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23.05.1986 - 

Flexible Fertigungssysteme und CADCAM-Lösungen im Mittelpunkt des DDR-Angebots:

Neues Comecon-Abkommen prägte Leipziger Messe

Ende 1985 unterzeichneten die Comecon-Länder ein Komplexprogramm über die wissenschaftlich-technische Entwicklung bis zum Jahr 2000. Damit war der Rahmen für die diesjährige Leipziger Frühjahrsmesse festgelegt: Vorstellung erster Beiträge für die geplante Elektronisierung und Automatisierung auf Basis neuer Produktionsausrüstungen und Anwendungslösungen. Speziell für die DDR wurde die gezielte Nutzung von Schlüsseltechnologien noch einmal auf dem XI. Parteitag der SED besonders deutlich unterstrichen.

Wie das gewählte Messethema "Hochproduktive material- und arbeitszeitsparende Ausrüstungen und Technologien des Maschinenbaus" zeigte, standen auch in diesem Jahr neue Spitzentechnologien und Anwendungslösungen im Mittelpunkt des DDR-Interesses: die Vorstellung einsatzfähiger flexibler Fertigungssysteme und CAD/CAM-Lösungen auf Basis der verfügbaren Rechen- und Steuerungstechnik sowie die geplante Integration von Komponenten der Produktionsautomatisierung, der Nachrichtenelektronik und der Rechentechnik in leistungsfähigen Informationssystemen. Besonders für die Elektrotechnik und Elektronik der DDR bot sich wiederum eine Gelegenheit, das in Anpassung an den vorgegebenen internationalen Trend von Technologieentwicklung und -anwendung inzwischen realisierte Leistungsvermögen darzustellen.

Schwerpunkt des Messeangebotes des Werkzeugmaschinenbaus der DDR, repräsentiert durch die beiden Kombinate "7. Oktober", Ost-Berlin, und "Fritz Heckert", Karl-Marx-Stadt, waren flexible Fertigungssysteme. Demonstriert wurden Anwendungen für die Bearbeitung prismatischer Werkstücke, Bearbeitungszentren sowie Fertigungszellen und

-linien, ausgestattet mit neuen Steuerungskomponenten, Palettenstationen und Portalrobotern und zum Teil ergänzt durch schienen- und leitliniengeführte Transportfahrzeuge für die automatisierte Handhabung von Werkstücken, Werkzeugen und Vorrichtungen, durch automatische Meßsysteme und automatisierte Lagersysteme. Die gezeigten Fertigungssysteme waren durchgehend modular gestaltet. Zu den Funktionsmodulen zählten unter anderem elektronische Steuerungen, CAD/CAM-Einrichtungen, Komponenten der Kommunikations- und Rechentechnik als Grundlage für eine informationstechnische Systemverknüpfung sowie verschiedene periphere Einrichtungen.

Ergänzt wurde das Spektrum von Exponaten des Werkzeugmaschinenbaus insbesondere durch verschiedene Steuerungskomponenten aus dem Kombinat Automatisierungsanlagenbau Ost-Berlin. Die Erzeugnispalette dieses Kombinats reicht von speziellen CAD/CAM-Arbeitsplätzen im Automatisierungs- und Elektroenergieanlagenbau über mikroelektronische Steuerungen für Werkzeugmaschinen und Industrieroboter, Komponenten der Antriebstechnik, bis hin zur Transportautomatisierung. Aus diesem Programm wurden gezeigt:

- für die Automatisierung kontinuierlicher verfahrenstechnischer Prozesse das modulare, multivalent einsetzbare Prozeßleitsystem "audatec", erweitert um binäre Steuerungen;

- für automatisierte Projektierung und Entwurf von Elektroenergiesystemen ein CAD/CAM-Arbeitsplatz;

- ein leitliniengeführter Transportroboter sowie

- die speicherprogrammierbaren Steuerungen MRS 702 und MRS 703.

Weitere Anwendungsbeispiele einer Automatisierung technologischer Prozesse stellte das Kombinat Elektro-Apparate-Werke Berlin-Treptow vor. Hierzu zählten insbesondere der Mikrorechner-Arbeitsplatz P 8000 für Konstruktion und Schaltungsentwurf mit der Dokumentation des Softwaresystems. In Verbindung mit der Kompaktsteuerung S 2000 sowie mit weiteren Geräten aus dem Erzeugnisprogramm dieses Kombinats wurde sein Einsatz in der Fertigungstechnologie demonstriert. Mit solchen und weiteren in Leipzig gezeigten Beispielen einer Produktionsautomatisierung glaubt man die ersten Grundlagen für die hochgesteckten Ziele der zunächst bis 1990 zum Ende des angelaufenen Fünfjahresplans geplanten umfassenden Automatisierung und Elektronisierung der DDR-Wirtschaft gelegt zu haben.

