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21.09.1984 - 

Wettlauf der Hoechst AG zwischen EDV-Entwicklung und Ausbildung:

Neue Technik verändert Chemie-Berufe

FRANKFURT/M. (lo) - Elektronik und Mikroprozessoreinsatz in Wirtschaft und Technik führen zu einem permanenten Strukturwandel herkömmlicher Berufe. Die Hoechst AG in Frankfurt versucht in Aus- und Weiterbildung mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten. Moderne Techniken seien für das Unternehmen der chemischen Industrie nichts Neues, so Vorstandsmitglieds Erhard Bouillon, sondern seit Jahren in Produktion und Laboratorien im Einsatz.

In Arbeitsverfahren, die auf neuen Techniken beruhen, waren bisher hauptsächlich Spezialisten wie Systemanalytiker, Programmierer, Mathematiker, Ingenieure oder Physiker tätig. Anwendungsbezogene Aufgaben verlagerten sich zunehmend auf Betriebsführer, Techniker, Facharbeiter und Laboranten, führte Bouillon weiter aus und betonte:

"Aus- und Weiterbildung müssen daher in den nächsten Jahren Mitarbeiter in die Lage versetzen, sich auf diese beruflichen Anforderungen im Wandel einzustellen." Um dieser betrieblichen Bildungsaufgabe gerecht zu werden, erarbeitete die Hoechst AG für die naturwissenschaftlichen, technischen und kaufmännischen Ausbildungsberufe sowohl berufs-als auch funktionsspezifische Aus-und Weiterbildungskonzepte.

Solides Basiswissen

Überlegungen dabei waren, daß keine "Mikroprozessor-Spezialisten" benötigt werden, die auch noch etwas von einem Beruf verstehen, sondern, "berufliche Fachkräfte", die sachkundig mit den neuen Technologien umgehen können. Weiterhin kommt es der Höchst AG in der beruflichen Erstausbildung vor allem darauf an, über neue Techniken ein solides Basiskönnen und -wissen zu vermitteln.

Für jeden Ausbildungsberuf wurden auf die Mikroelektronik bezogene Ausbildungsziele und -inhalte formuliert.

Vorstandsmitglied Bouillon nannte als Beispiel den Beruf des Chemikanten. Der Beruf wurde bereits in den 50er Jahren geschaffen. Man erkannte allmählich, daß die immer komplexer werdenden Arbeitsgänge in der Produktion mehr erfordern als ein mehrmonatiges oder auch mehrjähriges "Anlernen". Vor allem seine Kenntnisse im chemischen, physikalischen, apparativen sowie im meßnen dem Chemikanten dazu, die Produktionsanlagen zu fahren und zu überwachen. Darüber hinaus sollte er vor allem bei Störungen rasche Maßnahmen treffen können.

"Dieses Ausbildungskonzept hat sich für die chemische Industrie hervorragend bewährt", zieht das Mitglied aus dem Vorstand den Schluß. Automatisierungssysteme mit Mikroprozessoren verbessern die Leistung bestehender oder neuer Anlagen. Verstärkte Rohstoff- und Energieausnutzung sowie Produkte mit höherer Qualität seien das Resultat. Durch die "programmgespeicherte Steuerung" werden die Produktionsprozesse "weicher und vorausschauend gefahren".

Der Chemikant brauchte daher Grundfertigkeiten im Umgang mit speicherprogrammierten Prozeßsteuerungen und Grundkenntnisse der Informationsverarbeitung. Ziel der Ausbildung für Mikroelektronik "soll und darf nicht" sein, additiv auf die bisherigen Inhalte der Chemikantenausbildung diejenigen eines Informationselektronikers oder Informatikers zu setzen. "Wir sind vielmehr der Meinung, daß in einer grundlegenden und vielfältig verwertbaren Ausbildung des Chemikanten die naturwissenschaftlichen Grundlagen, also Chemie, Physik, chemische Verfahrenstechnik, Meß- und Regeltechnik, nach wie vor ihren hohen Stellenwert haben."

Die Ausbildungsordnungen müßten allerdings den technologischen Veränderungen schneller angepaßt werden, forderte Bouillon.

Der zeitliche Wettlauf zwischen dem Einsatz neuer Technik und deren Weiterentwicklung in der beruflichen Praxis einerseits und der Gestaltung entsprechender Ausbildungsinhalte andererseits sei kaum zu gewinnen.

Das Vorstandsmitglied appellierte an die Bildungspolitiker und an die an der Berufsausbildung beteiligten Institutionen, den betrieblichen Bildungspraktikern den erforderlichen Handlungsfreiraum zu verschaffen.