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24.07.1987

Neuer OS2-Standard? Erst mal abwarten und Tee trinken

Mit Gelassenheit reagieren bundesdeutsche DV-Leiter auf die Ankündigung von IBM, mit der neuen Rechner-Generation PS/2 auch einen "neuen Betriebssystem-Standard OS/2" einzuführen. Abwarten heißt ihre Devise. Auch lohne es nicht, sich über etwas den Kopf zu zerbrechen, was nicht nur eine unbekannte Größe darstelle, sondern darüber hinaus erst frühestens Anfang nächsten Jahres zur Verfügung stehe. Bekräftigt DV-Leiter Walter Pröbe aus Herten: "Wir brüten nicht über ungelegten Eiern." Somit heißt denn auch der Betriebssystem-Standard für die Anwender derzeit nach wie vor MS-DOS. Vor allem bei jetzt anstehenden Installationen, so Jörk Spranger von der Fiat Automobil AG, könne die Entscheidung nur zugunsten des bewährten Betriebssystems ausfallen. Sein Unternehmen ist gerade dabei, das Händlernetz mit rund 1000 PCs zu bestücken. "Und die", betont Spranger, "laufen in jedem Fall unter MS-DOS."

Die neue PC-Strategie der Firma IBM ist bis heute für uns nicht beurteilbar, da wir nur die Ankündigungen kennen und daraus schließen, daß frühestens Ende dieses Jahres die ersten Konturen sichtbar sein werden.

Solange spielten PCs für uns keine Rolle, da es uns bei dem

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Rolf Decker DV-Leiter, Stadtwerke Lübeck

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Einsatz von PCs auch um die sinnvolle Anbindung an den Host-Rechner geht.

Wir haben Ende Juni ein Modell 60 der PS/2-Familie bestellt, um die Eigenschaften der neuen Systeme zu prüfen und für die Belange beziehungsweise das DV-Konzept unseres Unternehmens durchzuchecken. Einige Unverträglichkeiten, wie Anschluß bestehender Bildschirme, sind uns schon bekannt, aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist eine Bewertung nicht möglich, da mögliche Alternativen nicht bekannt sind.

Die Frage der Akzeptanz wird sich auch an der Frage der Verfügbarkeit von Anwendungssoftware und den Kosten der neuen Systeme orientieren.

Somit werden wir vorerst weiterhin mit dem alten PC-Standard weiterarbeiten, zumal in den nächsten Monaten keine weiteren PC-Installationen in unserem Unternehmen geplant sind. Wir warten also ab, wie sich die neue PC-Generation auf dem Markt durchsetzen wird.

Dem jetzigen Stand der Dinge nach werden wir bei dem alten PC-Standard, also bei MS-DOS, bleiben. So sind wir im Augenblick dabei, in unserem Händlernetz rund 1000 PCs zu installieren - und diese Geräte laufen in jedem Fall unter dem Betriebssystem MS-DOS. Diese Entscheidung wurde uns leichtgemacht, weil IBM die neuen PC-Systeme noch nicht liefern konnte. Bei Betriebssystem

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Jörk Spranger Leiter Datenverarbeitung/ Organisation, Fiat Automobil AG, Heilbronn

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und Software sind noch viele Fragen offen. Zum Zeitpunkt der großartigen Ankündigung von IBM war über beide Komponenten wenig Konkretes bekannt, noch waren sie verfügbar. Als wir uns einen Drucker zur Ansicht bestellten, mußte IBM passen. In meinen Augen hat die neue PC- beziehungsweise PS-Strategie bislang nur den Effekt einer Absichtserklärung.

Deshalb ist es heute für Anwender sehr schwierig, eine Entscheidung zugunsten der neuen PS/2-Serie zu treffen. Sie wird erst möglich, wenn IBM die Systeme komplett verfügbar hat, und das neue Betriebssystem das hält, was IBM versprochen hat. Entsprechen die Systeme dann der Ankündigung vom April, werden sich sicher einige Anwender für die neuen PCs entscheiden. Müssen PC-Anschaffungen zum jetzigen Zeitpunkt getätigt werden, so bleibt den Anwendern gar nichts anderes übrig, als auf den "alten" PC-Standard zurückzugreifen. Ein Verschieben solcher Vorhaben bis die neue Generation komplett verfügbar sein wird - also um fast ein Jahr -, ist in der Regel nicht möglich.

