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22.06.1984 - 

Heutige Anwendungen basieren auf Uralt-Technologie:

Neue Systeme müssen aus einem Guß sein

BREMEN - Trotz günstiger Entwicklung der Kosten/Leistungsrelation bei der Hardware wachsen die EDV-Budgets weiter. Dennoch sind Verbesserungen der DV-Unterstützung auch nicht annähernd in Sicht. Verzicht auf überalterte Systeme, Einsatz neuester Technologien sowie Standards auf möglichst breiter Basis schlägt Jürgen Kwiatkowski, Direktor bei der Sparkasse Bremen und zuständig für Organisation Datenverarbeitung Betriebstechnik, Zahlungsverkehr und Verwaltung als möglichen Ausweg vor.

DV-Anwendungssysteme der Kreditinstitute waren stets Veränderungen unterworfen. Derzeit massieren sich jedoch die Anforderungen aufgrund neuer Technologien: So gewinnt in zunehmendem Maße die Kundenselbstbedienung an Bedeutung. Sie fordert die Installation von Bargeldautomaten, Kontoauszugsdruckern und Abfragestationen, die durch die Software bedient werden müssen. Automatische Kassentresore (AKT) sind dabei in die Systeme einzubeziehen.

Der Btx-Computerverbund der Deutschen Bundespost eröffnet das Homebanking im Privatkundengeschäft und begünstigt neue Anwendungen wie das Cash-Management-System im Firmengeschäft. Die Einführung des PoS-Systems (Point of Sale) wird Realität, und mit ihm sind die Probleme der Autorisierung zu lösen.

Das ISDN (Integrated Services Digital Network) der Deutschen Bundespost und LAN (Local Area Network) im Zusammenwirken mit Personal Computern und multifunktionalen Terminals ermöglichen das Zusammenwirken von Datenverarbeitungs-, Textverarbeitungs-, Kommunikations- und allgemeinen Bürosystemen und bewirken den Übergang von der heute vorherrschenden Verrichtungsorientierung zur verstärkten Vorgangsorientierung der Aufbau-und Ablauforganisation.

Straffere Planung

Informations- oder Benutzerzentrum IDV (Individuelle Datenverarbeitung), endbenutzerorientierte Datenverarbeitung, Programmiersprachen der vierten Generation, endbenutzerorientierte Programmierung, grafische Datenverarbeitung, Personal Computer, Time-Sharing-Systeme und öffentliche Datenbanksysteme sind weitere Stichworte, die gegenwärtige und künftige Veränderungen im Bereich der DV-Landschaft signalisieren.

Für die Anforderungen an die Datenverarbeitungssysteme ist neben diesen sich ausbreitenden Technologien der bereits vorhandene Anwendungsrückstau von Bedeutung.

Bei einem weitgehend verteilten Markt wurden von den einzelnen Kreditinstituten in den letzten Jahren stets neue Produkte und Produktvarianten kreiert, um Marktanteile auszuweiten oder wenigstens zu halten. Straffere Planung, Steuerung und Kontrolle in den Unternehmen bedurften zusätzlicher DV-Unterstützung. Rationalisierungszwänge erforderten eine Ausweitung und Verbesserung der DV-Anwendungen. Forderungen des Gesetzgebers, der Ämter und Verbände taten ihr übriges.

Heute überholte Technologie

So wurde der Anwendungsrückstau in den letzten Jahren trotz emsigen Wirkens der Organisatoren und Programmierer stets größer. Denn diese Änderungen, Ergänzungen und Erweiterungen waren in Anwendungssystemen zu realisieren, welche in ein bis zwei Dekaden "organisch gewachsen" waren. Die Anwendungssysteme gehen in ihrem Ursprung auf heute überholte Hard- und Softwaretechnologien zurück und sind unzureichend strukturiert. Jede Veränderung an solchen Anwendungssystemen muß aufwendig sein und das umso mehr, wenn jene Fachkräfte nicht zur Verfügung stehen, welche die jeweiligen Urheber dieser Systeme sind.

Die neuen Anwendungssysteme sollen aus einem Guß sein, klare Strukturierung und umfassende, übersichtliche Dokumentation bieten, sowohl den Gesamtüberblick als auch Einsicht ins Detail sowie eine zügige und kostensparende Wartung und Weiterentwicklung der Systeme gewährleisten. Selbststeuerung und Selbstkontrolle haben einen reibungslosen, wirtschaftlichen und kontrollierten Einsatz im Rechenzentrum sicher zu stellen. Datenspeicherung und Datenadministration sollen eine Durchsatzerhöhung bei operativer Massenverarbeitung und eine Handlingsoptimierung bei endbenutzer- und entscheidungsorientierter Datenverarbeitung zulassen.

