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10.11.1998 - 

Von Professional Services zu HP Consulting

Neuer Service-Unit bei HP folgt weltweite Beratertruppe

MÜNCHEN (gh) - Hewlett-Packard (HP), zuletzt wegen eher mäßiger Geschäftszahlen in den Schlagzeilen, steht vor tiefgreifenden strukturellen Veränderungen. Nach der vor kurzem bekanntgegebenen Bündelung aller Serviceaktivitäten in einer Business Unit wartet der IT-Gigant nun auch mit einer einzigen, weltweit operierenden Beratungsorganisation auf.

Das Problem ist seit längerem bekannt, eskalierte jedoch in den vergangenen neun Monaten aufgrund enttäuschender Quartalsergebnisse: HP ist noch immer ein primär Hardware-orientiertes Unternehmen, das sich als diffus organisiert darstellt und demzufolge schlecht im Wettbewerb aufgestellt ist. Vor allem aber konnten sich die Kalifornier - anders als etwa der große Wettbewerber IBM - bisher keinen großen Namen im weltweiten Geschäft mit IT-Services machen. Mangels klarer und im Markt nachvollziehbarer Konturen fehlte bis dato der Anstrich eines externen Service-Anbieters - zu viele HP-Köche verdarben bei der Kundschaft oft den Brei. Hinzu kam das Manko, mit dem Image einer "produktgetriebenen" Company behaftet zu sein.

Vor rund zwei Wochen reagierte HP deshalb mit einer Art Rundumschlag. Der bisherige Konzernbereich Enterprise Systems Group, in dem das gesamte Desktop-, Workstation- und Server-Geschäft angesiedelt ist, sowie die Software and Services Group wurden zu einer neuen Division namens Enterprise Computing Solutions zusammengefaßt. Rund 44 000 HP-Mitarbeiter sind künftig, wie HP-Chef Lewis Platt die Restrukturierung kommentierte, weltweit für das Implementieren "integrierter Lösungen" beim Kunden verantwortlich. Die Produkt- und Servicepalette der neuen Business Unit, die mit einem addierten Umsatzvolumen von 15 Milliarden Dollar startet, umfaßt nahezu das gesamte professionelle Anwender adressierende HP-Spektrum - also Hardware, Software, Systemintegration und Services, Outsourcing, Wartung und Support sowie Beratung und Schulung.

Innerhalb der im Bereich Enterprise Computing Solutions zusammengefaßten Aktivitäten wurde nun eine weitere weltweit operierende Geschäftseinheit installiert: "HP Consulting". Die etwa 5000 Mitarbeiter starke Beratertruppe soll den bisherigen HP-Bereich "Professional Services Organization" (PSO) ablösen und als eine Art Speerspitze bei den Großkunden, den sogenannten Big Accounts, sowohl das beratungsintensive Produkt- und Produktfolgegeschäft als auch das umfangreiche HP-Angebot an herstellerübergreifenden IT-Services koordinieren.

Funktionieren soll dieser ehrgeizige Ansatz mit Hilfe einer neuen, weltweit aufgesetzten Matrix-Organisation. So wurden zum einen fünf Schlüsselbranchen (Automobilindustrie, Banken und Versicherungen, Telekommunikation und Behörden, Transport- und Prozeßindustrie sowie Handel und Fertigungsindustrie) definiert. Diese werden künftig im Rahmen von insgesamt zehn von HP besetzten IT-Servicebereichen von den für das jeweilige Segment zuständigen Consultants global betreut (siehe Abbildung auf Seite 63). Zu den HP-Consulting-Angeboten zählen das Management von Client-Server-Architekturen, die Planung, Implementierung sowie der Betrieb unternehmensweiter Messaging-Lösungen oder auch Integrationsleistungen in Anwendungsgebieten wie Enterprise Resource Planing (ERP) oder Supply Chain Management.

Mit der Restrukturierung ist, wie es bei HP heißt, sichergestellt, daß das Know-how in besagten Servicebereichen weltweit einheitlich zur Verfügung steht. HP-Manager Rombach war bemüht, diese auf den ersten Blick eher verwirrende Organisationsform mit der griffigen Formel "weltweite Konsistenz des Angebots - schnelle Umsetzung von Konzepten und Lösungen durch Fokussierung auf Branchen und Zukunftsthemen" zusammenzufassen. Für die von HP verstärkt ins Visier genommenen großen Anwenderunternehmen dürfte jedoch eher das neu entstandene "Front-end" interessant sein. So wird es zwar nach wie vor in den einzelnen Ländern die gewohnten Vertriebsbeauftragten und District-Manager geben. Diese müssen aber künftig ihr "Revier" mit sogenannten Client-Business-Managern teilen. Letztere fungieren quasi als Schnittstelle der neuen Division Enterprise Computing Solutions zum Markt und sollen immer dann auf den Plan treten, wenn ein sich anbahnendes Geschäft größere Dimensionen als die bloße Lieferung von Produkten annimmt.

In einem nächsten Schritt werde dann, wie Rombach erläuterte, HP-intern entschieden, wie der Kunde weiter zu betreuen sei. Handelt es sich um die vorhin skizzierten Beratungs- und Integrationsservices sowie Schulung und Finanzierung, geht das Projekt beziehungsweise der Auftrag in den Verantwortungsbereich von HP Consulting über. Für klassische IT-Services wie Outsourcing, Hardware- und Softwaresupport oder Netzdienste sind indes andere Teams innerhalb der neu zusammengewürfelten Division Enterprise Computing Solutions zuständig.

Klarer als die neuen HP-Strukturen im IT-Service- und -Beratungsgeschäft sind in jedem Fall die Ziele der Kalifornier. So soll unter anderem der Bereich HP Consulting, der mit seinem Serviceportfolio derzeit für rund 1,8 Milliarden Dollar Umsatz gut ist, schneller als der weltweite IT-Servicemarkt wachsen - minimum also 20 Prozent jährlich. Für die gesamte, übergreifende Division Enterprise Computing Solutions dürfte ähnliches gelten. Grundsätzlich werde man, so Rombach, noch stärker auf die Zusammenarbeit mit anderen Herstellern (im Softwarebereich sind dies bekanntlich vorwiegend SAP und Microsoft) und Dienstleistern beziehungsweise Beratungshäusern wie Andersen Consulting setzen. Neben Großkunden in der Industrie wolle HP dabei auch verstärkt den Mittelstand ansprechen. Allerdings will sich Hewlett-Packard auch in Zukunft nicht als "klassischer Systemintegrator ê la EDS" positionieren.