die auch unter Windows verfügbar sind. Dazu zählt etwa die mit dem Komprimierungsverfahren gzip verdichtete Datenübertragung zwischen Client und Server. Zusätzlich lässt sich über die Veränderung der betreffenden Masken das Layout des Web-Clients an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Die von IBM als wichtigste Neuerung von Notes/Domino 6.5 gepriesene Integration von Instant Messaging (IM) zeigt, dass sich auf dem Client eine Zwei-Welten-Lösung abzeichnet. Das neue Feature bleibt der Windows-Version vorbehalten, die Variante für den Macintosh geht leer aus. Das deutet darauf hin, dass der einzigen Notes-Variante außerhalb von Windows nicht mehr viel Zukunft gegönnt sein dürfte. Am Ende dieser Entwicklung steht wohl Notes für Windows und ein Java-Client für den Rest der Welt.

IBMs Vorsprung schmilzt

Die Einbindung von IM-Funktionen in die Version 6.5 erfolgte durch die Verschmelzung des Clients für "IBM Lotus Instant Messaging and Web Conferencing" (vormals "Sametime") mit Lotus Notes. Damit stehen die wesentlichen Funktionen der Software in allen Anwendungen von Notes zur Verfügung, also bei Mail, Kalender oder Adressbuch. Am stärksten dürfte Anwendern die allgegenwärtige "Presence Awareness" auffallen, die bei allen auftretenden Personennamen (Absender von Mails, Kontakte im Adressbuch, Teilnehmer an Besprechungen) anzeigt, ob die Person über einen Online-Chat erreichbar ist.

Microsoft bemühte sich schon seit einiger Zeit, den Vorsprung IBMs bei der Enterprise-Nutzung von IM-Funktionen aufzuholen. Als Konkurrenz zu Sametime bot die Gates-Company den "Exchange Conferencing Server", dessen Funktionen sie unter dem Codenamen "Greenwich" weiterentwickelte und die ursprünglich in den Windows Server 2003 gepackt werden sollten. Die Marketiers von Microsoft tauften die Software Anfang 2003 auf "Realtime Communications Server" und benannten sie kürzlich auf "Office Live Communications Server 2003" um. Sie soll zeitgleich mit Office 2003 und Exchange 2003 Ende Oktober auf den Markt kommen.

Der Office-Server (http://www.microsoft.com/office/preview/livecomm ) verfügt über ähnliche Fähigkeiten wie sein IBM-Gegenstück. Dazu gehören neben der allgegenwärtigen Presence Awareness und Online-Chats die gemeinsame Benutzung einer Anwendung ("Application Sharing") oder eines virtuellen Schmierzettels ("Whiteboard"), Videokonferenzen und Dateiübertragung.

Features für Unternehmenseinsatz

Diese Funktionen erbringt der in Windows integrierte "Messenger" zwar auch ohne Server, Letzterer fügt aber Features für den Unternehmenseinsatz hinzu. Dazu zählt etwa die Integration mit dem Active Directory, die verschlüsselte Übertragung von Informationen oder die Protokollierung von Chats. Wie bei Sametime lassen sich zudem IM-Funktionen über ein API und Toolkits in eigene Programme integrieren. Microsoft bietet nach der Übernahme von Placeware (http://main.placeware.com/) zusätzlich unter der Bezeichnung "Office Live Meeting" eine gehostete Alternative für derartige Echtzeitanwendungen an. Die Konferenzlösung erlaubt virtuelle Meetings mit bis zu 2500 Teilnehmern. Eine Integration in das hauseigene Büropaket steht indes noch aus.

Nach dem Entschluss von Microsoft, den IM-Server nicht mit Windows Server 2003 auszuliefern, sondern als eigenständiges Produkt zu vertreiben, verfolgen die beiden Kontrahenten ein ähnliches Geschäftsmodell. Sie liefern den IM-Client ohne Aufpreis mit Windows beziehungsweise Notes aus und verlangen für den Server Lizenzgebühren. Die IM-Funktionen sind zweifellos der Bereich, in dem die neuen Versionen von Notes/Domino und Outlook/Exchange am stärksten um die Gunst der Anwender wetteifern. Schließlich haben die meisten Firmen E-Mail-Systeme schon längst eingeführt, Software für die Echtzeitzusammenarbeit ist noch nicht so weit verbreitet.

