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22.11.1985 - 

Brainstorming von Industrie und Künstlern über Elektronik und Kreativität:

Neue Technik wandelt den Sinn des Lebens

22.11.1985

FRANKFURT/M. (lo) - Eine Brücke zwischen Technik und Kunst suchte das erste "Frankfurter Symposium" zum Thema "Mikroelektronik und die Folgen für die Kreativität" zu schlagen. Das "Forum für den Dialog zwischen Wissenschaft, Technik, Industrie und Kunst" richteten die Deutsche Olivetti GmbH und die Stadt Frankfurt gemeinsam aus.

Darüber, daß die "zweite industrielle Revolution" im Gange ist, waren sich die 120 Teilnehmer aus Ost- und Westeuropa einig. Der polnische Philosoph Adam Schaff sieht in ihrem Gefolge eine "kulturelle Revolution" kommen. Allerdings werde über Konsequenzen für das Ethos des individuellen Lebens des Menschen, den allgemein akzeptierten Sinn des Lebens sowie das gesellschaftlich anerkannte Wertesystem bisher nicht viel geschrieben, kritisierte er, verglichen mit dem technischen Aspekt dieses Phänomens. So werde - als eine Folge der Automatisierung - künftig ein Bedürfnis nach Kultur als Beschäftigung die Arbeit im traditionellen Sinn ersetzen.

Der Lernende wird von Wissensballast befreit

Das Lernen werde zu einer Form der Arbeit, die von dem Begriff "kontinuierliche Fortbildung geprägt sein könne. Der neuen Technik komme dabei im Bereich des gedächtnis gebundenen Wissens, etwa der Hochschule, besondere Bedeutung zu. Denn "enzyklopädische Geister mit Gedächtnisschubladen" seien meist steril und unfruchtbar. Der "homo studiosus" könne durch verfügbare technische Speichermöglichkeiten Interessen- und Studiensphären modifizieren. "Eine Gesellschaft von lernenden Menschen hat

größere Entwicklungsmöglichkeiten", so Schaff, der auch als Herausgeber von Berichten an den Club of Rome über gesellschaftliche Folgen der Mikroelektronik bekannt wurde. Gleichzeitig seien mit der elektronischen Technik bisher nicht gekannte Möglichkeiten gegeben, Kultur im weitesten Sinn zu verbreiten.

Schöpferische Tätigkeit bleibt nicht neutral

Die Informationstechnologie legt dabei nach seinen Worten Wissenschaftlern wie auch Künstlern gleichermaßen weit stärker als bisher die moralische Verpflichtung für die Kultur und das Schicksal der gegenwärtigen kulturellen Revolution auf. Die Verbindung schöpferischer Tätigkeit im wissenschaftlichen wie auch künstlerischen Feld zur gesellschaftlichen Praxis sei nicht nur quantitativ größer geworden, sondern gestalte sich auch qualitativ unterschiedlich.

Die darauffolgenden Referate des Frankfurter Symposiums beschäftigten sich mit dem neuesten Stand der Technik und behandelten den konkreten Einfluß des Rechners auf schöpferische Tätigkeiten.

Weiterhin kamen gewandelte pädagogische Konzepte zum kreativen Umgang mit Musik zur Diskussion sowie der Einfluß neuer Medien auf Malerei und Zeichnen im Grenzbereich zwischen Mensch und Maschine. Chancen und Risiken der Entwicklung waren den Frankfurter Teilnehmern, so der Tenor ihrer Beiträge, durchaus gleichermaßen bewußt. Allgemeiner Konsens herrschte über die Notwendigkeit, für eine künftige Entwicklung richtungsweisende Modelle zu entwerfen, die verhindern, daß ein "Stop"! möglicherweise zu spät kommen könne. Die Stadt Frankfurt als Mitveranstalter wie auch Olivetti betonten, es sei nicht Ziel des Symposiums, über das Spannungsfeld Technik und Kunst zu endgültigen Ergebnissen zu gelangen, sondern - künftig einmal im Jahr -Denkanstöße zu vermitteln.