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23.07.1993

Neuer High-end-Sparc-Prozessor geplant Intergraph portiert Windows NT auf die Sparc-Architektur von Sun

MUENCHEN (CW) - Die Sun Microsystems Computer Corp. (SMCC) und die Intergraph Corp. haben eine Entwicklungsvereinbarung unterzeichnet, der zufolge Intergraphs Advanced Processor Division (APD) gemeinsam mit SMCCs Sparc-Technology-Business-Unit (STB) in Zukunft 64-Bit-Sparc-Prozessoren entwickeln wird. Ausserdem wird Intergraph Windows NT auf zukuenftige Sparc-CPUs portieren.

APD soll die Verantwortung fuer die Portierung von Microsofts Betriebssystem Windows NT auf Intergraph-Systeme erhalten, die mit zukuenftigen Versionen von Sparc-Prozessoren arbeiten. Bekanntlich entwickelt der CAx-Anbieter aus Huntsville, Alabama, eigene RISC- Prozessoren, die Clipper-Architektur. Die aktuelle Version "C4000" kommt in den Serie-2400- sowie Serie-6400-Systemen zum Einsatz, die unter Intergraphs Unixderivat "Clix" laufen.

Der von den beiden Unternehmen zu entwickelnde High-end-Sparc- Prozessor wird sich nach den Worten von STB-Vice-President Chet Silvestri von bisherigen RISC-Varianten aus dem Hause Sun in einem wesentlichen Punkt unterscheiden: Er funktioniert einmal nach dem Byte-Anordnungsverfahren "Little-endian", wie es auch bei Intel- Prozessoren und DEC- sowie Motorola-CPUs Anwendung findet. Der RISC-Prozessor von Intergraph und Sun unterstuetzt aber zum anderen auch die "Big-endian"-Methode, wie sie die RISC-Systeme von Sun selbst und der IBM verarbeiten. Auch der "Am29000" von Advanced Micro Devices (AMD) sowie Intels RISC-Chip "960-CA" koennen beide Datensatzaufbereitungen korrekt lesen.

Dieser Umstand ist insofern von Bedeutung, als Windows NT auf bisherigen Sparc-Prozessoren wegen des unterschiedlichen Byte- Anordnungsverfahrens nicht portierbar war. Auf dem hybriden Intergraph-Sun-Prozessor werden also sowohl NT als auch Suns Solaris-Betriebssystem lauffaehig sein.

Die Partner duerfen nach der geschlossenen Vereinbarung den Sparc- Prozessor in ihren jeweiligen Systemen nutzen, nur die STB darf ihn aber auf dem Markt vertreiben. Bis 1995 hofft Intergraph nach Aussagen von Executive Vice-President Howard Sachs, die NT- Portierung fuer den Super-Sparc-Chip vollendet zu haben. Fuer die eigene Clipper-RISC-Architektur stellte Intergraph auf der Windowsworld 1993 im Mai uebrigens erstmals die im Herbst 1992 angekuendigte Portierung von NT vor.

Ausserdem wollen - so Sachs weiter - die Spezialisten fuer Anwendungen aus dem CAD/CAM-Bereich sowie den Arbeitsfeldern Kartographie, Mechanik und Ingenieurwesen ihre rund 300 technischen Applikationen wie etwa "Microstation" und "I/EMS" auf Windows NT portieren. Dies hatten die Leute aus Huntsville, Alabama, allerdings schon im November 1992 anlaesslich der Bekanntmachung der Zusammenarbeit mit Microsoft zur Portierung von NT auf die Clipper-Architektur verlautbart (Siehe CW Nr. 48, Seite 33: "Auch Intergraph portiert...??").

SMCC aeusserte sich allerdings nicht dazu, in welcher Weise die Windows-NT-Portierung auf den zukuenftigen Sparc-Prozessor auch anderen Unternehmen als Intergraph zugaenglich sein wird. "Wir diskutieren", sagte Silvestri, "mit Microsoft ueber diesbezuegliche Moeglichkeiten. Auf andere Sparc-Plattformen, so Silvestri weiter, werde man aber NT nicht portieren.

Intergraph wolle, formulierte dessen CEO Jim Meadlock, seine Clipper-Architektur weiterentwickeln, diese aber fuer Midrange- Systeme vorbehalten. Ultrasparc-Workstations werde man, so Intergraph-Manager Sachs, fuer das High-end-Angebot reservieren, die Intel-PCs fuer das untere Leistungsspektrum.

Offensichtlich zahlt das Unternehmen in der Zusammenarbeit mit Sun Tribut an den mangelnden Erfolg der eigenen Clipper-RISC- Technologie: Bereits im Geschaeftsjahr 1992 (31. Dezember 1992) gingen die Ertraege der Intergraph Corp. gegenueber dem Vorjahr um 88,1 Prozent auf 8,4 Millionen Dollar zurueck. Der Umsatz fiel um 1,6 Prozent auf rund 1,2 Milliarden Dollar. In diesen Zahlen sind Restrukturierungsbelastungen von 388 000 Dollar enthalten.

Der Abwaertstrend setzte sich jedoch auch in den ersten beiden Quartalen von 1993 fort: Beide Vierteljahre schloss die Company schlechter ab als fuer den jeweiligen Zeitraum ein Jahr zuvor.