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23.07.1982 - 

Business ReportApplication Development System (BRADS) von IBM:

Neues Dateiprogramm für System-123-Benutzer

Neben fertigen anwendungsprogrammen bietet IBM zur Unterstützung ihres Bürocomputers System /23 das Dateiprogramm BRADS III (Business Report/Application Development System) an, mit dem sich individuelle Auswertungen vornehmen oder auch einfache Programme selbst entwickeln lassen. Ebenso wie die fertigen Anwendungsprogramme soll es auch BRADS III dem ungeübten Erstbenutzer ermöglichen, nach einer relativ kurzen Lernphase mit dem System /23 zu arbeiten.

BRADS III basiert auf BRADS II, das 1980 für die IBM-Tischcomputer 5110/5120 angekündigt wurde. Gegenüber der Vorgängerversion bietet BRADS III Verbesserungen sowohl im Programm selbst als vor allem auch in seinem Anwendungskomfort. So sind alle Texte des Programms in deutscher Sprache gehalten, was dem angesprochenen Benutzerkreis - beispielsweise Handwerksbetriebe, Einzelhändler, Freiberufler - den Umgang mit dein System erleichtern dürfte. Mehr Komfort und damit mehr Bedienersicherheit erreichte man auch durch das Verwenden von Befehlstasten anstelle von Befehlscodes. Dabei wird jeweils am Bildschirm angezeigt, welche Tasten für das weitere Vorgehen zu betätigen sind. Auch das weitgehende Vermeiden von Basic-Anweisungen wirkt sich für den EDV-Laien positiv bei der Arbeit mit BRADS III aus.

Das Programm selbst bietet einen breiten Funktionsumfang, beispielsweise die Funktion "Kopieren von einer Datei in eine andere", die wählbare variable Gestaltung einer Druckausgabe oder das selbständige Entwerfen von Bildschirmmasken mit einem Maskengenerator als standardmäßigem Bestandteil. Das dem Programm zugrunde liegende Basic entspricht dem Basic des IBM-Systems /34.

Im weiteren Sinn läßt sich BRADS III als "Datenbasis" bezeichnen, da alle Datei-, Sortier- und Indexdefinitionen in einer Bibliothek gespeichert sind und der Zugriff auf die Dateien durch die festgelegten Definitionen wahlweise erfolgen kann.

BRADS eignet sich besonders für folgende Aufgaben:

- Das Definieren von Dateien und das Generieren eines Programms zur Datenerfassung oder für Änderungen.

- Das Auswerten von Dateien als Schnellabfrage nach vom Anwender festzulegenden Merkmalen und die Ausgabe der Ergebnisse über Bildschirm oder Drucker (Query). Auch Dateien aus den von IBM angebotenen Anwendungsprogrammen (Auftragsbearbeitung, Fakturierung, Finanzbuchhaltung etc.) lassen sich mit BRADS auswerten. - Das Entwickeln einer umfassenden Anwendungslösung mit vielfältigen Anforderungen an die Auswertung und die Darstellung (Report). Hierbei werden Basic-Programme generiert, die immer wieder aufgerufen werden können. Unterstützung für Anwendungslösungen gibt auch der Maskengenerator.

Der Anwendungsbereich von BRADS erstreckt sich somit, von der einfachen Abfrage über kleinere Statistiken, wie. Verkaufsergebnisse nach Kunden, bis zur Entwicklung einer kompletten Bestandsführung.

In der "großen" Datenverarbeitung würde man BRADS ein Query- und Report-Programm nennen, allerdings mit dem Unterschied, daß dort zu seiner Handhabung Kenntnisse in der Programmierung vorhanden sein müssen. Bei BRADS kann auf diese Voraussetzung bei der Query-Funktion zur Schnellabfrage ganz verzichtet werden; die Berichtsfunktion setzt ein gewisses EDV-Verständnis, das sich beim Arbeiten mit dem System erwerben läßt, voraus. Das Entwickeln von ganzen Anwendungen, beispielsweise als Ergänzung zu vorhandenen Programmen, wird durch Grundkenntnisse in der Basic-Programmierung erleichtert.

Randbedingungen

Zur Definition von Dateien in BRADS gelten folgende Randbedingungen:

- Eine Datei kann mehrere Satzarten enthalten.

- Ein Datensatz kann bis zu 100 einzelne Felder enthalten.

- Die maximale Feldlänge beträgt 40 Stellen.

- Einzelne Satzarten innerhalb einer Datei können unterschiedliche Längen haben.

Das Festlegen dieser Definitionen erfolgt im Dialog am Bildschirm und wird durch eine Bedienerführung vom Computer unterstützt. Die definierte Datei läßt sich mit Daten füllen. Ebenso können notwendige Ergänzungen oder Korrekturen vorgenommen werden.