Auch wir werden mit Sicherheit ein oder zwei der neuen Modelle zu Testzwecken ordern, wenn sie erst einmal verfügbar sind. Dennoch glaube ich, daß es IBM mit der neuen PC-Serie und dem neuen Betriebssystem nicht leichthaben wird: Die MS-DOS-Geräte sind am Markt einfach zu weit verbreitet. Auch mit ihrer Taktik liegt IBM meiner Meinung nach falsch. Die Anwender von heute sind nicht mehr so unbedarft, als daß man ihnen einreden könnte, IBM sei in jedem Fall das Nonplusultra und mit anderen Herstellern werde man Schiffbruch erleiden. Die heutigen Anwender lassen sich nicht mehr so leicht unter Druck setzen.

Der neue Betriebssystem-Standard von IBM spielt in unseren bisherigen Überlegungen und Entscheidungen noch keine Rolle. Zu wenig ist über diese Neuheit bislang bekannt. Definitiv aber haben wir uns nach der IBM-Ankündigung dazu entschlossen, uns ab sofort mit dem Modell 30 der PS/2-Serie auf den neuen Hardware-Standard, das 3?-Zoll-Laufwerk, umzustellen. Damit bleiben wir also beim alten Betriebssystem, setzen aber auf das neue Diskettenformat.

Folgende Überlegungen waren dabei ausschlaggebend: zum einen das bessere Preis/Leistungs-Verhältnis gegenüber den "alten" PCs, zum anderen halten wir die 3?-Zoll-Diskette für einen echten Fortschritt. Im übrigen bleiben wir durch die Beibehaltung des alten Betriebssystems MS-DOS weiterhin für Verbesserungen anderer Hersteller sowie für die alten Erweiterungskarten offen. Jedenfalls hat IBM mit diesem Modell endlich einen PC auf den Markt gebracht, der nicht nur über einen zufriedenstellend auflösenden Bildschirm und eine ausreichend ausgelegte Tastatur (zum Beispiel getrennter Cursor-Block) verfügt, sondern auch mit einem vollen 16-Bit-Prozessor ausgestattet ist. Für mich ist das Modell /2-30 der erste zumutbare MS-DOS-Rechner aus dem Hause IBM unterhalb des 80286 -Niveaus.

Die Entscheidung zugunsten des neuen PC bedeutet aber auch, daß wir uns mit den neuen

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Heinz Rau

Ressortleiter DV, Nestle Maggi GmbH, Frankfurt

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Geräten, von denen bereits einige bei uns im Einsatz sind, reibungslos an die bisher installierten PCs (XTs und ATs) anschließen können. Wir haben nämlich nicht vor, die "alten" Geräte auszurangieren, sondern werden sie teilweise mit den neuen Diskettenlaufwerken zusätzlich ausrüsten. Unsere Benutzer brauchen dann ihre Programme nur von dem alten Diskettenformat auf die 3?-Zoll-Floppies zu überspielen.

Mit dem neuen Betriebssystem OS/2 haben wir uns bislang nur geringfügig auseinandergesetzt. Zudem sehen wir für das Multitasking, eine der wesentlichsten Leistungen des neuen Betriebssystems, in unserem Haus derzeit noch kein echtes Bedürfnis. Wir werden in Ruhe abwarten, bis OS/2 und einschlägige Anwendungssoftware auf dem Markt ist. Erst dann läßt sich auch absehen, welche Entscheidungen zu treffen sind, wenn der AT03 zum Beispiel - wie bereits für die USA angekündigt - nicht mehr verfügbar ist, aber die entsprechende Leistung benötigt wird. In diesem Fall wird sich dann -herausstellen müssen, ob etwa das Modell /2-50 ein adäquater Ersatz für den AT03 ist, ob der Anwender definitiv das Betriebssystem wechseln muß, ob OS/2 vielleicht doch MS-DOS noch unterstützt oder Rechner anderer Hersteller in Frage kommen. IBM hat zwar erklärt, die neuen Systeme seien durch Patente und Copyrights gegen Nachbau geschätzt, aber der Beweis dafür muß noch erbracht werden.

Sicherlich werden sich viele Anwender, die derzeit PC-Anschaffungen bewerkstelligen müssen, für den bewährten Betriebssystem-Standard, also MS-DOS, entscheiden. Zu viele Investitionen wurden in den vergangenen Jahren für dieses Betriebssystem getätigt - etwa Software oder Mitarbeiterausbildung. Andererseits laufen diese Anwender damit natürlich Gefahr, irgendwann mit den MS-DOS-Systemen hinsichtlich Performance oder Kapazität an eine Grenze zu stoßen. Dann aber läßt sich unter Umständen nur mit großem Aufwand auf die neue Welt umschalten. Als Alternative erscheint mir momentan die Anschaffung des kleinsten Modells der neuen Rechner-Generation von IBM, der PS/2-30, sinnvoll. Damit verbleibt der Anwender in der MS-DOS-Welt, kann also weiterhin seine Software einsetzen, ist aber gleichzeitig schon in der neuen Rechnergeneration, tut sich also bei späteren eventuellen Umstellungen in dieser neuen Welt leichter. Einziges "kleines" Problem: Der Anwender muß seine Programme von den geläufigen 5?-Zoll-Disketten auf die neuen 3?-Zoll-Floppies überspielen.

