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21.06.1991 - 

Nach Standardisierung und Dezentralisierung

Neue Softwaregeneration etabliert sich im Unix-Markt

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Unix-Systeme übernehmen inzwischen Aufgaben, für die ein oder mehrere Mainframe-Hosts wenig geeignet erscheinen. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Applikationssoftware, die für die jeweiligen Rechnertypen verfügbar ist. Der folgende Artikel wird zeigen, wohin der Trend geht und welche Applikationen typischerweise zentral oder dezentral ablaufen sollten.

Unix-Systeme gelten als offene Systeme mit hervorragenden Kommunikations- und Integrationsmöglichkeiten der verschiedenen Software-Applikationen. Ein weiterer Pluspunkt sind die Standardisierungsbestrebungen im Bereich der Software für diese Systeme. Als Beispiel seien hier X/Open, OSI, X-Windows und OSF/Motif genannt. Grafische Benutzeroberflächen mit Mausbedienung und Menüsteuerung, sowie Multitasking- und Multiuser-Fähigkeiten, sind weitere Argumente für eine zunehmende Verbreitung.

Schließlich stoßen Unix-Systeme technisch in Leistungsklassen vor, die noch vor wenigen Jahren den Großrechnern vorbehalten waren. Workstations finden durch die Verwendung der RISC-Technologie Eingang in die OLTP-Welt, bisher eine Großrechner-Domäne. Angesichts der Entwicklung des Preis-Leistungs-Verhältnisses werden Unix-Systeme für mittelständische Anwender immer interessanter. Aber auch für Großunternehmen ist Unix auf der zweiten Rechnerebene das geeignete Betriebssystem, weil die Kommunikation selbst über große Entfernungen zwischen den verschiedenen Rechnersystemen durch OSI-konforme Netzwerke kein Problem mehr darstellt. Der Host ist von Aufgaben entlastet. Die Rechnerlast wird verteilt, die am Arbeitsplatz verfügbare Rechnerleistung genutzt. Hinzu kommt die Flexibilität, die heute dazu führt, daß sich der Anwender spezifische Software nach seinen Wünschen mit 4GL-Tools ohne spezifische Programmierkenntnisse gestalten kann.

Anwender sehen in den offenen Systemen neben der "freien" DV-Entscheidung vor allem den Investitionsschutz, denn die meisten Anwendungen sind heute auf andere Hardwareplattformen portierbar. Speziell für diese Hardware mit, einer einheitlichen 4GL-Entwicklungsumgebung geschriebene Programme nutzen die Leistung des technologischen Fortschritts aus, einen großen Verbreitungsgrad haben heute allerdings noch die aus der Großrechnerwelt portierten (Cobol-)Lösungen.

Mit den Abteilungsrechnern begann es, aber erst der Vormarsch der PCs vor zehn Jahren hat die Rolle der Datenverarbeitung im Unternehmen grundlegend verwandelt. Mit dem Vordringen dezentraler DV-Anlagen haben sich die Aufgaben und Anwendungen explosionsartig vermehrt.

Arbeitsplatz-bezogene Aufgaben werden heute am Arbeitsplatz "erledigt". Gleiches gilt für die Abteilung. Geblieben ist ein je nach Unternehmenstyp, struktur und -größe unterschiedlich hoher Prozentsatz an zentralen Aufgaben, die auf einem oder mehreren Host-Rechnern ablaufen.

Einige Jahre hat der Umstellungsprozeß gedauert, die Verantwortung für die DV zu dezentralisieren, zum Beispiel sie teilweise auf Abteilungsebene abzugeben. Ein berechtigter Grund für die zögerliche Entwicklung war zweifelsohne der Datenschutz, aber auch die Verhinderung einer nicht homogenen DV-Landschaft.

Der Prozeß ging einher mit der Umstellung von einer hierarchischen zu einer dezentralen Unternehmensstruktur. Selbst der enorme Leistungszuwachs bei Mainframe-Rechnern konnte daran nichts ändern, der Engpaß lag sicher auch im Personalbereich begründet. Nur Abteilungsrechner und PCs, die relativ schnell in entsprechende Netzwerke eingebunden worden sind, bieten heute die Gewähr für eine rasche Abarbeitung der vielfältigen Aufgaben im technischen und kaufmännischen Bereich.

Der zunehmende Wettbewerbsdruck macht auch vor den Fachabteilungen nicht halt, schnelle "Resultate" sind gefordert. Die Konsequenz hieraus: Die Daten müssen dort erfaßt, verarbeitet und ausgewertet werden können, wo sie anfallen. Alles andere wäre zu aufwendig und zu unflexibel. Diese Forderungen hat sich auch die Software-Industrie zu eigen gemacht: Flexible, anpassungsfähige Standardsoftware wurde entwickelt.

Die Herausforderungen für die DV-Abteilung liegen heute in der Organisation eines geregelten Datenflusses und der Datenintegration bei zunehmend verteilter Datenhaltung und -verarbeitung (Front-end-/Back-end-Prozesse). Noch wichtiger ist das schlüssige und alle Teilbereiche des Unternehmens einschließende DV-Konzept. Unternehmensweite, globale Informationssysteme (MIS) lösen die in vielen Jahren gewachsenen funktionalen DV-Systeme an höchster Stelle nach und nach ab.