Zu den vorgesehenen Automatisierungs- und Elektronisierungsvorhaben wurden sowohl von Willi Stoph als auch von Erich Honecker auf dem XI. Parteitag der SED Mitte April konkrete Entwicklungsdaten genannt. So sollen in den Kombinaten des Maschinenbaus und der Elektrotechnik/Elektronik bis 1990 mindestens "60 flexible Fertigungsabschnitte" und "35 komplexe Automatisierungsvorhaben in anderen Zweigen" realisiert werden. Der Gesamtbestand der zu installierenden Industrieroboter (Ende 1985 rund 57 000) will man ebenfalls bis 1990 auf 75 000 bis 80 000 Stück, darunter 10 000 bis 12 000 prozeßflexible Roboter, erhöhen. In Anpassung an das Komplexprogramm der RGW-Länder über die wissenschaftlich-technische Entwicklung bis zum Jahr 2000 (vergleiche hierzu COMPUTERWOCHE Nr. 12 vom 21. März 1986) wird vor allem in den Kombinaten volkswirtschaftlich wichtiger Industriezweige (Chemie, Maschinenbau, Elektrotechnik, Elektronik) mit der Realisierung flexibler Fertigungssysteme eine "durchgehende Automatisierung" angestrebt. Ziel der DDR-Planungen ist es, auch in solchen Bereichen, in denen nach Angaben der DDR der durchschnittliche Automatisierungsgrad noch weit unter dem Durchschnitt liegt (Beispiel: Schwerindustrie), die neuen Technologien wirksam einzusetzen.

Die CAD/CAM-Offensive der DDR

Ohne Zweifel waren die Entwicklung und die Nutzung von CAD/CAM-Lösungen auf der Grundlage der verfügbaren Rechentechnik ein zentrales Messethema. CAD/CAM-Arbeitsplätze auf Mikrorechnerbasis wurden erstmals vom Kombinat Robotron auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1984 vorgestellt. Rund ein Jahr später bildete diese für die DDR noch relativ neue Form der rechnergestützten Konstruktion und Fertigung im Rahmen der Einführung flexibler Fertigungssysteme und in Anpassung an die in führenden westlichen Industrieländern bereits realisierte Fertigungsautomatisierung einen wesentlichen Eckpfeiler der Elektronisierungs- und Automatisierungsstrategie der Partei- und Wirtschaftsführung. Besonders die Industriekombinate waren aufgefordert, bis zum XI. Parteitag der SED den Einsatz von CAD/CAM-Systemen vorzuweisen. Bereits ab Ende vergangenen Jahres setzte daher in der Industrie eine großangelegte CAD/CAM-Kampagne ein. Im Rahmen eines von der Partei- und Wirtschaftsführung zentral gesteuerten "sozialistischen Wettbewerbs" meldeten die meisten Kombinate bis zum Beginn des Parteitages im Zentralorgan der SED "Neues Deutschland" den Vollzug von ersten Rationalisierungslösungen beziehungsweise die Planung und Vorbereitung angestrebter Automatisierungskonzepte mit Hilfe von CAD/CAM. Wie es dann schließlich hieß, wurden im ersten Quartal 1986 nicht nur 5266 Büro- und Personalcomputer produziert und 3575 Industrieroboter hergestellt, sondern "in Vorbereitung des Parteitages" 2273 CAD/CAM-Arbeitsstationen in Betrieb genommen.

Hard- und Software für CAD/CAM stammen aus dem Kombinat Robotron Dresden. Angeboten werden derzeit CAD/CAM-Systeme auf Basis folgender Robotron-Rechner:

- 8-Bit-PCs Robotron 1715 und 16-Bit-Arbeitsplatzcomputer A 7100,

- 8-Bit-Bürocomputer der Typen A 5120 und A 5130,

- Basisrechnersysteme A 6401 und A 6402 (Verarbeitungsbreite 16 Bit parallel) sowie

- Universalrechner des ESER (einheitliches System der elektronischen Rechentechnik), und zwar insbesondere die neue Robotron-EDVA EC 1056.

