Wearables, Smart Home und Internet of Things

Neue Verkaufsmodelle für neue Geräte?



Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie  Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".

Wohin steuert Amazon?

Während sich die stationären Elektronikmarken mit unterschiedlichen Verkaufsstrategien an den Trend zu vernetzten Geräten annähern, ist es diesbezüglich im Online-Handel noch auffallend ruhig. Zwar verkaufen Notebooksbilliger, Cyberport und Redcoon verschiedenste Smart Devices, lassen aber noch kein spezielles Konzept dafür erkennen.

Ähnliches gilt auch für den Online-Platzhirsch Amazon. Das Fehlen eines speziellen IoT-Verkaufsmodells wird hier aber immerhin dadurch kompensiert, dass der Online-Händler kontinuierlich am Aufbau eines eigenen Portfolios vernetzer Geräte arbeitet. So hat Amazon mit dem Nachbestell-Knopf Dash eine eigene Internet-of-Things-Anwendung geschaffen, die zwar recht simpel gestaltet ist, aber hohes Umsatzpotenzial verspricht. Und mit der Lautsprecher-/Sprachsteuerungs-Säule Amazon Echo hat der Online-Händler ein Gerät entwickelt, das als Schaltzentrale nicht nur für E-Commerce-Aktivitäten, sondern auch für das komplette Smart Home taugt. Wer den Drang von Amazon verfolgt, sich vom Online-Buchhändler zum Anbieter für alle Bedarfslagen in das Leben seiner Kunden vorzuarbeiten, wird nicht daran zweifeln, dass das Unternehmen auch im Internet of Things noch weitreichende Ziele verfolgt.

Der Echo könnte Amazons Steuerzentrale für das vernetzte Zuhause werden
Der Echo könnte Amazons Steuerzentrale für das vernetzte Zuhause werden
Foto: Amazon

Alternativkonzept vom Apple-Store-Erfinder

Als ein On-/Offline-Newcomer mit großem Potenzial beim Verkauf von vernetzten Geräten und Lösungen wird zudem in letzter Zeit das US-Start-up Enjoy ins Feld geführt. Das liegt zum einen daran, dass das Unternehmen von Ron Johnson gegründet wurde, der als Retail-Chef von Apple in den Nullerjahren für den Aufbau der Apple Stores verantwortlich zeichnete. Über das Genie von Ron Johnson kann man geteilter Meinung sein - immerhin scheiterte der Manager in seinem Nach-Apple-Job als Sanierer der Kaufhauskette J. C. Penney sang- und klanglos -, doch geht Enjoy mit einem frischen Konzept an den IoT-Verkauf heran.

Das Start-up verbindet einen Onlineshop mit sorgfältig ausgewählten vernetzten Produkthighlights mit einem "Geek Squad"-artigen Vor-Ort-Service, der die smarten Geräte bei den Kunden installiert und erklärt. Bisher ist Enjoy erst in New York und in San Francisco verfügbar und ist somit schlecht abzuschätzen, ob das Geschäftsmodell ein Geniestreich mit hohem Convenience-Faktor ist - oder doch nur das Eingeständnis dafür, wie schwierig es weiterhin ist, IoT-Anwendungen an Durchschnittskunden zu vertreiben. Doch zeigt das Start-up gut, dass für die neuen Produkte weiterhin Bedarf an neuen Verkaufskonzepten besteht und damit beträchtliches Potenzial verbunden ist. (mh)

Der sympathische Enjoy-Mann kommt mit dem VW-Bus zur IoT-Installation nach Hause
Der sympathische Enjoy-Mann kommt mit dem VW-Bus zur IoT-Installation nach Hause
Foto: Enjoy
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