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24.10.2003 - 

Koehler AG fährt R/3 auf 64-Bit-Windows-Server

Neue Technik auch für den Mittelstand

Als eines der ersten Unternehmen in Deutschland ist der Spezialpapierhersteller August Koehler AG aus dem badischen Oberkirch beim jüngsten SAP-Release-Wechsel auf die neue 64-Bit-Version von Windows Server 2003 migriert. Mit dem Projekt hat das Unternehmen die Basis geschaffen, auf der es seine IT-Strategie über die kommenden Jahre umsetzen will.Von Jan Schulze und Wolfgang Miedl*

Im Rahmen des Wechsels von SAP R/3 4.6c auf die Enterprise-Version 4.7 übernahm Koehler kürzlich das 64-Bit-Windows in den produktiven Betrieb. Das System dient als Grundlage für die SAP-Zentralinstanz und die Datenbank. "Für den Einsatz von 64-Bit-Windows gab es verschiedene Gründe", erläutert Alexander Fischer, Teamleiter IT-Basis des Unternehmens. Zum einen sei die Datenbank auf Windows 2000 an ihre Leistungsgrenze gelangt. Die unter dem 32-Bit-Betriebssystem bestehende Grenze von 4 GB Hauptspeicher habe sich zunehmend als Flaschenhals erwiesen. Von einer 64-Bit-Umgebung versprach sich Köhler deshalb einen deutlichen Leistungszuwachs.

Auch die SAP-R/3-Implementierung des Unternehmens konnte kaum mehr mit den Anforderungen mithalten. Die Mitarbeiter empfanden die langen Antwortzeiten des Systems häufig als nicht mehr akzeptabel. Auch hier sollte durch eine Umstellung auf das 64-Bit-Windows die Leistungsfähigkeit verbessert werden.

Die Entscheidung für Windows liegt bei der Papierfabrik in der grundsätzlichen IT-Strategie verankert. Das Microsoft-Betriebssystem ist als Standard für alle Server und Clients gesetzt, damit die IT-Infrastruktur möglichst einheitlich bleibt: "Wir haben im Haus keine Softwareentwickler", beschreibt Fischer die Situation. "Deswegen versuchen wir, unsere IT so weit wie möglich mit Standardprodukten zu betreiben." Da sich die 14 IT-Mitarbeiter der Koehler AG mit Windows sehr gut auskennen, lag die Entscheidung für das Betriebssystem aus Fischers Sicht nahe. Bruno Schwelling, Chief Financial Officer des Unternehmens, sieht das ähnlich: "Wenn wir viel Unix-Know-how im Haus hätten, wäre die Windows-Strategie kaum sinnvoll."

Dell scheiterte an der Vier-Prozessoren-Hürde

Das Projekt begann Anfang 2003 mit intensiven Gesprächen zwischen Koehler, SAP und Microsoft. Sie waren notwendig, weil es weder für 64-Bit-Windows noch für das R/3-Release 4.7 auf dieser Plattform eine breite Installationsbasis gab. In Sachen Server- und Storage-Hardware entschied sich Koehler für Hewlett-Packard. "Eigentlich hatten wir Dell im Auge", erinnert sich Fischer. "Allerdings konnte uns Dell nur Zwei-Wege-Maschinen anbieten. Das hätte zwar im Moment vollauf gereicht, doch wegen der besseren Skalierbarkeit wollten wir eine Hardware, die auch mit vier Prozessoren bestückt werden kann."

Gleichzeitig mit der Einführung des neuen Betriebssystems und des aktuellen SAP-Release wollte das Unternehmen zwei Arbeitserleichterungen für IT-Abteilung und Fachbereiche realisieren, mit denen es schon längere Zeit liebäugelte: Die zentrale Benutzerverwaltung des Verzeichnisdienstes "Active Directory" sollte mit dem Modul HR (Human Resources) von SAP gekoppelt werden. Bisher erforderte jeder neue Mitarbeiter IT-seitig zwei Maßnahmen: Die Personalabteilung musste einen Datensatz im SAP-System anlegen, die notwendigen Berechtigungen für die Systeme vergab die IT-Abteilung über den Verzeichnisdienst. Künftig sollte es hingegen möglich sein, aus den Mitarbeiterdaten im SAP-Modul automatisch die Rechte im Active Directory zu erzeugen.