Die Möglichkeiten heutiger Hardware, wie außerordentliche Speichergrößen und Performancewerte, sind für eine Entlastung beim Programmieraufwand und für neue effiziente Lösungswege zu nutzen. Das Distributed Data-Processing kann eine weitgehende Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit der Systeme in den einzelnen Organisationseinheiten gewährleisten. Seit Jahren mitgetragener Ballast ist zu eliminieren.

Die Überleitung von der gegenwärtigen Verrichtungsorientierung zur künftigen Vorgangsorientierung in den Fachabteilungen muß begünstigt werden. Vorteile, die heutige Systeme bieten, wie die umfassende Abdeckung aller wesentlichen Geschäftssparten, verzögerungsfreie Dialogverarbeitung und sichere Restartmethoden, müssen natürlich erhalten bleiben.

Wenn viele Kreditinstitute den Weg zu einem neuen Anwendungssystem zu gehen bereit sind, wäre es eine Vergeudung volkswirtschaftlicher Ressourcen, falls es zu einer Vielzahl isolierter Entwicklung käme. Die für große Gruppen von Kreditinstituten einheitlichen Aufgaben sollten definiert werden, um dann ein einheitliches Basis-Anwendungssystem zentral zu konzipieren und zu realisieren. Warum sollte es nicht möglich sein, die Datenspeicherung und Datenadministration die Netzadministration der Datenfernverarbeitung sowie Anwendungen, beispielsweise die Zinsrechnung, die Depotbuchhaltung, den Dauerauftragsdienst, die Disposition oder die Obligoabfrage, mit einheitlichen Programmen zu steuern?

Unabhängig bei der Peripherie

Damit eine zentrale Wartbarkeit eines solchen Systems gewährleistet werden kann, obwohl jeder Anwender seine unternehmensspezifischen Anforderungen selbst programmiert, müßten Softwareschnittstellen angeboten werden, welche die komfortable Anbindung von solchen individuellen Modifikationen und Ergänzungen ermöglichen. Basis-System und institutsspezifische Ergänzungen wären nach denselben Richtlinien und mit denselben Methoden zu erstellen. Das Basis-System müßte im übrigen durch Parametrisierung bereits für unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten auf der Grundlage von Konstanten und Funktionsparametern geeignet sein.

Weiteres Kriterium stellen Hardwareschnittstellen dar, die Software und damit den Anwender bezüglich der Anschlußgeräte herstellerunabhängig machen können. Wäre ein Anwendungssystem außerdem auf Anlagen verschiedener Mainframer einsetzbar, ergäbe das einen nicht unbeträchtlichen zusätzlichen Vorteil.

Pflege bindet Mitarbeiter

Entscheidet sich ein einzelnes Kreditinstitut, ein Verbands-Rechenzentrum oder eine Buchungszentrale zur Entwicklung eines neuen individuellen DV-Anwendungssystems, so wäre ein zügiger Start der Aufgabenlösung möglich. Zudem könnte eine Einzelentwicklung auf effiziente Datenbanksysteme, Transaktionsmonitore und ähnliche Standardsoftware zurückgreifen. Der verbleibende, selbst zu realisierende Teil ergibt jedoch eine umfangreiche Angelegenheit.

Eine Realisierung kann oft daran scheitern daß man keine quantitativ und qualitativ ausreichend starke Entwicklungsgruppe aufzustellen vermag, da die Pflege der unübersichtlichen Altsysteme zu viele Mitarbeiter bindet. Die in den Kreditinstituten verfügbaren DV-Kräfte würden gerade ausreichen, auf der Grundlage von umfassenden Basis-Anwendungssystemen die notwendigen institutsspezifischen Anpassungen, Ergänzungen und Erweiterungen zu realisieren und zu warten.

Selbst im Zusammenhang mit Benutzerzentren der IDV ließe sich beim Einsatz von Basis-Anwendungssystemen nicht mehr als der Abbau des Anwendungsrückstaus erwarten. Die DV-Fachkräfte der Kreditinstitute brauchen um ihre Arbeitsplätze wahrlich nicht zu bangen.

Basis-Anwendungssysteme sollten somit dem Bedürfnis vieler Kreditinstitute entsprechen. Sie sind nicht nur die wirtschaftlichste Lösung, sondern zum Teil die Voraussetzung dafür, die aufwendigen Altsysteme ablösen zu können. Mainframer, Softwarehäuser, Verbände und Universitäten sind aufgerufen, ihren Beitrag zu leisten.