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25.08.2000 - 

UMTS verspricht das mobile Büro in der Tasche

Neues Handynetz erlaubt bessere Fernkontrolle von Maschinen

MÜNCHEN (hi) - Rund 25 Milliarden Mark kostet die Mobilfunker das Abenteuer UMTS. Investitionssummen, die die Netzbetreiber mit normalen Telefonaten kaum verdienen dürften. Deshalb sind sie mehr denn je auf neue Applikationen angewiesen.

Der Erwerb einer UMTS-Lizenz ist für die sechs Unternehmen nur die halbe Miete. Um Kunden zu gewinnen, müssen sie neue Anwendungen entwickeln. Unisono verweisen die Netzbetreiber gern auf die allgegenwärtigen Szenarien wie Picture-Messaging, also die Versendung von Bildern via UMTS-Handy, Videokonferenzen, lokalisierte Stadtdienste wie Restaurantführer oder interaktive Spiele. Bei Viag Interkom kann man sich darüber hinaus den Einsatz vom UMTS im SOHO-Bereich als Ersatz für eine schnelle Internet-Festnetzverbindung vorstellen. Aufsetzen könnte das Ganze auf der bereits heute bekannten Genion-Plattform, die laut Viag-Interkom-Mann Michael Rebstock das "Leib-und-Magen-Produkt des Konzerns ist". Im professionellen Segment setzt er ebenfalls auf die Karte Videoübertragung: Ein Architekt informiert sich künftig per UMTS-Endgerät visuell über den Fortschritt eines Bauobjekts, oder ein Immobilienhändler nimmt seine Kunden per UMTS auf einen virtuellen Rundgang durch die in Frage kommenden Objekte mit. Ein anderes Einsatzszenario haben sowohl Viag Interkom als auch T-Mobil im Bereich der Medizin ausgemacht. So könnten etwa die Einsatzkräfte bei einem Unfall per UMTS bereits vor ihrem Eintreffen über das Geschehen vor Ort informiert werden, um ihre Ressourcen besser einplanen zu können. Nach der Bergung der Verunglückten würde dann der Rettungswagen per Handy-netz laufend die Daten der wichtigsten Vitalfunktionen ins Krankenhaus senden und den Ärzten so beispielsweise eine effiziente Operationsvorbereitung erlauben. Philipp Schindera von T-Mobil kann sich außerdem einen Einsatz auch im privaten Bereich vorstellen: etwa einen Herzschrittmacher, der über Bluetooth an das UMTS-Endgerät angeschlossen ist und den Arzt fortlaufend über den Zustand des Patienten informiert.

Ingesamt sieht der T-Mobil-Mann gerade in der Kontrolle und Überwachung von Maschinen ein großes Einsatzpotenzial. Können heute beispielsweise die Parkscheinautomaten der Stadt Köln aufgrund der geringen Datenübertragungsraten der GSM-Netze lediglich per SMS mitteilen, ob sie noch genügend Papier und Wechselgeld haben, wäre mit UMTS eine kontinuierliche Rückmeldung möglich und eventuell die Einbindung in ein Telematik-System denkbar. Letztlich, so Schindera, reichen die UMTS-Einsatzmöglichkeiten von der Videoüberwachung eines Objekts über den Melkroboter im Kuhstall bis hin zur Kontrolle von Wasser- und Windkraftwerken. Der besondere Vorteil von UMTS liegt für ihn darin, dass es hier nicht mehr wie bei SMS oder der klassischen Faxübertragung von Messdaten zu Medienbrüchen kommt. Zudem erlaube die Abkehr von der zeitabhängigen Tarifierung künftig eine kontinuierliche Datenerfassung von entfernten Maschinen, was wiederum die Fehleranalyse vereinfache.

Nach Ansicht Schinderas sind der Phantasie in Sachen UMTS-Einsatzmöglichkeiten keine Grenzen gesetzt. Man müsse lediglich die entsprechenden Ideen haben und als Netzbetreiber etwa mit WAP als einer Vorstufe erste Erfahrungen mit drahtlosen Applikationen sammeln. Eine Meinung, die Volker Link, Vice-President beim Verband der europäischen TK-Berater Eutelco, nicht teilt. Für ihn ist WAP ein "Schmarr´n und aus heutiger Sicht nur eine Spielerei". Ferner vertritt der Berater die Meinung, dass der Anwender erst mit der Entwicklung anderer Endgeräte einen echten Mehrwert von UMTS habe. "Dann kann UMTS aber die Bürolandschaft revolutionieren", so Link. Vom Erfolg der neuen Funktechnik überzeugt, stellt der Consultant bereits zur Diskussion, ob es künftig überhaupt noch nötig ist, im SOHO-Bereich stationäre Netze zu verwenden. Er könne sich vorstellen, dass ein UMTS-Kommunikator unterwegs das mobile Büro bildet und am Arbeitsplatz dann über eine Docking-Station, ähnlich den heutigen Notebooks, mit Bildschirm und Tastatur verbunden ist. Ferner sei UMTS ein Instrument, um Unternehmen und ihren Mitarbeitern mehr Flexibilität einzuräumen. So könnten die Mitglieder eines Teams dezentral via UMTS miteinander arbeiten.

Auf die Idee des "Büros in der Tasche" setzt auch Martin Ortgies, Leiter Unternehmenskommunikation bei der Elmshorner TK-Gesellschaft Talkline. Für ihn stellt ein künftiger UMTS-Kommunikator eine Art Unified-Messaging-Plattform dar, die den Anwender über eingehende Faxe, Telefonanrufe oder E-Mails unterrichtet.

So unterschiedlich die Ideen der Mobilfunker auch sind, in einem Punkt herrscht weitgehend Einigkeit: Keiner der Netzbetreiber will in der UMTS-Welt selbst als Content-Provider auftreten.

Letztlich lässt sich aus heutiger Sicht noch nicht definitiv sagen, wie die UMTS-Applikationslandschaft einmal aussehen wird. Selbst bei den erfolgreichen Bietern sucht man noch nach der Killerapplikation. Um möglichst schnell Ergebnisse zu erzielen, hat T-Mobil in Münster das Wireless Competence Center gegründet. Dort suchen die Mobilfunker mit Partnern wie Microsoft oder Compaq sowie vielen kleineren Startup-Companies nach den Anwendungen der mobilen IT-Welt der Zukunft. Einer ähnlichen Fragestellung geht bei Viag Interkom der Geschäftszweig Interkom Online nach. Er wurde eigens gegründet, um Mobilfunk und Online-Bereich künftig zusammenzuführen.

Abb: Weniger Wartezeit beim Datentransfer verspricht UMTS. Quelle: Ericsson