Um den Benutzern die Arbeit noch mehr zu erleichtern, planten die Projektverantwortlichen gleichzeitig die Installation einer Single-Sign-on-Lösung: Anstatt sich an seinem Windows-PC und beim SAP-System separat anmelden zu müssen, sollten sich die Mitarbeiter jetzt nur noch ein Passwort zu merken brauchen. "In unserem Intranet, das alle Firmenstandorte miteinander verbindet, hatten wir bereits ein Single-Sign-on; die Mitarbeiter waren diesen Komfort gewöhnt und wollten das nun natürlich auch bei ihren normalen Anwendungen", beschreibt Fischer die Ausgangslage.

Das neue R/3-Release sorgte für Probleme

Im August dieses Jahres ging das Projekt in die heiße Phase: Nachdem die Hardware geliefert war, traten allerdings Probleme auf, die den Zeitplan in Gefahr brachten. Zum einen sei der Code der SAP-Software noch fehlerbehaftet gewesen, berichtet Karl Haas, Datenbankspezialist bei Koehler und verantwortlich für die technische Realisierung des Projekts: "Das aktuelle R/3-Release für Windows 2003 64 Bit ist noch recht neu. Da können noch nicht sämtliche möglichen Update- und Patch-Stände getestet sein, die in der Praxis anzutreffen sind." In der Konstellation der Koehler AG wollte das Einspielen der neuen R/3-Version nicht auf Anhieb funktionieren. Mit Hilfe von Workarounds gelang es SAP jedoch, die Software der Situation anzupassen. Danach lief der Release-Wechsel auf den Testsystemen reibungslos.

Ein weiteres, schwerwiegendes Problem verband sich mit dem neuen Storage-System von Hewlett-Packard. Im Testbetrieb mit Windows 2000 zeigte es hervorragende Datendurchsätze, so Haas; im Einsatz mit dem neuen 64-Bit-Windows allerdings ging die Leistung drastisch zurück. "Auch hier lag das Problem in der Neuheit des Betriebssystems", erläutert Haas. Ärger bereitete der Treiber für den Fibre-Channel-Controller des Speichersystems. Doch hier gelang es dem Hersteller ebenfalls, zügig Abhilfe zu schaffen.

"Der Umstieg auf 64-Bit-Windows stand auf der Kippe", räumt Haas ein. "Der Wechsel zu SAP 4.7 hatte absolute Priorität; im Zweifelsfall hätten wir eben mit der 32-Bit-Hardware weitergearbeitet."

Auf keinen Fall konnte Koehler einen längeren Systemausfall riskieren, erklärt IT-Teamleiter Fischer: "Eines unserer Hauptprodukte ist selbst durchschreibendes Papier. Das kann man nicht einfach irgendwo auf den Boden stellen. Vielmehr müssen die Rollen hängend gelagert werden, sonst schwärzt sich das Papier durch sein Eigengewicht in Sekundenbruchteilen." Ließe sich das Papier wegen eines Systemausfalls nicht weiter verarbeiten, wären also die Lagermöglichkeiten schnell ausgeschöpft, und in der Produktion müssten die Maschinen abgeschaltet werden.

Keine Angst vor Kinderkrankheiten

Trotz der Startschwierigkeiten wurde der Zeitplan eingehalten: Am 4. Oktober wechselte das System vom Testbetrieb in den produktiven Status. Und die IT-Verantwortlichen bei Koehler sind mit dem Ergebnis zufrieden: Das Unternehmen sei immer bereit, neue Technologien und Produkte zu evaluieren und lasse sich von den aufgetretenen Kinderkrankheiten auch nicht schrecken.

Vom wirtschaftlichen Nutzen der frühen Technologieeinführung sind sowohl Fischer als auch Finanzchef Schwelling nach wie vor überzeugt. Die Engpässe bei Datenbank und SAP-Zentralinstanz seien nur über eine 64-Bit-Hardware lösbar gewesen seien. Deshalb habe über kurz oder lang kein Weg an der Ablösung von Windows 2000 vorbeigeführt.

Zudem ist es mit Hilfe der neuen Windows-Version möglich, eine homogene Landschaft aufzubauen, ohne flächendeckend 64-Bit-Hardware einzuführen. "Das Betriebssystem gibt es sowohl für 32-Bit-Plattformen als auch in der 64-Bit-Version", erläutert Fischer. "Nun können wir mit einem Betriebssystem beide Plattformen betreiben." Die Mehrkosten einer 64-Bit-Hardware gegenüber der 32-Bit-Welt beliefen sich auf rund 20 Prozent. Systeme, die auf 32-Bit-Hardware eine ausreichende Performance zeigen, will Koehler deshalb weiterhin auf der günstigeren Plattform betreiben. Die ausgetauschte Hardware soll an anderer Stelle mit dem neuen Betriebssystem eingesetzt werden.