Man kann darüber spekulieren, ob die IBM mit der Verschmelzung von Notes und Sametime auf die ursprünglichen Microsoft-Pläne reagierte, den IM-Server ins Betriebssystem zu packen. Bei der Unterstützung von mobilen Endgeräten hat Microsoft seine Bundling-Ankündigungen aber wahr gemacht und die Funktionen des "Mobile Information Server" in Exchange 2003 integriert. Die IBM bietet für diesen Zweck mit ihrer Everyplace-Familie weiterhin separate Produkte an. Die kommende Version von "Websphere Everyplace for Domino" wird auf dem Java-Applikations-Server beruhen. Spätestens die Notwendigkeit, Mails mit PDAs synchronisieren zu müssen, wird Notes-Anwendern dann einen Websphere-Server bescheren.

Nützliche Detailverbesserungen

Neben den mit viel Marketing-Getöse angekündigten IM-Erweiterungen ihrer Messaging-Systeme reagieren beide Anbieter mit zahlreichen Detailverbesserungen auf die Bedürfnisse der Anwender. Für viele von ihnen dürften diese Neuerungen im Arbeitsalltag wichtiger sein als die allseits vorhandene Presence Awareness. Dazu zählen etwa die verbesserten Spam-Filter oder die engere Integration bestehender Anwendungen wie Mail, Kalender und Aufgabenliste. So lassen sich etwa in Notes 6.5 Inhalte von Mails per Drag and Drop in Kalendereinträge oder in die To-do-Liste übernehmen, der umgekehrte Weg ist auch möglich.

Nachdem Big Blue die Benutzerfreundlichkeit von Notes über lange Zeit vernachlässigte, bewegt sich der IT-Riese nun unter dem Eindruck der Outlook-Konkurrenz. Der neue Microsoft-Client bietet Funktionen, die der Tatsache Rechnung tragen, dass E-Mails für viele Arbeitsabläufe zu einem zentralen Werkzeug geworden sind, beispielsweise in der Vorgangsbearbeitung. Unter Outlook 2003 können Benutzer eingegangene E-Mails mit Markierungen ("Flags") in mehreren Farben versehen, um ihren Bearbeitungsstatus anzuzeigen. So lassen sich einzelne Nachrichten etwa auf Wiedervorlage setzen. Notes 6.5 zieht in dieser Hinsicht nach und bietet ebenfalls solche Funktionen. Das Mail-Management verbessert Outlook bei großen Mail-Datenbanken mit so genannten Suchordnern. Sie bieten unter definierbaren Kriterien verschiedene Sichten auf die Daten. So lassen sich in Ordnern etwa alle Mails gruppieren, die mit dem gleichfarbigen Flag markiert wurden oder für die ein bestimmter Suchbegriff zutrifft. Letzteres beherrscht Notes in Form privater Ansichten schon lange, bloß kennt kaum ein Anwender dieses Feature. Outlook hingegen möchte Benutzern den Vorteil von Suchordnern über die Microsoft-typischen Wizards einfach zugänglich machen. Eine Neuerung von Notes 6.5 wird den meisten Benutzern aber auch ohne elektronische Helferlein bestimmt auffallen: Die neue Version enthält eine eigene Ansicht für ungelesene Mails und bereitet einer umständlichen Suche ein Ende.

Zwei Strategien

Sowohl Microsoft als auch IBM bezeichnen die bevorstehenden Versionen ihrer Messaging-Systeme als größere Updates. Die Ausgangspositionen der beiden Rivalen für die nächste Runde im Wettstreit um die Marktführerschaft sind aber sehr verschieden. Microsoft brachte mit Exchange 2000 das letzte große Release bereits vor drei Jahren auf den Markt, die IBM gab Notes/Domino 6 erst vor einem Jahr frei. Da es zu den zentralen Konzepten Microsofts gehört, seine Softwareprodukte möglichst eng aufeinander abzustimmen, muss Exchange 2003 gegenüber anderen Angeboten aus dem eigenen Haus Boden gutmachen.

Auch bei der IBM geht es darum, das hauseigene Portfolio für Messaging und Collaboration an eine neue Infrastruktur anzupassen. Allerdings steht dort nicht die Harmonisierung mit einem neuen Betriebssystem auf dem Programm, sondern die Migration der bestehenden Funktionalität auf Websphere und DB2. Dieses Vorhaben wurde bereits auf der Lotusphere vor zwei Jahren angekündigt, das neue System firmierte damals unter dem Codenamen "Nextgen". Es wurde vor einiger Zeit offiziell auf "IBM Lotus Workplace" getauft. Mit "Lotus Workplace Messaging" existiert bereits ein erster Baustein für die neue Plattform. Die Verwendung der Workplace-Marke gibt aber keine verlässliche Auskunft darüber, dass ein IBM-Produkt auf dem Websphere/DB2-Gespann beruht. So basiert etwa die von Aptrix zugekaufte Software auf Notes/Domino, hört neuerdings aber trotzdem auf die Bezeichnung "Lotus Workplace Web Content Management".