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04.10.1991 - 

Unix in die Open Management Architecture integriert

Neue Technologie: 3Com bläst im Hub-Geschäft zur Aufholjagd

MÜNCHEN (pg) - Mit dem Verkauf der LAN-Manager-Rechte hat sich 3Com offensichtlich einen Klotz vom Bein geschafft. Jedenfalls scheint sich das Unternehmen im neu abgesteckten Feld des Internetworking pudelwohl zu fühlen. Der Beweis: Mit einem Hub der dritten Generation sowie ungewohntem Token-Ring-Engagement versucht 3Com, neue Maßstäbe und Akzente im Global Data Networking zu setzen.

Rechtzeitig zum Messemonat Oktober hat 3Com weltweit eine Reihe neuer Produkte angekündigt, unter denen der intelligente Hub "Linkbuilder 3GH" für Aufmerksamkeit sorgen soll. Laut Franz Fichtner, Geschäftsführer der 3Com GmbH, ist der Sternkonzentrator weltweit der erste Hub der Dritten Generation überhaupt.

Im Gegensatz zu Repeatern der zweiten Generation, die, so Fichtner, nur Management-Funktionen beinhalten, realisiert der Linkbuilder 3GH erstmals, den Zugang zu unterschiedlichen Medien. Außerdem soll die Fault-Tolerant- sowie Multiprozessor-Technologie dem Kunden, so die Absicht von 3Com, mehr Sicherheit, Flexibilität sowie Performance gewährleisten.

Im Konzentrator sind nach Angaben von Robert Freeman, bei 3Com für das Europa-Geschäft verantwortlich, zehn Backplanes integriert, die sich in je drei Busse für FDDI, Ethernet und Token-Ring sowie einen VME-Bus aufteilen. Darüber hinaus ist der Hub mit zwölf Slots, einem Netzwerk-Management-Module, ASIC- und RISC-Prozessoren für die LAN-Module sowie einem Standard-Management ausgerüstet und unterstützt die Module außerdem durch Hot-Swap und Hot-Stand-by.

Für die erste Ausbaustufe des Linkbuilders 3GH, die im Dezember auf den Markt kommen soll, werden 3Com zufolge Ethernet-, FDDI-Konzentrator-, FDDI-Backbone- und System-Management-Einsteckmodule erhältlich sein, aber noch keine Token-Ring-Karte. Dazu Fichtner: "Dieses Element wird es erst in der zweiten Ausbaustufe Mitte nächsten Jahres geben. Um Token-Ring-Netze anschließen zu können, muß das Modul, sobald es verfügbar ist nur in den Linkbuilder 3GH eingesteckt werden."

In der ersten Fassung wird das Bridging und Routing intern also nur parallel sowie von Ethernet-LANs zu FDDI-Netzen und umgekehrt möglich sein. Ein Ethernet-Modul, das mit einem 29K-RISC-Prozessor von AMD bestückt ist, kann dabei acht "private" Ethernets unterstützen.

Je vier Ports zu primären, sekundären und tertiären FDDI-Ringen realisiert das von 3Com gelieferte FDDI-Konzentrator-Modul, das sich selbst konfiguriert, wie auch das FDDI Backbone Connectivity Module eine eigene Konfiguration für Single- und Dual-Attachment

besitzt und die direkte Verbindung zu einem dualen Ring oder anderen Konzentrator leistet.

Das System Management Module schließlich verwaltet und kontrolliert alle internen Busse, Media-Module und Verbindungen und beinhaltet außerdem einen SNMP Agent sowie SMT Station Management.

Die jüngste Konzentration 3Coms auf das Internetworking-Geschäft wäre nach Ansicht des deutschen 3Com-Chefs auf Dauer nicht mit dem LAN-Manager-Engagement vereinbar gewesen. Fichtner rechnet nämlich in den nächsten Jahren mit einem erbitterten Wettbewerb in diesem Marktsegment, dem zahlreiche Anbieter zum Opfer fallen werden. Der Geschäftsführer: "Nur absolut finanzstarke Unternehmen können sich künftig noch die immensen Kosten leisten, die beispielsweise die Entwicklung eines Hubs der dritten Generation verschlingt."

"Die Relation von fünf Prozent Umsatz zu 60 Prozent Serviceleistung bei unserem LAN-Manager-Produkt 3+Open war für ein Unternehmen von der Größe 3Coms nicht tragbar", erklärt auch Europa-Manager Freeman den Schritt 3Coms Anfang des Jahres. Sein Unternehmen, so Freeman, hätte auf lange Sicht nicht die Finanzkraft gehabt, um mit übermächtigen Konkurrenten wie Novell, Microsoft und IBM zu konkurrieren. Nach dem Verkauf der LAN Manager-Rechte an Microsoft sei die Company jetzt frei für das Internetworking-Business und habe auch die finanziellen Kapazitäten, um sich in diesem Marktbereich durchzusetzen.

Gut 45 Millionen Dollar hat das amerikanische Traditionsunternehmen bei einem Umsatz von knapp 400 Millionen Dollar laut Fichtner vergangenes Geschäftsjahr (bis Mai) in den Bereich Forschung und Entwicklung gesteckt, vor allem mit dem Ziel, im Global Data Networking und Internetworking verstärkt Fuß zu fassen. "Wir sind bei den Hubs heute noch unter ferner liefen", begründet Fichtner das hohe EuF-Budget, mit dem sich das Unternehmen im neu gesteckten Wirkungsbereich an die Spitze arbeiten will.