Bestandteil dieser CAD/CAM-Systeme sind zudem verschiedene Peripheriegeräte, die auch auf der Leipziger Messe vorgestellt wurden: neu- und weiterentwickelte Plotter für die Formate A2 und A3, Digitalisiergeräte mit Spracheingabe, interaktive grafische Terminals und Drucker.

Derzeitige Einsatzschwerpunkte von CAD/CAM sollen sein: rechnergestütztes Zeichnen, Entwerfen und Projektieren, Variantenkonstruktion sowie Berechnen von Teilen, Baugruppen und Erzeugnissen. Wie hierzu eingeräumt wurde, befindet man sich in der DDR im internationalen Vergleich noch am Anfang der Nutzung von C-Techniken, glaubt jedoch, noch während der laufenden Fünfjahrplanperiode bis 1990 den Anschluß an das internationale Niveau realisieren zu können. Um nicht nur die von der Partei- und Wirtschaftsführung der DDR festgelegte CAD/CAM-Offensive durchzusetzen, sondern die auch noch immer bestehende Rechnerknappheit beseitigen zu können, sollen nach den Parteitagsforderungen bis 1990

- 160 000 bis 170 000 Büro- und Personalcomputer,

- 1900 bis 1950 Kleincomputer sowie

- 660 bis 670 DV-Anlagen produziert und eingesetzt werden.

Auf einer solchen nach und nach zu realisierenden Hardwarebasis sehen die langfristigen Planungen darüber hinaus bis 1990 den Einsatz von 85 000 bis 90 000 CAD/CAM-Arbeitsstationen vor. Wie in Leipzig zu erfahren war, soll für künftige CAD/CAM-Lösungen verstärkt der Arbeitsplatzcomputer A 7100 genutzt werden. Mit dessen Serienproduktion will man laut Robotron-Ankündigungen in diesem Jahr beginnen. Obwohl auch der neue ESER-Rechner EC 1056 bereits im Kombinat Kabelwerke Oberspree arbeitet, ist der Beginn seiner Serienproduktion ebenfalls im Verlauf dieses Jahres vorgesehen. Er gilt als Nachfolgemodell des Robotron-Rechners EC 1055 M und soll zunächst noch parallel mit diesem produziert werden.

Bereits im Herbst 1984 berichtete die DDR-Fachpresse erstmals über den neuen Rechner. Fast ein Jahr lang herrschte danach Stillschweigen über dessen Produktion und Einsatz. Ab Ende 1985 gab es dann neue Hinweise über den Einsatz von ersten Modellen aus der Vorlauffertigung. Wie der sowjetische ESER-Rechner EC 1036 zählt auch die neue DDR-EDVA zu den Rechnern der dritten Entwicklungsreihe des ESER. Kennzeichen sind unter anderem neue Schaltkreistechnik und neuentwickelte Betriebssysteme. Die Operationsgeschwindigkeit der Zentraleinheit des EC 1056 beträgt nach dem ESER-Systemmix rund 0,5 Mips (Millionen Instruktionen pro Sekunde). Auf der Messe war der Rechner nicht zu sehen, auch fehlte es an Informationsmaterial.

Zu den weiteren auf der Leipziger Frühjahrsmesse vorgestellten Rechnern zählte der bereits aus dem Vorjahr bekannte 8-Bit-PC 1715, eine ausgebaute Version des Bürocomputers A 5130, ausgerüstet mit vier Diskettenspeichern, Magnetbandgerät und EPROM-Programmiereinrichtung, sowie der Kleincomputer KC 85/1 für Lehre und Ausbildung, der Nachfolger des 1984 in Leipzig vorgestellten ersten Robotron-Heimcomputers Z 9001. Besonders seiner inzwischen verfügbaren Drucktechnik (Serien-, Matrix- und Thermodrucker) räumt Robotron auch im internationalen Preis-Leistungs-Vergleich eine günstige Stellung ein. In Hannover (CeBIT) wurde der Einsatz von Robotron-Druckern zum Beispiel in Verbindung mit dem Commodore C 64 demonstriert.

