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17.07.1981

Neue Trends bei Datenbankverwaltungssystemen:Endbenutzer halten nichts von DBMS-Theorien

SAN FRANCISCO (cw) - Die Datenbankverwaltung ist eine derartig hochtheoretische und abstrakte Materie. daß sie beim nichttechnischen Endbenutzer so gut wie kein Interesse zu wecken vermag, meint der Marketingdirektor der amerikanischen Applied Data Research, Inc., Kenneth Parker.

Die den Datenbankverwaltungssystemen (DBMS) zugrundliegende Theorie mit ihrer äußerst hohen Komplexität kommt bei solchen Endbenutzern nicht an, die nur wissen wollen, was ein Programmprodukt kann. Das "Wie" dagegen interessiert sie nicht, sagte Parker vor kurzem auf der Government Management Information Sciences Conference in San Francisco. In einer Podiumsdiskussion über "Neue Trends bei Datenbankverwaltungssystemen" verglich Parker die DBMS-Anwender mit den Benutzern von Kraftfahrzeugen. Die meisten Fahrer hätten wenig Ahnung von der Funktion eines Verbrennungsmotors oder eines Differentialgetriebes. Genauso sei es bei den meisten Endbenutzern von Informationssystemen die wohl die DBMS-Software zu ihrem Vorteil anwenden, ohne die Theorie begriffen zu haben, die der Datenbanktechnik zugrunde liegt. Aber ungeachtet dieser pragmatischen Einstellung der Endbenutzer liegt der Schwerpunkt der DBMS-Aktivitäten noch so gut wie ausschließlich auf der Theorie. Ein weiterer Nachteil, der mit dem kommerziellen DBMS-Sektor verbunden ist, besteht in der "Orientierung auf Einzelanwendungen, statt daß eine Vielzahl von Anwendungen und schließlich ein ganzer Komplex von Informationssystemen überspannt werden", sagte Parker. "Die DBMS entwickelten sich zu kaum mehr als einer erfinderischen Zugriffsmethode die allerdings viel schwieriger anzuwenden ist, als die üblichen Verfahren."

In anderen, auf die DBMS bezogenen Kommentaren bezeichnete Parker das Konzept der "relationalen: Datenbank", als "neue Art von Weltanschauung", die wie so viele anderen Schlagworte der Informatik eine präzise Definition vermissen lasse. In 38 verschiedenen firmeninternen Druckschriften von Herstellern und Softwarehäusern würde auf relationale Datenbankmodelle Bezug genommen, wobei in jeder der Begriff etwas unterschiedlich definiert würde, sagte Parker. "Wenn die Leute den Begriff "relationale Datenbank' benützen, beziehen sie sich gewöhnlich mehr auf eine Idee, statt auf eine bestimmte Implementierung", fügte er hinzu.

Grundlage der relationalen Datenbank

Eine der Grundideen, die relationale von anderen Varianten der DBMS-Modelle unterscheidet, ist das Prinzip der "zweidimensionalen Tabellen". Es besagt, daß alle Daten nach Art von Tabellen ausgedrückt werden. Ein weiteres Merkmal daß allen relationalen Modellen eigen ist, besteht in der Anwendung einer "Normalisierung" oder "Stabilisierung". Man strebt damit eine möglichst stabile Form der Datentabellen an und maximiert ihre Beständigkeit gegenüber Änderungen. Die Normalisierung gestattet - so Parker- die Elimination redundanter Daten und von Sätzen mit variabler Länge. Alle relationalen Datenbankmodelle unterscheiden schließlich zwischen physischen und logischen Daten, sie bedienen sich Sprachen einer hohen Ebene (höher als Cobol) und betonen die größtmögliche Vereinfachung des Zugriffs zu den Daten, meinte Parker. Trotz der weithin verbreiteten Uneinigkeit über das, was unter einem relationalen Modell zu verstehen ist, sieht Parker dieses Modell als den "allein gangbaren Weg" der nächsten zehn Jahre an. Relationale DBMS ersetzen in zunehmendem Maß ihre strukturierten Gegenspieler, wie es bei dem kürzlich durch die IBM eingeführten "relationalen Programmprodukt SQL/DS" (Structured Query Language/Data Systems) der Fall ist, von dem an die 10 000 geliefert werden sollen. "Wir leben eben nicht in einer strukturierten Welt", sagte Parker. "Wir sind deshalb gezwungen, nichtstrukturierte Verfahren zu entwickeln, die den Anwendern die Grunddaten liefern, die sie manipulieren können, wenn sie es für richtig halten."

In die Zukunft blickend, rechnet Parker mit dem Auftauchen neuer, spezialisierter Arten von Terminals und erwartet die Prägung eines neuen Begriffs, der vielleicht mit "Benutzersicht" bezeichnet werden könne. Er versteht darunter die Gesamtheit Informationsbestands, zu dem ein dazu berechtigter Benutzer Zugriff erhalten kann. Dieser, nach Bedarf abfragbare Informationsbestand stellt für den im Mittelpunkt stehenden Benutzer einen engeren oder weiteren Horizont des gesamten Datenbestands eines Unternehmens dar, meinte Parker.

(Übersetzt aus Computerworld vom 22. 6. 81 von Hans J. Hoelzgen, Böblingen)