Anwendern, bei denen derzeit keine dringenden PC-Installationen anstehen, kann

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Günther Fischer

Unternehmensberater in Laudenbach

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man nur raten, in Ruhe abzuwarten, bis IBM das neue System und die Software tatsächlich liefern kann. Erst dann ist erkennbar, inwieweit IBM mit OS/2 das realisiert hat, was im April versprochen wurde. Erst dann läßt sich auch sicher feststellen, ob die neuen Modelle in die DV-Umgebung eines Unternehmens passen und die hochgesetzten Erwartungen erfüllen.

IBM selbst geht meiner Meinung nach mit diesem Wechsel ein unnötiges Risiko ein. Nicht nur, daß des Unternehmen Kunden verunsichert und auch verärgert. Denn es kündigt wie schon so oft Produkte an, die noch gar nicht fertig sind, und bringt die Kunden damit in Entscheidungsnotstände. Oder aber es werden Erwartungshaltungen geweckt, die dann zu Investitionsstaus beziehungsweise Enttäuschungen führen. Ich glaube nicht, daß sich die Anwender eine solche Behandlung von IBM gefallen lassen, ohne nach Alternativen zu suchen. Auch ist der MS-DOS-Standard derart verbreitet - weltweit gibt es derzeit immerhin an die acht Millionen PC-User -, daß IBM es schwerfallen dürfte, sich mit dem neuen inkompatiblen System durchzusetzen. Dies gilt auch unter Berücksichtigung des anerkannt guten Know-hows und Services des Marktführers.

Ende Juni dieses Jahres wurde das neue IBM-System PS/2-30 in unserem Unternehmen zum derzeitigen Standard-Rechner erklärt. Die ersten beiden Systeme dieses Modells werden in den nächsten Tagen bei uns installiert. Zwar sind vorerst noch einige Projekte auf unseren installierten XTs abzuschließen, die sogar noch die Anschaffung von drei oder vier weiteren XTs notwendig machen. Mit dem nächsten

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Walter Pröbe

DV-Leiter, Herta Artland Dörffler GmbH & Co. KG, Herten

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Schritt gehen wir jedoch gezielt die Installation von /2-30 Rechnern an, weil dieses Gerät in seinen verschiedenen Ausführungen alles das abdecken wird, was bei uns in den kommenden zwölf Monaten hinsichtlich PC-Einsatz ansteht. Vor allem aber birgt dieser Wechsel für uns keinerlei Risiko. Im Gegenteil: Wir bleiben dadurch in der "alten" MS-DOS-Welt und haben gleichzeitig einen Fuß in der neuen IBM-Welt. Das kleine Handicap des Modells 30, das neue Format der Diskettenlaufwerke, nehmen wir dabei in Kauf; dies spielt für uns nur eine untergeordnete Rolle.

Davon abgesehen, daß wir auf der IBM-Schiene "groß" geworden sind, sehen wir unsere Zukunft vor allem hinsichtlich der uns immer wichtiger werdenden PC Vernetzung bei diesem neuen Modell. So sind bei uns zum Beispiel im Telefonverkauf jetzt schon PC-Installationen in Planung, die vernetzt werden und mit dem Host korrespondieren sollen. Zwar gibt es dabei noch einige Variationsmöglichkeiten, fest steht jedoch, daß wir für derartige Projekte keine "veralteten" PCs oder gar Kompatible anschaffen werden.

Dies bedeutet allerdings nicht, daß wir andere Anbieter künftig außen vor lassen wollen. Sicherlich wird es in den kommenden Jahren auch zu dem /2-30-Modell Neuankündigungen von Mitbewerbern geben, die Verbesserungen enthalten. Derzeit jedoch gibt es noch keine Alternative zu dem neuen Modell.

Der neue Betriebssystem-Standard, den IBM einführen will, ist für uns zur Zeit hingegen noch kein Thema. Nicht nur, daß sich das Problem des neuen Standards OS/2 für uns in den nächste n Monaten nicht stellt, da kein Bedarf existiert. Wir brüten auch nicht über ungelegten Eier. Außerdem sind die bisherigen Informationen über das neue Betriebssystem zu spärlich, als daß es sich lohnen würde, darüber nachzudenken. Deshalb werden wir ohne Druck abwarten, bis das OS/2 verfügbar ist, und dann prüfen, ob und was es für unser Unternehmen bringt.