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24.10.1975

Neue Software-Technologie- Mehr als nur Schlagworte?

Mancher kann es schon gar nicht mehr hören: Software Engineering, Hierarchische Modularisierung, Strukturierte Programmierung, Topdown-Design, HIPO-Diagramme, Struktogramme. Zudem stellte die Computerwoche in ihren letzten beiden Ausgaben jeweils auf Seite 1 zwei neue Werkzeuge zur Unterstützung der "Modernen Software-Technologie" vor, das multifunktionale Generatorsystem Delta und das interaktive Programm-Entwicklungs-Terminal-System Softlab-PET. Beginnt tatsächlich eine neue Software-Generation?

In der Praxis geht alles langsamer, als die Informatik-Wissenschaftler oder Vertriebsstrategen sich Änderungen wünschen. Für viele ist das alles nur alter Wein in neuen Flaschen. Andere verwehren sich gegen die Unterstellung, die Alternative sei nur die "übliche Spaghetti-Programmierung".

Andererseits, wer bereits mit den neuen Methoden arbeitet, ist in der Regel begeistert. Soweit das Ergebnis der vielen Gespräche zu diesem "Thema der Woche". Fünf Leiter von Programmierabteilungen berichten darüber, wie weit sie sich mit den neuen Technologien schon beschäftigen.

Wolfgang Hüttel,

Leiter der Systemprogrammierung, Hamburger Datenverarbeitungs GmbH,

Hamburg

Zwar gibt es in letzter Zeit einige neue Begriffe für Programmierung auf dem Markt - allerdings haben wir uns mit diesen neuen Technologien noch nicht so intensiv beschäftigt, um eine Aussage darüber machen zu können, ob sie für- uns von Interesse sind und inwieweit wir uns einer derzeitigen Entwicklung anpassen sollten.

Wir werden ganz sicherlich ficht "ins kalte Wasser springen". Top Down Design, Chief Programmer Team Konzept - diese Dinge sind zum einen noch zu neu und bringen zum anderen so viele Probleme mit sich. Sollte man sich für eine solche neue Methode entschließen, muß langsam vorgegangen werden, um einen neuen Weg einzuschlagen allein aus Wirtschaftlichkeits-gründen kann derzeit nicht von heute auf morgen die gesamte Programmierung umgestellt werden.

Peter Eichhorn,

Leiter EDV und Org.Linde AG, München

Meine Mitarbeiter und ich sind uns seit längerem darüber im klaren, daß die Programmiertechniken verbessert werden müssen. Ob allerdings die Normierte Programmierung mit Hilfen bis hin zum Generator oder - wie man jetzt neuerdings hört- die Strukturierte Programmierung, das Top Down Design oder das Chief Programmer-Team-Konzept der Weisheit letzter Schluß sind, kann man nicht ohne weiteres beantworten. Die Philosophie der letztgenannten neuen Methoden scheint mir sehr logisch und einleuchtend. Wenn diese Methoden halten, was sie versprechen, dann könnten uns viel Kummer und Schwierigkeiten erspart werden, die durch die Programmierung "ins Blaue" entstanden sind.

Ich glaube nicht, daß obengenannte Schlagworte nur so auf den Markt geworfen werden, ohne daß sich dahinter etwas verbirgt. Der aufgezeigte Weg kann gut sein- ich bin nun, nicht sicher, wie sich diese Konzepte in kleineren Programmierstäben realisieren lassen.

Wir tun in unserem Hause sehr viel, um uns auf diesem Gebiet zu informieren und nehmen jede Gelegenheit wahr, um entsprechende Seminare zu besuchen und uns durch die Fachpublikationen auf dem laufenden zu halten.

Klaus-Dieter Körber,

Leiter der EDV-Abteilung, Butter-Absatz-Zentrale Niedersachsen e. G.,

Hannover

Meiner Meinung nach gibt es das "Chief Programmer Team Konzept" bereits seit einigen Jahren in unserem Haus. Mit der Einführung der Normierten Programmierung gab es Programm-Teams, bei denen auch der Junior-Programmierer mitarbeiten konnte und dessen Teile später integriert wurden. Von einer Revolution auf dem Software-Markt - einer neuen Software-Generation -ist bis jetzt nichts zu spüren. Man sollte mit derartigen Begriffen auch etwas vorsichtiger sein. Gerade in der heutigen Zeit bringt eine radikale Umstellung enorme Personalprobleme, Unkosten und viel Zeitaufwand mit sich.

