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01.09.1995

Neuheit beim "Tag der Forschung '95" in Karlsruhe Ferngesteuerter Mikroroboter als verlaengerter Arm des Arztes

01.09.1995

KARLSRUHE (CW) - Ein Patient in Deutschland muss dringend operiert werden. Der einzige Spezialist, der ihm helfen kann, befindet sich aber in den USA. In dem Zukunftsszenario Karlsruher Forscher heisst die Loesung "Fernoperation".

Ein Mikroroboter, der sich selbstaendig fortbewegen kann und sich auf weniger als einen millionstel Meter genau positionieren laesst - das ist keine Zukunftsmusik mehr. Einen etwa faustgrossen Prototyp hat das Graduiertenkolleg "Beherrschbarkeit komplexer Systeme" der Universitaet Karlsruhe am "Tag der Forschung '95" praesentiert. Ueber ein ATM-Netz sollen von Spezialisten gesteuerte Roboter Patienten kuenftig ueberall in der Welt operieren und bei Komplikationen weitere Spezialisten zugeschaltet werden koennen.

So weit der Blick in die Wunschwelt der Wissenschaftler. Dass sie von solchen medizinischen Behandlungsformen noch weit entfernt sind, ist ihnen klar. Die vorhandenen Datennetze gleichen bislang eher holprigen Seitenstrassen als den oft zitierten Datenautobahnen. Hochleistungsfaehige ATM-Netze, die Daten wie Ton, Bild oder Computerdateien in bislang unerreichter Qualitaet uebertragen, sind heute noch nicht weit verbreitet. Die mit einem Ausbau der ATM-Netze verbundenen Investitionskosten waeren hoch. Auch ist der Roboter noch nie bei einer Operation eingesetzt worden.

Bei den Karlsruher Wissenschaftlern stand jedoch zunaechst im Vordergrund, einen preiswerten und hochpraezise arbeitenden Roboter zu bauen, erlaeuterte Jochen Schiller von der Fakultaet fuer Informatik der Universitaet Karlsruhe. Der Mikroroboter koste weniger als 5000 Mark. Ersten Schaetzungen zufolge komme es billiger, einen Patienten aus der Ferne zu operieren, als einen Experten einfliegen zu lassen.

Medizinische Anwendung noch nicht verbreitet

Offensichtlich sind die Anwendungsmoeglichkeiten des Roboters in der Technik schon weiter fortgeschritten als in der Medizin: So koenne der Roboter beispielsweise bei der Suche nach Fehlern auf einem Chip helfen, erklaerte Schiller.

An Ideen aus dem medizinischen Bereich scheint es den Forschern nicht zu mangeln. Sie stellen sich zum Beispiel vor, dass der Roboter unter dem Mikroskop gesunde von kranken menschlichen Zellen trennt, um eine Untersuchung im Labor zu erleichtern. Oder vielleicht koennte der Roboter so kleine Roboter bauen, dass diese durch die Adern eines Menschen schwimmen koennen?

Stand der Technik in der Telemedizin sind Operationen ohne Oeffnung des Bauchraums. Dazu schneiden die Aerzte mehrere Loecher in die Bauchdecke. Durch eines davon fuehren sie ein Endoskop ein, das das Bild aus der Bauchhoehle auf einen Monitor weiterleitet. Durch die anderen Loecher werden langstielige Instrumente eingeschoben, mit denen die Aerzte operieren. Heute ist man allerdings noch weit davon entfernt, solche Operationen von Robotern ausfuehren zu lassen: Eine Gallenblase mit dieser Methode zu entfernen erfordert naemlich grosses Geschick.

Was ist derzeit Realitaet beim Einsatz von Mikrorobotern? Unter einem Mikroskop sind mit dem Roboter der Uni Karlsruhe Zellkerne aus Zellen entfernt worden. Die Idee mit den Fernoperationen haben die Informatiker immerhin schon mit Aerzten diskutiert: Anwendungen in der Neurochirurgie, wo hohe Praezision gefordert ist, sind im Prinzip denkbar. Bei vielen anderen medizinischen Anwendungen ist es allerdings zweifelhaft, ob eine Genauigkeit von einem millionstel Millimeter Sinn macht: Durch Atmung und Herzschlag bewegt sich der Koerper auch eines narkotisierten Menschen um ein Vielfaches dieser Distanz.