Den Durchbruch gegenüber den anderen Anbietern versucht 3Com, so Freeman, durch einen technologischen Vorsprung im Bereich von Hubs der dritten Generation sowie einem vollen Angebotsspektrum für den Kunden, von Low-cost- bis zu High-cost-Lösungen zu erzielen. In die modifizierte Strategie des Unternehmens paßt auch die Unix-Ergänzung in der Open Management Architecture (OMA) sowie das neue Hardware-Software-System "Netbuilder/Token Ring" und der Multiprotokoll-Router Netbuilder II.

Flexibel im Sektor Token-Ring

Durch die Erweiterung der OMA um Unix kann der Anwender jetzt auf der Management-Plattform View-Builder auch Werkzeuge für die Verwaltung von offenen Unix-Netzen in Verbindung mit der Vernetzung von PCs einsetzen. Flexibel zeigt sich der bisherige Ethernet-Spezialist 3Com aber auch im Sektor Token-Ring. Mit Netbuilder/Token-Ring wird die Internetworking-Serie ab Dezember um ein Produkt erweitert, das dem zunehmenden Bedarf nach der Verbindung von Ethernet- und Token-Ring-Netzen gerecht wird. Das System hat zunächst die gleichen Bridge-Funktionen auszuführen wie über den Netbuilder/Ethernet, einschließlich Frame Relay Support, Telnet-Funktionen für Fern-Management sowie WAN-Verbindungen. Beim Netzwerk-Management stehen MIB-I- und MIB-II-Agents für SNMP zur Verfügung. Die nächste Version wird dann auch Routing-Funktionen für die Protokolle XNS, TCP/IP, Decnet, IXP, OSI, Appletalk und Vines realisieren.

Der für Januar 1992 angekündigte Netbuilder II soll sowohl schnelle Bridging- als auch Multiprotokoll-Routing-Funktionen in FDDI-, Ethernet- und Token-Ring-Netzen leisten, wobei für die erste Ausgabe noch keine Token-Ring- und ISDN-Module erhältlich sein werden. Durch den Einsatz von integrierten Schaltkreisen und der RISC-Technologie in Kombination mit schnellen Steckverbindungen sowie dem modularen Aufbau verspricht 3Com den Kunden mehr Performance und Zuverlässigkeit.

Als Nummer eins im Adapter-Geschäft-kürzlich wurde die Drei-Millionen-Grenze bei verkauften Ethernet-Karten überschritten - kündigte 3Com für das erste Halbjahr 1992 auch zehn neue Adapter an. Zu den Produkten werden 16- und 32-Bit-Ethernet-Karten für ISA-, EISA- und Mikrokanal-Bussysteme mit Koax- und Twisted-Pair-Kabeln sowie FDDI-Adapter sowohl für Glasfaser- als auch für Twisted-Pair-Kabel gehören.

In England wird derzeit ein Logistik-Center eingerichtet, das alle europäischen Distributoren, Value Added Reseller und Händler von 3Com beliefern soll, um die Wege zum Endkunden, den die Company auch künftig nicht selbst bedienen wird, kürzer zu gestalten.

Das Feld von hinten aufrollen

Es war schon ein leichter Aufschrei, der durch die DV-Szene und Presse ging, als 3Com Anfang des Jahres LAN-Manager-Rechte an Microsoft verscherbelte. Mit Kopfschütteln wurde der Rückzug der US-Company aus dem Netzwerk-Betriebssystem-Markt von vielen quittiert.

Möglicherweise sind es Emotionen gewesen, die den Kritikern dieser Entscheidungen den Blick auf die Realität verstellten - Emotionen einfach deshalb, wie der Name 3Com untrennbar mit der Entwicklung des LAN Manager verknüpft ist und das Engagement des Unternehmens für seine 3 + Open-Anwender - die von allen am meisten trauern - weit über das von Microsoft hinausreichte.

Wenn aber 60 Prozent der gesamten 3Com-Serviceleistung auf ein Produkt entfallen, mit dem nur fünf Prozent des Umsatzes erzielt werden, stimmt die Kalkulation nicht. Folge: 3 + Open und alles, was dazugehört, mußten dem Rotstift der Controller zum Opfer fallen, weil einem Unternehmen von der Größe 3Com der lange Atem und die Finanzkraft fehlen, ein vielleicht zukunftsträchtiges Produkt längere Zeit mit Verlust durchzuschleppen, auch wenn man bei der Entwicklung der Features die Nase vorn hat.

Mit der Entscheidung, für das Global-Data-Networking-Geschäfts 3 + Open abzuspecken, hat die Nummer eins bei verkauften Ethernet-Adaptern jetzt den Spieß umgedreht. Im Konzert der Anbieter dürften die Kalifornier finanziell die Potentesten sein und könnten bei geschickter Politik das Feld (zum Beispiel im Hub-Business) von hinten aufrollen. Trotz der Erfahrung im Internetworking sollten die 3Com-Verantwortlichen den Tag jedoch nicht vor dem Abend loben.