Meiner Meinung nach sollte man auch diese Entwicklung in Ruhe abwarten, bis sich die ersten Ergebnisse zeigen- auch dann ist immer noch Zeit genug, nachzuziehen. Es wird oft so viel versprochen, und wenn man genau nachhakt, ist nichts dahinter.

Alfred Scarbinowski,

Leiter der Systemprogrammierung, Axel Springer AG, Hamburg

Top Down und Chief Programmer Team Konzept, diese Begriffe sind meiner Meinung nach längst praktizierte Arbeitstechniken, die jetzt nur ganz genau definiert werden. Hinter dem Chief Programmer Team Konzept steckt in den Staaten die IBM, die sich aber heute nicht mehr so stark damit identifiziert. Ein Chief Programmer Team Konzept ergibt sich meist von selbst, wenn man komplexe Verfahren zu realisieren hat und sich fortschrittlicher Organisationsmethoden bedienen will.

Top Down - da kann man genauso gut fragen, warum nicht Bottom Up? Es gibt bestimmte Verfahren, wo es sich anbietet, mit Bottom Up zu arbeiten. Nach unseren Erfahrungen ist es wichtig, das Top Down als Verfahrensraster immer im Hintergrund zu haben. Man sollte sich allerdings davor hüten, als Purist aufzutreten und alle modernen Programmiertechniken allzu wissenschaftlich zu betrachten und nur streng nach den Regeln zu arbeiten.

Die Strukturierte Programmierung nach Nasi-Shneidermann ist eine gute Darstellung von Programmen gegenüber Dritten, die es auch innerhalb eines Teams möglich macht, die einzelnen Arbeitsbereiche exakt zu definieren und abzugrenzen.

Jede der drei Methoden ist - isoliert betrachtet - eine Art Checkliste, die zusammen gesehen eine wirklich gute und straffe Organisation der Programmierung bedeuten. Wenn ich ein Chief Programmer Team habe, dann gehört dazu auch die Strukturierte Programmierung sowie das Top Down-Konzept. Diese drei Begriffe grenzen zudem meiner Meinung nach bestimmte Vorgehensweisen so exakt ein, daß man jedem Neuling ganz klar die Wege zeigen kann, die er zu gehen hat.

Dr. Wolfgang Giere,

Leiter des Rechenzentrums der Deutschen Klinik für Diagnostik, Wiesbaden

Erster Anstoß für unsere derzeit äußerst straffe Organisation waren ein Interview mit Dr. Schnupp und ein Artikel über Struktogramme in der Computerwoche, so im November 74. Heute setzen wir die Strukturierte Programmierung mit Dop Down Konzept konsequent ein das Chief Programmer Team-Konzept wird gerade ausgetestet.

Seit Anfang dieses Jahres gilt eine strikte Einhaltung der Strukturierten Programmierung für die ganze Abteilung. Das bedeutet: Dokumentation ausschließlich vor dem Programmieren und Struktogramme ausschließlich mit den drei klassischen Elementen Do While-Schleife, If und Case. Wir müssen auf diese strenge Einhaltung bestehen, da wir einen Wust von Klein- und Großanlagen haben und jeder kleine Rechner mit völlig unterschiedlicher Struktur programmiert werden muß.

Die Strukturierte Programmierung zusammen mit Top Down - und das ist das Essentielle daran, ermöglicht es zudem, die Logik "abzuhaken" und ständig über den Stand der jeweiligen Programme Auskunft zu bekommen. Dadurch wurden die Kommunikationsschwierigkeiten innerhalb der Produktion weitgehend beseitigt.

Probleme gibt es eigentlich nur noch bei der Einweisung neuer Mitarbeiter, wenn es darum geht, ihnen klarzumachen, wie wir jetzt arbeiten. Unser Team aber hat sich mit dieser Organisation gut abgefunden. Alle sind zufrieden bis auf die, die mit aufgekrempelten Ärmeln im Kernspeicher nach Bits gesucht haben. Die meinen oft, wenn das Programm fertig ist, dann macht man noch schnell die Struktogramme- die alte Leier. Einmal ging das so weit. daß ich sogar mit einer Kündigung drohen mußte.