Bei der Abfrage und Auswertung von Dateien lassen sich - die Bedingungen, nach denen die Daten ausgewertet werden sollen, vom Anwender festlegen;

- die Felder bestimmen, die angezeigt oder gedruckt werden sollen;

- zusätzlich zur Darstellung oder vorhandenen Feldinhalte auch einfache Berechnungen vornehmen.

Eine oder mehrere Abfragen, die wiederholt ausgeführt werden sollen, lassen sich zu einer sogenannten Ablaufprozedur zusammenfassen. Damit kann der Anwender unter einem Aufruf, der nur wenige Angaben erfordert, später immer wieder die gleiche Abfrage und Auswertung benutzen.

Beim Erzeugen von Berichten lassen sich

- bis zu zehn Ein- oder Ausgabedateien verwenden,

- je Bericht maximal zehn Bildschirmmasken anlegen,

- bei der Erstellung eines Berichtes umfangreiche Berechnungen vornehmen.

Zeitsparer

BRADS verfügt über Eigenschaften, die es als zeitsparendes Werkzeug auch für den EDV-Fachmann, beispielsweise den Berater, interessant machen. Diese Funktionen können zu einer höheren Produktivität bei Programmentwurf und -implementierung und damit zur Kostensenkung beitragen.

Die Möglichkeit, Prozeduren zu definieren, erlaubt es dem Anwendungsentwickler, im Rahmen des Dateiprogramms Funktionen, Berichte und Basic-Programme hintereinanderzuschalten und ablaufen zu lassen, ohne daß der Bediener eingreifen muß. Damit können später auch von unerfahrenen Bedienern komplexe Arbeiten erledigt werden. Alle Funktionen von BRADS lassen sich in Prozeduren einschließen und erübrigen damit das Erstellen vieler anwendungsbezogener Basic-Programme.

Um BRADS für solche fortgeschritteneren Aufgaben einsetzen zu können, sind Basic-Kenntnisse von Vorteil. Die Verwendung des Maskengenerators verlangt einige Basic-Grundlagen. Dann allerdings läßt sich die Produktivität des Anwendungsprogrammierers wesentlich erhöhen. Aus der Praxis sind Beispiele bekannt, die mit BRADS das Generieren von zehn Bildschirmmasken in einem halben Tag ermöglichten. Das ist weniger als ein Viertel des Aufwandes, der für die Programmierung in Basic aufgebracht werden mußte. Für das Generieren eines Reports benötigt man mit BRADS zwei bis drei Stunden; auch hier ist der Zeitaufwand im Vergleich zur Basic-Programmierung um gut zwei Drittel kleiner.

Über praktische Ergebnisse mit BRADS III kann noch nicht berichtet werden, da die Auslieferung erst für Juli 1982 vorgesehen ist. Doch gibt es Beispiele mit BRADS II, die sich auf das wesentlich komfortablere BRADS III übertragen lassen.

So wurde mit BRADS die computerunterstützte Verwaltung eines Teppichlagers mit rund 4000 Teppichen entwickelt. Über die mit BRADS angelegten Dateien läßt sich der Lagerort von Teppichen bestimmter Qualität und bestimmter Abmessungen ermitteln. Ein Schallplattenverlag entwickelte die Organisation seiner Plattentitel mit BRADS. Auf Anfrage läßt sich feststellen, welcher Interpret auf welcher Platte oder welches Stück auf welcher Platte zu finden ist. Ein weiteres Beispiel liefert eine Skischule in Bayern. Sie hat mit BRADS die Verwaltung ihrer gesamten Kurse und der Schüler organisiert. Auf den angelegten Dateien basiert auch die Abrechnung der Skilehrer, die nach Teilnehmerzahlen honoriert werden. Allen diesen Beispielen ist die mit BRADS erreichte höhere Transparenz beim Verwalten größerer Datenmengen gemeinsam.

Als Mindestkonfiguration für BRADS III wird ein System /23 mit einem Hauptspeicher von 64 KB und einem Diskettenlaufwerk für 1,1 MB (besser jedoch zwei, weil dann eine größere Datenmenge gespeichert werden kann) empfohlen. Außerdem ist ein Drucker und das Programm Sort erforderlich. Der Kunde erhält eine ausführliche Einführungsbroschüre mit zahlreichen Beispielen zum Selbststudium sowie die Diskette mit BRADS III, die auch eine Übungsdatei enthält. Die Lizenzgebühr (Einmalzahlung) für BRADS III beträgt 3090 Mark. Weitere Kosten entstehen nicht.

Um erste kleine Aufgaben erfolgreich mit BRADS bearbeiten zu können, kann schon ein Tag Einarbeitungszeit ausreichen.

*Werner Merse ist Mitarbeiter der IBM Deutschland GmbH.