Aufgrund der bisher gewonnenen Erfahrungen glaubt man, besonders auf den Gebieten der Druck- und Schreibtechnik in der Bundesrepublik Deutschland, aber auch in anderen westlichen Ländern trotz des spürbaren Konkurrenzdrucks den Absatz ausweiten zu können. Langfristig ist daran gedacht, "gemeinsame Vertriebsgesellschaften" zu gründen, um den Absatz von Robotron-Erzeugnissen zu fördern.

In Pressegesprächen wiesen Robotron-Vertreter insbesondere auch auf die Bereitstellung von CP/M-kompatiblen Betriebssystemen für die Personal-, Büro- und Arbeitsplatzcomputer mit 8 und 16 Bit Verarbeitungsbreite hin. Man betonte hierbei ebenso die Verfügbarkeit von Compilern beziehungsweise Interpretern für diese Rechner wie die inzwischen entwickelte Standardsoftware für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und die Arbeit mit Datenbanken. Für den Aufbau relationaler Datenbanken werden seit einiger Zeit die Anwendungslösungen "DABA 1600" und "RADABAS" den Nutzern von Robotron-Mikros angeboten.

Lokales Netz mit Electronic-Mail

Als spezielle Anwenderlösung demonstrierte Robotron auf der Frühjahrsmesse die "Büroautomatisierung mit lokalem Netz". Das Programm umfaßte unter anderem

- den Einsatz intelligenter Netzcontroller,

- Übertragung von Dateien und Nachrichten,

- lokale Textverarbeitung bei interaktivem Dialog mit anderen Stationen,

- Informationsrecherche in zentral gespeicherten Datenbeständen als Beispiel für Leitungsinformations- und CAD-Anwendungen sowie

- Electronic-Mail.

Software für Datenkommunikation, Datenfernverarbeitung und Rechnerkopplung wird seit einiger Zeit ebenfalls in dem Softwarehaus des Kombinats Robotron, dem VEB Robotron-Projekt Dresden, entwickelt und angeboten. Dem verbesserten Hard- und Softwareangebot stehen zur Zeit nach den Worten von Professor Weiß von der Technischen Hochschule Leuna-Merseburg noch zuwenig Spezialisten für die Arbeit mit CAD/CAM-Systemen gegenüber. Wie Weiß in der in Halle erscheinenden SED-Zeitung "Freiheit" einräumte, könne selbst die steigende Zahl von Informatikstudenten die bestehende Lücke so schnell nicht füllen.

Trotz solcher Engpässe sehen die DV-Einsatzplanungen den Aufbau rechnergestützter Leitungsinformationssysteme in nunmehr allen Kombinaten der DDR-Industrie vor. Diese sollen gekennzeichnet sein durch folgende Integrationsformen:

- Datenintegration (integrierte Informationsverarbeitung) mit Hilfe einer Datenbank und eines Datenbank-Betriebssystem zur Unterstützung einer übergreifenden Verknüpfung betriebswirtschaftlicher Funktionsbereiche und für eine Verkettung von zu bearbeitenden Vorgängen;

- Funktionsintegration, also Vereinigung von Datenerfassung und Datenverarbeitung zur Dialogverarbeitung;

- Integration von Daten- und Textverarbeitung insbesondere auf Basis arbeitsplatzorientierter Informationsverarbeitungstechniken;

- Integration von Datenverarbeitung und Produktionsautomatisierung (rechnergestützte Produktionsvorbereitung, -kontrolle und -steuerung unter Einbeziehung flexibler Fertigungssysteme, von CAD/CAM-Arbeitsplätzen, Industrierobotern und CNC-Maschinen);

- netzintegrierte Informationsverarbeitung und -übertragung.

Heimcomputer nur für Bildungseinrichtungen

Von der geplanten Produktionsausweitung auf dem Computersektor bleibt die Heimcomputer-Entwicklung wohl noch weitgehend unberührt. Interessierte Computerfreaks in der DDR können daher auch in der nächsten Zukunft im Fachhandel keine Heimcomputer für den privaten Gebrauch erwerben. Die beiden derzeit in den Kombinaten Mikroelektronik Erfurt und Robotron Dresden produzierten Geräte werden "der gesellschaftlichen Notwendigkeit" entsprechend nur für Bildungseinrichtungen bereitgestellt. Bei einem Expertengespräch des DDR-Fernsehens im März wies ein Robotron-Sprecher darauf hin, daß derartige Computer vorrangig für die Ausbildung in Schulen, Hochschulen und Universitäten sowie für die Weiterbildung in den Betrieben vorgesehen sind. Somit bleiben die meisten interessierten Jugendlichen auf die Computerkabinette angewiesen, die gegenwärtig in der DDR eingerichtet werden. Doch bis jetzt gibt es nur einige wenige dieser Einrichtungen, und deren Aufnahmekapazitäten sind begrenzt, so da nicht alle eingegangenen Anmeldungen für die organisierten Computerkurse berücksichtigt werden konnten. Der Computerbegeisterung werden in der DDR zusätzliche Grenzen gesetzt, weil es im Handel an elektronischen Bausätzen mangelt. Wie es aus der DDR hierzu hieß, wurden daher elektronische Bauelemente sogar aus Personenaufzügen montiert, um diese dann für den Aufbau selbstgebastelter Computer zu verwenden.

