Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

20.03.1987

Neues DOS mit herstellerspezifischen Varianten:MS - DOS - Nachfolger bedroht Kompatibilität

MÜNCHEN (CW) - Nun soll es endlich soweit sein: Microsoft kommt mit dem neuen Betriebssystem für Personal Computer. Die neue Version heißt "New DOS" oder auch "286 DOS" und beherrscht den Protected Mode des in den Maschinen der AT - Klasse verwendeten Prozessors. Auch Multitasking ist dann auf diesen Rechnern möglich, aber 286 DOS beendet möglicherweise auch die Ära kompatibler PCs.

Es gibt eine Reihe von Haken und Einschränkungen an diesem neuen Betriebssystem. Vor September dieses Jahres wird es der Anwender wohl kaum zu sehen bekommen. Zwar weigern sich Microsoft - Sprecher in den USA wie in Deutschland geschlossen und standhaft, einen verbindlichen Termin anzugeben, aber der Frühherbst dieses Jahres hält sich hartnäckig in den Gesprächszirkeln der Insider und wird von dem Softwarehaus auch nicht dementiert. Erste Anwendungsprogramme, die die Fähigkeiten von New DOS alias DOS 5.0 alias 286 DOS nutzen, wären somit nicht vor Mitte nächsten Jahres, zu erwarten. Immerhin hat das Kind schon seinen Namen: 286 DOS lautet die Microsoft - offizielle Bezeichnung, stellte der Geschäftsführer von Microsoft Deutschland, Joachim Kempin, klar.

Schwerer zu schlucken als der späte Liefertermin dürfte möglicherweise der Umstand sein, daß es lieferantenspezifische Versionen des Betriebssystems geben wird. Microsoft plant, das Betriebssystem an Rechnerhersteller auszuliefern, die dann ihre eigenen Gerätetreiber dazu erstellen. Wie Microsoft - Vizepräsident Steve Ballmer vor Journalisten in Redford mitteilte, wird ein solches DOS, das für die Hardware eines Herstellers konfiguriert wurde, nicht mehr auf der Hardware eines anderen Herstellers laufen; auch dann nicht, wenn beide Systeme nach dem zur Zeit geltenden Standard als kompatibel zu betrachten seien. So wird IBM eine Betriebssystemversion vermarkten, die zu derjenigen anderer Hersteller nicht mehr kompatibel ist.

Dazu erklärte Kempin, diese Maßnahmen seien erforderlich, da sich Multitasking -Systeme erheblich kritischer verhielten als die bisherigen Singletasking - Systeme. Mit herstellerspezifischen Gerätetreibern wolle das Unternehmen nicht das Ende der Kompatibilität einläuten, sondern im Gegenteil über das Betriebssystem definierte Schnittstellen zwischen Applikationsprogramm und Hardware - Ressourcen bereitstellen und einen direkten Zugriff des Anwendungsprogrammierers auf die Hardware verhindern. "Quick - and - dirty" Routinen sollen damit im Interesse der Vereinheitlichung der System -Calls zurückgedrängt werden.

Die tatsächliche oder vermutete Minderung der Kompatibilität ist nicht die einzige Einschränkung, die 286 DOS aufweist. Zwar wird im Protected Mode die Grenze von 640 Kilobyte für den Arbeitsspeicher endlich fallen, aber existierende Software wird im Multitasking nicht lauffähig sein. Solche Programme sind für die Prozessor - Betriebsart Real Mode geschrieben, und diese läßt mir Singletasking zu. Die Unverträglichkeit zwischen beiden Betriebsarten nannte Steve Ballmer in diesem Zusammenhang einen "Hirnschaden" des Intel - Prozessors 80286.

286 DOS wird dem Anwender einen Adreßraum von 16 Megabyte zur Verfügung stellen. Es unterstützt MS - Net wie auch MS - Windows. Die Anzahl der System - Calls erhöht sich von 95 bei gegenwärtigen Versionen auf zirka 190. Entsprechend wächst der Speicherbedarf: 286 DOS beansprucht zwischen 400 und 500 Kilobyte RAM für sich selbst. Für lediglich mit Floppylaufwerk bestückte Maschinen ist es daher ebensowenig vorgesehen wie für Systeme mit weniger als 1 MB Hauptspeicher. Auf Rechnern mit dem 32 - Bit -Prozessor 80386 wird es dem Vernehmen nach hingegen lauffähig sein, wie bisher auch MS - DOS - Anwendungen. Ein 386 DOS hingegen, das die 386 - Features wie etwa den großen linearen Adreßraum oder die virtuelle Adressierung voll nutzt, läßt weiter auf sich warten. Laut Microsoft ist mit einem speziellen 386 - Betriebssystem "irgendwann innerhalb der nächsten beiden Jahre" zu rechnen.