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11.04.1975

Neue Systeme erobern neue Anwendungen

Minicomputer erobern mit dramatischer Schnelligkeit Anwendungs-Lösungen im kommerziellen Bereich. Der steigende Kostendruck in den EDV-Abteilungen zwingt zum Einsatz von kostengünstigeren Computersystemen. Diesen Trend erfüllen Minicomputer durch ständige Leistungssteigerung bei fallendem Preisniveau. Das bisher größte Hindernis für den kommerziellen Einsatz der "Minis" waren bis vor nicht allzulanger Zeit - in USA und Deutschland gleichermaßen - nicht ausreichender Software- und Service-Support der Hersteller. Heute weisen Mini-Anwender und -Hersteller erstaunliche Ergebnisse vor. Komplette Datenbank-Lösungen im Online-Bildschirm-Betrieb, realisiert mit Hardware zum Kaufpreis von etwa 200 000 Mark, können neben vielen anderen "kostensparenden" Beispielen genannt werden. Minicomputer sparen nicht nur Geld sondern erschließen vielfach neue Anwendungen in Unternehmensbereichen, in denen der Einsatz "herkömmlicher Computer-Systeme" noch nicht sinnvoll erscheint. Diese in Deutschland gerade beginnende Entwicklung sollte von Anwendern mit besonderer Beachtung verfolgt werden. Die Redaktion der Computerwoche wird daher den Themenkreis Minicomputer ab dieser Ausgabe in eigener Rubrik behandeln.

Das Profil eines "Minis"

Es besteht Uneinigkeit bei Anwendern als auch bei Herstellern über die Definition eines Minicomputers. Selbst in Amerika streiten sich Experten, ob jeder Computer (ohne Peripherie) unter 50 000 Dollar Kaufpreis als Mini heißen oder ob Rechner zwischen 25 000 bis 50 000 Dollar Kaufpreis sogar die Bezeichnung "Midicomputer" tragen dürfen. Sogenannte "Computer-on-the-chip", "Mikrocomputer" genannt, sind teilweise für unter 1000 Dollar zu haben.

Für die Definition eines "typischen Minicomputers" gibt es genügend Anhaltspunkte:

Der Mini ist ein 16-Bit-parallel-Binärrechner (7-Bit-, 12-Bit-, 18-Bit-, 24-Bit- und 32-Bit-Rechner zählen ebenso dazu), integrierte Schaltkreise, 19-Zoll Einbaumaße, Gewicht unter 30 Kilo. Leistungsverbrauch unter 500 Watt, keine Klimaanlage, 4 K bis 32 K Kern- oder Halbleiterspeicher mit 0,8 bis 1,5 Ás Zykluszeit sind gemeinsame Merkmale.

Das Befehlsformat besteht meistens aus einer Ein-Adressen-Struktur mit Akkumulatoren, Indexregistern und verschiedenartigen indirekten Adressierungsmethoden. Ein Additionsbefehl für einen 16-Bit-Operanden wird in durchschnittlich 1 bis 3 Ás ausgeführt, Multiplikationen und Divisionen sowie Netzausfall-Schutz und Echtzeituhr (Realtimeclock), müssen extra bezahlt werden. Gleitkomma-Arithmetik erfordert zusätzliche Software-Routinen.

Ein/Ausgabe-Operationen für hohe Geschwindigkeiten (bis zu 1 Million Wörter pro Sekunde) steuert ein "Direct Memory Access"-Kanal (DMA), ein besonderer Speicherzyklus für schnelle Peripherie. Zu den gebräuchlichsten Systemgeräten zählen Konsolschreibmaschine (Teletype), Platten- und Bandeinheiten, Lochkarten/Streifengeräte, Zeilendrucker sowie Anschlüsse für Datenübertragung und Prozeßdatenerfassung.

Mini-Hersteller liefern Assembler, Fortran/Basic-Compiler, Operating System Real-Time-Monitor und allgemein verwendbare Standard-Routinen. Eine Minimalkonfiguration mit 4 K Kernspeicher ohne Peripherie wird für unter 20 000 Mark angeboten. Verglichen mit herkömmlichem Standard bietet ein solches Leistungspaket, "Computer-Power" zu relativ niedrigem Preis.

MDT und Mini

Nach oben scheint der "Mini" leicht abgrenzbar, verglichen mit einem "MDT-Computer" verschwimmen die Unterschiede. Gerade neueste Systemankündigungen von Nixdorf (Systemfamilie 88), aber auch Modelle von Triumph-Adler (TA 2000) zeigen deutliche Annäherung an Minicomputer-Konzepte.

Kleine, schnelle Zentraleinheiten, Bildschirm-Dialog-Fähigkeit bei gleichzeitigem Zugriff mehrerer Arbeitsplätze auf gemeinsame Datenbestände (Magnetplatte oder Floppy-Disk) zeigen, daß meist Minicomputer-Technologie im MDT-System steckt.

Minicomputer-Hersteller bieten so gut wie keine Anwendungsunterstützung, sondern wollen meist leistungsfähige "Hardware- und Software-Werkzeuge" an genügend erfahrene Großanwender oder Systemhäuser verkaufen, die selbst programmieren sollen. Die besonderen Anwendervorteile ergeben sich aus einem äußerst günstigen Preisleistungsverhältnis bei Realisierung komplexer Lösungen.

MDT-Hersteller hingegen versorgen ihre Kunden mit maximaler Unterstützung:

Standard-Lösungen für die unterschiedlichsten Anwendungen. Der Benutzer soll möglichst nicht programmieren, erfahrenes EDV-Personal ist nicht erforderlich. Auf diese Weise bieten MDT-Hersteller Klein- und Mittelbetrieben die Nutzung von Computerleistung, die sofort nach Installation genutzt werden kann. Dafür zahlen Anwender einen etwas höheren Preis.

Wo sind Minis installiert?

Derzeit im Einsatz stehende Minicomputer sind zum größten Teil In der industriellen Prozeßverarbeitung oder im technisch-wissenschaftlichen Bereich zu finden. Hier entstand eigentlich der Mini.

Der Mini-Boom startete zur Zeit, als mit Hilfe der fortgeschrittenen Halbleiter- und Speichertechnologien kostengünstige Computer konstruiert und gefertigt werden konnten, die herkömmliche elektronische Steuerungen ersetzten. Die Flexibilität programmierbarer Rechner war ein zusätzlich sehr willkommener Vorteil.

Innerhalb der letzten fünf Jahre stieg die Leistungsfähigkeit der Minicomputer stetig, während die Kosten in fast gleicher Weise fielen. So erschlossen diese kleinen wirtschaftlichen und erstaunlich schnellen Computer von Jahr zu Jahr neue Anwendungen.

Amerikanische Marktforscher haben herausgefunden, daß kommerzielle Anwendungen mit Minicomputern das weitaus größte Marktpotential darstellen. Theoretisch müßten Minis ideale Lösungen für die Datenverarbeitungs-Bedürfnisse vieler Klein- und Mittelbetriebe bieten. Auch Fachabteilungen der Groß-EDV-Benutzer könnten dezentral mit Computerleistung versorgt werden.

Deutsche Computerhersteller, wie Nixdorf, Kienzle oder Triumph Adler sahen diese Entwicklung bereits voraus. Buchhaltungsautomaten und Magnetkontencomputer waren Vorgänger der heutigen "Generation von MDT-Systemen", die dem Leistungsvergleich amerikanischer Minicomputer durch aus Stand zu halten vermögen.

In dieser Tatsache liegt begründet daß Anwender in Deutschland ihre Liebe zum Minicomputer für kommerziellen Einsatz noch nicht gefunden haben.