Wie es auf der von Robotron Dresden und Nachrichtenelektronik Leipzig gemeinsam veranstalteten Pressekonferenz hieß, hat sich auch die Nachrichtenelektronik der DDR auf die Zielstellungen des neuen Fünfjahrplanes eingestellt. Nach der "Direktive des Parteitages" soll nicht nur das bisherige Entwicklungstempo dieses Industriezweiges erhöht, sondern ebenso "der Übergang auf digitale Nachrichtentechnik für ausgewählte Geräte und Softwarekomplexe" vollzogen werden. Im Mittelpunkt der bis 1990 festgelegten Zielstellungen steht die Vorbereitung der Verknüpfung bisher selbständiger, aber auch neuer Dienste, wie Sprachkommunikation, Fernkopieren, Fernschreiben, Daten- und Bildübertragung zu einem effektiv arbeitenden Gesamtsystem. Bereits auf der Pressekonferenz der beiden obengenannten Kombinate wurde sowohl die Notwendigkeit einer von beiden Kombinaten getragenen Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionsstrategie betont, als auch auf verschiedene in nächster Zeit zu erwartende Erzeugnisse und Aktivitäten hingewiesen.

Im gegebenen Zusammenhang wurde ebenfalls bekanntgegeben, daß sich zur Zeit zum Beispiel Geräte für Telefax sowie hierzu notwendige Endgeräte in der Phase der Produktionsvorbereitung befänden. Besonders die "Neuen Dienste" im Bereich der Bürokommunikation wolle man zu einem neuen Schwerpunkt einer Fertigungskooperation ausbauen. Als ein Beispiel einer solchen Kooperation nannte ein Pressereferent des Kombinates Nachrichtenelektronik vor allem das auf der Frühjahrsmesse vorgestellte Demonstrationsobjekt eines lokalen Netzverbundes für Büroautomatisierung und CAD/CAM. Dieses Netz ordnet sich nach Robotron-Informationen in das langfristig angelegte Datenfernverarbeitungskonzept der Kombinate Robotron und Nachrichtenelektronik Leipzig ein. Mittelfristig wird darüber hinaus angestrebt, über Gateway-Einheiten künftig dem Nutzer des lokalen Netzes einen Zugang zu öffentlichen Nachrichten- und Kommunikationssystemen des Kombinates Nachrichtenelektronik und überbetrieblichen, paketvermittelt arbeitenden Rechnernetzen zu ermöglichen.

In Leipzig beschränkte sich das Kombinat Nachrichtenelektronik auf gegenwärtig realisierbare Geräte. Zu diesen zählte zunächst die digitale Nebenstellenzentrale NZ 400 D, eine speicherprogrammierte Anlage mit einer Anschlußkapazität von bis zu 128 Anschlußeinheiten. Ihr Systemkonzept gilt nach Messeberichten als modular strukturiert. Das ebenfalls vorgestellte digitale Lichtleiterübertragungssystem PCM 480 LINS dient zur Übertragung von 480 Telefoniekanälen über Lichtwellenleiter. Wie es hieß, kann es in städtischen Netzen als Nahverkehrssystem oder im Fernverkehr bis 120 Kilometer eingesetzt werden.

Das Bilderkennungssystem BES 2000 zur prozeßnahen Signalgewinnung ist für eine Binärbildauswertung auf Mikrorechnerbasis (Robotron) bestimmt. Mit ihm lassen sich Bilderkennungsaufgaben mittlerer Kompliziertheit lösen. Als optische Sensoren zur prozeßnahen Signalgewinnung dienen CCD-Zeilenkameras. Als Grundkomponenten für den Aufbau von Informationsnetzen wurden schließlich der mikroprozessorgesteuerte Sende- und Empfangsfernschreiber F 2000 (modularer Geräteaufbau, ausgerüstet mit elektronischem Textspeicher, Kurzwahleinrichtung und Multiprozessorsteuerung) sowie das Datenmodem VM 2400 für den Anschluß von Datenendgeräten an betriebliche oder öffentliche Netze vorgestellt.