Innerhalb von zwei Jahren soll es sich lohnen

Schwelling stellt das aktuelle Projekt in einen größeren Zusammenhang: "Wir haben im Unternehmen eine Art Masterplan, der für alle Fachbereiche definiert, wie Koehler bis 2005 aufgestellt sein soll. In der IT gehört dazu, dass wir eine einheitliche Plattform schaffen und jedem Geschäftsprozess genau eine Anwendung zugeordnet ist." Heterogene Betriebssystem-Welten und redundante Applikationen sollen also der Vergangenheit angehören. Die homogenen Systeme werden, so hofft der Finanzexperte, die Administration deutlich erleichtern. Auch aus diesem Grund rechnet er bei diesem Projekt mit einer Rentabilität in weniger als zwei Jahren.

Neben der besseren Administrierbarkeit soll die jetzt geschaffene Umgebung das Fundament für die mittelfristige Weiterentwicklung bilden: "Wir wollen so wenig offene Baustellen wie möglich haben", erläutert Schwelling. Deswegen habe das Unternehmen für den Mission-critical-Bereich jetzt eine Basis geschaffen, an die in den kommenden Jahren nicht mehr Hand angelegt werden müsse.

Die IT-Mitarbeiter können sich nun voll auf geplante Folgeprojekte konzentrieren. In der Pipeline stehen zum Beispiel die Einführung eines Unternehmensportals, einer Plattform für die Enterprise Application Integration (EAI) und eines konzernweiten Berichtswesens mit SAP Business Warehouse.

"Neue Technologien sind auch für mittelständische Unternehmen wie uns bezahlbar", so Schwellings Überzeugung. Schließlich helfe die IT ihrerseits, die Kosten des Betriebs zu senken. "Wir haben zum Beispiel durch moderne Anwendungen heute genau so viele Mitarbeiter in der allgemeinen Verwaltung wie vor 20 Jahren, obwohl sich in dieser Zeit unser Umsatz vervielfacht hat", rechnet der Finanzchef vor. Zudem verbessern nach seiner Erfahrung modernste Arbeitsplätze die Motivation der Mitarbeiter, was sich in höherer Produktivität widerspiegle: "Das ist besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wichtig, um das Wir-Gefühl im Unternehmen zu erhalten." (qua).

*Jan Schulze und Wolfgang Miedl sind freie Journalisten in Erding.

Projektsteckbrief

Unternehmen: Hersteller von Selbstdurchschreibe- und Spezialpapieren mit 1800 Mitarbeitern.

Ziel: Neben der Steigerung der Systemleistung eine homogene IT-Infrastruktur.

Projektumfang: Umstellung von 32- auf 64-Bit-Server-Plattform.

Herausforderung: Der Umstieg durfte zu keinem Zeitpunkt die laufende Papierproduktion gefährden; alte Hardware sollte weiterverwendet werden.

Zeitrahmen: Erste Planungen Anfang 2003.

Stand heute: Läuft produktiv.

Ergebnis: Stark erhöhte Zugriffsgeschwindigkeit im SAP-System; einheitliche Administration; Grundlage für künftige Projekte.

Basis: 64-Bit-Versionen von SAP R/3 4.7, Windows Server 2003 und SQL Server 2000.

Realisierung: Inhouse mit Unterstützung eines Dienstleisters.

Vorteile durch 64 Bit

64-Bit-Systeme haben bereits vor einigen Jahren Einzug in die IT gehalten; im Unix-Lager sind entsprechende Prozessoren und Betriebssysteme bereits seit längerem verfügbar. Auf Intel-Plattformen hingegen beginnt erst jetzt die Verbreitung von 64-Bit-Hardware und -Software - beispielsweise in Form von Intels Itanium, Windows Server 64 Bit und SAP R/3 4.7. Der wichtigste Vorteil eines 64-Bit-Systems ist die im Terabyte-Bereich liegende Größe des adressierbaren Arbeitsspeichers. 32-Bit-CPUs wie Intels Pentium oder Xeon können maximal 4 GB Speicher verwalten, so dass die in Geschäftssystemen weit verbreiteten Datenbanken mit Hunderten von Gigabyte nur teilweise dort Platz finden und der Rest zur Bearbeitung auf eine langsame Festplatte ausgelagert werden muss. Hinzu kommt eine Steigerung der CPU-Rechenleistung. Die Anwendungsbereiche hingegen profitieren momentan nur selten von derart großen Speicheradressbereichen, weshalb die Einführung von 64-Bit-Systemen noch etwas zögerlich verläuft.