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18.07.1986

Neue Standards braucht die DV-Welt

Gravierende technologische Veränderungen charakterisieren die Hardwareentwicklung der letzten 15 Jahre. Im Softwarebereich scheint der Fortschritt vergleichsweise zu stagnieren: Der Standardisierungsgedanke findet in der Praxis nur wenig Niederschlag, und der Dschungel der verschiedenen Programmiersprachen ist undurchdringlich wie eh und je.

In der SW-Entwicklung gibt es heute eine Vielzahl von Möglichkeiten. Für nahezu jedes System bieten die Hersteller eine garantiert eigene und nicht übertragbare Lösung an. Standards sind äußerst dünn gesät. Im Bereich der Programmiersprachen hat Cobol hier eine Art Vorreiterrolle übernommen.

Die Marktverbreitung der Homecomputer ebnete Basic den Weg aus dem heimischen Wohnzimmer über den PC bis zum Einsatz auf dem Großrechner.

Die Verbreitung von PL/1 folgt in der Bundesrepublik Deutschland einer Nord-Süd-Schiene. In einem Teil des Landes wird die Sprache favorisiert, im anderen scheint sie nahezu verpönt. Charakteristisch für die Sprachstruktur ist, daß sie nicht von einem System auf ein anderes übertragen werden kann; auch kleinere Änderungen helfen diesem Umstand kaum ab.

Zu nennen wäre auch noch RPG. Manche Hersteller bieten drei verschiedene Versionen an, und jede Art ist an ein bestimmtes Hardwaresystem gebunden. Dazu kommt, daß die Hersteller unterschiedliche Definitionen und damit verbunden auch eigene Generatoren zur Übersetzung verwenden.

Immer mehr Anwender haben nicht genug qualifiziertes Personal, um ihre SW-Entwicklungsvorhaben voll durchführen zu können. Bei Betriebssystemwechsel, DB-Einführungen und Dialoganwendungen kann oft nur noch der laufende Änderungsdienst wahrgenommen werden.

Softwarehäuser bieten auch keine Alternativlösungen an. Teilweise werden hier Applikationen mit selbst erstellten Overhead-Teilen gestrickt. Diese Systeme sind manchmal so aufwendig, daß nur Hardware-Power die nötige Rationalisierung bringt. Als Problem bleibt bestehen, wer bei Systemwechsel oder Betriebssystemänderungen für die Lauffähigkeit der Neu-Implementierung verantwortlich ist.

Die Hersteller sorgen ebenfalls dafür, daß Programmierer teilweise mit den Änderungen der Änderungen beschäftigt werden müssen: Ständiger Wechsel der Betriebssystem-Releases, ergänzende technische Software für Datenbanksteuerungen oder auch Job-Controlling-Software garantieren, daß Implementierungen laufend angepaßt werden müssen. Ein Ausweg aus dieser Situation scheint nur möglich, wenn die Anwender endlich wach werden und klare Forderungen stellen.

Die verschiedenen User-Groups sollten genau formulieren, was sie vom Hersteller erwarten und sich nicht nur mit Versprechungen abspeisen lassen: So müßten beispielsweise auch SW-Tools zum Lieferprogramm von Lizenzsoftware gehören. Betriebssystemversionen sollten nicht dazu dienen, Anwenderprobleme zu lösen, sondern das System optional nutzbar machen. Ferner werden Übersetzer benötigt, die eine klar strukturierte und genormte Erstellung von Softwareapplikationen ermöglichen. Wichtig wäre hier auch eine weitgehende Herstellerneutralität. Hier ist die DV-/Industrie gefordert, Farbe zu bekennen und neue Meilensteine zu setzen.

Standardisierung in der Herstellung zeichnet sich als zentrales Problem für Softwarelösungen ab. Nur der Anbieter, der sich dieser Aufgabe stellt, wird auch weiterhin seine Nase vorne haben. Die Zeit, da auch Individualisten Chancen in der Datenverarbeitung hatten, ist bald vorbei. Es müssen neue Regeln und Normen geschaffen werden, um technologischen Wandel genauso rationell zu vollziehen, wie die Hersteller es vom Anwender beim Hardwarewechsel fordern.

Neue, herstellerunabhängige Programmiersprachen sind das Postulat dieser DV-Ära. Basis-Softwareentwicklungen, die sich auf verschiedenen Hardwaresystemen einsetzen lassen, haben im Markt eine große Chance. Nur: Sie fehlen noch.