Ausgangsgrundlage für den Gesamtkomplex der geplanten Elektronisierung und Automatisierung bildet ohne Zweifel die Mikroelektronikindustrie der DDR. Sie wird repräsentiert an erster Stelle durch das Kombinat Mikroelektronik Erfurt und die beiden Kombinate Keramische Werke Hermsdorf und Elektronische Bauelemente Teltow. Von deren Leistungsvermögen wird es abhängen, ob und in welchem Umfang sich die geplanten Zielstellungen der Elektronisierung und Automatisierung realisieren lassen. Nach den Festlegungen der Parteitagsdirektive soll zunächst bis 1990 das gegenwärtige Schaltkreissortiment erheblich erweitert werden. Im Mittelpunkt dieser Bemühungen stehen insbesondere die Entwicklung und Produktion von 16- und 32-Bit-CPUs, optoelektronischen Bauelementen für die Lichtleiterübertragungstechnik, Sensoren und Aktoren sowie von oberflächenmontierbaren Bauelementen. Verstärkt sollen aber auch kundenspezifische MOS-Schaltkreise gemeinsam mit den Anwendern entwickelt und produziert werden.

Zu den Hauptzielen des Mikroelektronikprogramms der SED zählt jedoch das Megabit-Projekt, welches in die Megabit-Planungen des RGW voll integriert ist. Anders als bei den führenden westlichen Schaltkreisherstellern wird es der DDR kaum darum gehen können, möglichst frühzeitig mit ersten Megabit-Speichern in Erscheinung zu treten, sondern zunächst den komplizierten Prozeß der Herstellung dieser Speichertechnik zu beherrschen.

Megabit Speicher auch in der DDR

Nach offiziellen Bekundungen wurden 1985 mit den im Kombinat Carl Zeiss Jena hergestellten Spezialausrüstungen die Voraussetzungen für die Produktion eines Ein-Megabit-Speichers geschaffen. Völlig offen bleibt dagegen, wann man im Kombinat Mikroelektronik Erfurt mit der Produktion dieses Speichers beginnen will. Die bereits jetzt angelaufenen weiteren Aktivitäten von Carl Zeiss Jena sind ebenfalls nach offiziellen Mitteilungen auf die Entwicklung und Bereitstellung von Ausrüstungen für die Produktion des Vier-Megabit Speichers gerichtet. Noch geht es aber darum, die Produktion des 64-KB-RAM-Speichers besser als bisher zu beherrschen, die Produktionsausbeute dieses Speichers deutlich zu erhöhen und die Produktion des 256-KB-RAM-Speichers in diesem Jahr im Kombinat Mikroelektronik Erfurt vorzubereiten.

Schwerpunkt der auf der Frühjahrsmesse vorgestellten Erzeugnisse des Kombinates Mikroelektronik Erfurt, des führenden Schaltkreisherstellers der DDR, waren in diesem Jahr CMOS-Gate-Arrays des IC-Systems U 5200 sowie integrierte Schaltungsanordnungen des ISA-Systems für digitale und analoge Anwendungen. In einem Kleincomputerzentrum innerhalb des Messestandes wurde darüber hinaus eine Auswahl von DDR-Mikrocomputern vorgestellt, die auf 8- und 16-Bit-Mikroprozessorsystemen des Kombinates Mikroelektronik basieren. Das Kombinat Elektronische Bauelemente Teltow zeigte dagegen aus seinem derzeitigen Produktionsprogramm unter anderem Widerstände, Kondensatoren, Leiterplatten sowie Tasten und Schalter.

Nicht nur die DDR, sondern auch die anderen RGW-Länder sehen sich gezwungen, den Automatisierungsgrad ihrer Wirtschaft deutlich zu erhöhen. Besonders die Sowjetunion hat sich hierbei hohe Ziele gesetzt, was vor allem Gorbatschow auf dem XXVII. Parteitag der KPdSU im März dieses Jahres zum Ausdruck brachte. In Anpassung an das Hauptthema der Messe wurden fast alle Messeexponate sowohl der UdSSR als auch der übrigen RGW-Länder als "Branchenkomplex Elektrotechnik, Automatisierungs- und Informationstechnik" vorgestellt.