Die Einbeziehung sämtlicher Hardware im Unternehmen wird zu einem elementaren Thema in wirtschaftlicher Hinsicht. Softwareprodukte, die zum Beispiel Client-Server-Architekturen unterstützen, werden speziell hierfür entwickelt.

Ein State-of-the-art-Produkt läßt sich folgendermaßen charakterisieren:

- komfortable Benutzeroberfläche mit Window-Technik,

- frei wählbare Datenbanken (hierarchisch, relational)

- vollständige (schnittstellenfreie) Integration,

- optimale Nutzung moderner Hardwaretechnologie und offene, übergreifende Systemkonzepte (Client-Server-Architekturen),

- flexible, wirtschaftliche kundenspezifische Erweiterungen mit 4GL-Entwicklungsumgebung),

- Standards (X/Open, X-Windows, OSF/Motif), sowie

- Internationalität und Mehrsprachigkeit (Europa '92).

Von dieser Gattung gibt es heute nur wenige Produkte am Markt. Aber die neue Generation flexibler Standardsoftware beginnt sich zu etablieren.

Die Entwicklung des PPS-System zeigt, daß die erste Generation aus firmeneigenen Individuallösungen bestand. In der nächsten Generation überwog das Standardprodukt in Cobol, für einen Fertigungstyp geschrieben, wenig flexibel und kaum vollständig. Kundenanpassungen mußten aufwendig individuell nachprogrammiert werden. Dann folgte Standardsoftware, die innerhalb bestimmter Grenzen über Parametertabellen einstellbar war und auf 3GL-Werkzeugen basierte.

Unix-PPS-Software der neuesten Generation zeichnet sich durch große Flexibilität, hohe Funktionalität und modularen Aufbau aus - vom PPS - zum CIM-Gesamtsystem durch Integration wesentlicher Komponenten wie Betriebsdatenerfassung, Leitstand, Lagersteuerung, Personalzeitwirtschaft, Lohn und Gehalt, CAD/CAM, CAQ, Bürokommunikation. Wesentliche Eigenschaften des State-of-the-art-Produktes sind berücksichtigt.

Im Sinne einer modernen, arbeitsteiligen Welt übernimmt jedes DV-System die Aufgaben, die es effektiv erledigen kann. Das kann natürlich auch die subjektive Meinung der Verantwortlichen sein. Typische Mainframe-Anwendungen werden auch in Zukunft Finanzbuchhaltung, Anlagenbuchhaltung, Lohn- und Gehaltsabrechnung und andere eher kaufmännischverwaltend orientierte Funktionen mit der Abarbeitung entsprechend großer Datenvolumen bleiben.

Unix und das Mainframe-Betriebssystem sind keine Gegensätze, die sich ausschließen, sondern ergänzen sich. Es erstaunt nicht, daß gerade dort dezentrale Datenverarbeitung häufiger anzutreffen ist, wo Manager mit Profitcenter-Verantwortung (zum Beispiel als Betriebsleiter) tätig sind, nämlich im Bereich der Betriebsstätten eines Unternehmens. Manager wollen und müssen ständig über das Betriebsgeschehen informiert sein.

Nur wenn ständig BDE-Rückmeldungen über den Arbeitsfortschritt eines Auftrages Auskunft geben und der Meister am grafischen Leitstand durch wenige Maus-Klicks eine Ein- oder Umplanung des Auftrages auf eine andere Maschine vornimmt, funktioniert die Produktion effektiv.

Diese Daten werden dann an das übergeordnete PPS-System zurückgemeldet. MRP-Läufe erfolgen nach festgelegten Zeitabläufen, wobei jeweils nur die Änderungen Berücksichtigung finden (Net Change Closed Loop). Alle Informationen stehen jedem Anwender, vom Verkauf bis zum Einkauf, von der Produktion bis zum Finanz- und Rechnungswesen, in einem Unix-Informationssystem zeitgleich zur Verfügung.

Transparenz, hohe Wirtschaftlichkeit in Produktion und Logistik und die bisher nicht gekannte Möglichkeit, sich den ändernden Marktbedürfnissen schnell anzupassen, summieren sich zum entscheidenden Wettbewerbsvorsprung für das Unternehmen.

Warum gerade Unix?

Unix hat sich in den letzten Jahren vom wissenschaftlichen Betriebssystem zum Betriebssystem Nummer eins für Standardanwendungen entwickelt. Hochschulabsolventen, die mit diesem vollständig in der Programmiersprache C geschriebenen Betriebssystem großgeworden sind, setzen in ihrer täglichen DV-Praxis das Wissen gezielt für kaufmännisch-betriebswirtschaftliche und technische Applikationen ein. Und die Zahl der Anwendungen für dieses Betriebssystem wächst. Der verstärkte Trend zu Unix-Systemen spiegelt den Drang der Unternehmen nach Unabhängigkeit vom Hardwarehersteller wider, insbesondere von den Beschränkungen durch inkompatible Systemwelten. Die relative Freiheit in der Wahl des Systemhauses kann ein weiteres Kriterium sein.