Insgesamt zwölf ungarische Außenhandelsbetriebe stellten in den Branchen Elektrotechnik, Automatisierungstechnik, Nachrichtentechnik sowie Datenverarbeitung und Bürotechnik eine breite Palette von Erzeugnissen und Anwendungslösungen vor. Hierzu zählten insbesondere weiterentwickelte Fernsprech-Nebenstellenanlagen, eine Satelliten-Empfangsstation, ein rechnergesteuertes Bearbeitungszentrum für die Automatisierung von Produktionsprozessen, CNC-Werkzeugmaschinen sowie schließlich von dem Computerhersteller Videoton Personalcomputer einschließlich Peripherie, verschiedene Terminals sowie OEM-Erzeugnisse. Das Koordinierungsinstitut für Rechentechnik mit Sitz in Budapest, Szki, warb darüber hinaus sowohl für seine Anwendersoftware für Groß- und Kleinrechnersysteme als auch für seine Terminalemulationen und verwies dabei auf langjährige Erfahrungen und Erfolge. Mit einem umfangreichen Angebot präsentierte sich schließlich das bereits 1971 gegründete Systemhaus Comporgan, Budapest. Es bietet Messe-Informationen zufolge Software für sämtliche Computertypen (vom IBM-Rechner bis hin zum Commodore C 64) und die unterschiedlichsten Anwenderbereiche an.

Bulgarische Außenhandelsbetriebe (unter anderem Isotimpex) waren mit Komponenten flexibler Fertigungssysteme, so einem automatisierten Lagersystem, 8-Bit-Personalcomputern, rechnergestützten Präzisionsgeräten sowie einer Auswahl von elektronischen Bauelementen darunter Solarbauelemente und das modular aufgebaute Mikroprozessorsystem BK 1302, vertreten. Zu den von den polnischen Außenhandelsbetrieben Elwro und Elektrim als neu- und weiterentwickelt bezeichneten Erzeugnissen zählten Tischrechner und mikrorechnergesteuerte Geräte für unterschiedliche Einsatzzwecke. Neue CNC-Maschinen und Industrieroboter zur Realisierung der angestrebten Produktionsautomatisierung sollten dagegen einen Eindruck von dem gegenwärtigen Stand des polnischen Werkzeugmaschinenbaus vermitteln.

Die tschechoslowakischen Aussteller Kovo und ZSE zeigten in diesem Jahr unter anderem aktive und passive Bauelemente, ein Raster-Elektronenmikroskop, eine Halbleiterfernsehkamera und verschiedene elektronische Spezialgeräte. Aus dem Bereich des Werkzeugmaschinenbaus waren schließlich einige Neu- und Weiterentwicklungen zu sehen. Auch bei dem rumänischen Außenhandelsbetrieb Elektronum (DV- und Nachrichtentechnik) stand das diesjährige Messeprogramm zwar im Zeichen der Technologieplanungen des RGW, die vorgestellten Erzeugnisse unterschieden sich jedoch kaum von dem in den Vorjahren gezeigten Angebot, zu welchem CNC-Werkzeugmaschinen sowie rechnergestützte Steuerungs- und Kontrollkomponenten gehörten.

Wie Polen, die CSSR und Bulgarien wird auch Rumänien zur Verwirklichung des RGW-Komplexprogramms seinen speziellen Beitrag liefern müssen. Diese Länder werden aber kaum zu den tragenden Stützen dieses Programms zu zählen sein. Bereits während der Messe standen Handelsabkommen der DDR mit den anderen RGW-Ländern im Mittelpunkt der Messeberichterstattung der DDR-Medien. Bei den meisten der mit der Sowjetunion getätigten Abschlüsse handelt es sich um "gegenseitige Lieferungen",

So erfolgt für 240 Millionen Rubel der Austausch von Werkzeugmaschinen und für 260 Millionen Rubel der Austausch von elektronischen Datenverarbeitungsanlagen sowie Geräten der Büro- und Rechentechnik. Schließlich will die DDR für 30 Millionen Rubel Erzeugnisse der Fernmeldetechnik in die Sowjetunion liefern.

Klaus Krakat, Berliner Korrespondent der COMPUTERWOCHE.