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30.09.1988 - 

Big Blue versucht mit allen Mitteln, die EISA-Kontroverse herurterzuspielen:

"Neunerbande" zwingt IBM in die Defensive

MÜNCHEN (CW) - IBM läuft zu ungeahnter Form auf, in dem Bemühen die Bedeutung der Ankündigung des AT-kompatiblen 32-Bit-Bus für Personal Computer (COMPUTERWOCHE Nr. 38, Seite 1) als Konkurrenz für den eigenen Mikrokanal herabzuspielen.

"Kein Zweifel, IBM hat voll auf die Betriebsart 'Schadensbegrenzung', geschaltet", erklärte JoAnn Stahel, Vice President des Marktforschungsunternehmens Storeboard Inc. in Dallas. IBM-Manager geben plötzlich ganz gegen ihre Gewohnheiten freiwillig ausgedehnte Interviews, in denen sie sowohl die EISA-Koalition als auch die technischen Spezifikationen des vorgeschlagenen Bussystems kritisieren. "Im Grunde haben sie das Rad neu erfunden", mokierte sich IBMs Bill Lowe gegenüber der US-Fachzeitschrift Infoworld. Seinen Ausführungen zufolge hat Big Blue ursprünglich ein ähnliches Konzept für die PS/2-Familie in Erwägung gezogen, aber dann wieder verworfen: ". . . also ganz ehrlich, wir haben es wieder aufgegeben. Es hätte zwar AT-Karten akzeptiert, aber wir hätten dann auch die AT-Limitationen akzeptieren müssen. Der Mikrokanal ist robuster."

Bei der Vorstellung neuer PS/2-Maschinen mit AT-Bus kehrte IBM einer Politik den Rücken, die sonst zum A und O der "blauen" Presseleute gehört: keine Kommentare über Konkurrenzprodukte abzugeben. Statt dessen sahen sie sich genötigt, der EISA-Ankündigung mehr Zeit zu widmen als ihren eigenen Produkten. Dabei hatte der blaue Riese schon vor der offiziellen Bekanntgabe des EISA-Konsortiums gegen Gerüchte anzukämpfen, die Wiederbelebung des AT-Bus wäre als Eingeständnis zu werten, daß die Mikrokanal-Strategie versagt habe.

IBM spielte in diesem Zusammenhang ihren einzigen verbliebenen Trumpf aus: EISA-Maschinen seien nicht vor Ablauf von ein bis anderthalb Jahren erhältlich, betonten IBM-Sprecher unentwegt, auch wenn einzelne EISA-Mitglieder die Einführung von Rechnerprodukten zur Frühlings-Comdex '89 in Aussicht gestellt hatten. "In 18 Monaten werden sie eine Maschine mit 33 Megabyte (je Sekunde) vorstellen, während wir schon jetzt eine Maschine ausliefern, die im Prinzip mit einer solchen Datentransferrate läuft", sagte Bob Carberry, Vice President in IBMs Entry Systems Division, in einem Interview.

Außerdem, so der Manager weiter, weise der Bus "ernsthafte Limitierungen" auf, die als Preis für seine AT-Kompatibilität anzusehen seien. "Der EISA-Bus ist scheinbar eine Erweiterung des AT-Bus, aber was die Obergrenze seiner Leistungsfähigkeit anbelangt, so liegt die etwa dort, wo der Mikrokanal anfängt", führte er aus.

Unterdessen geben eine Reihe von Third-Party-Entwicklern bekannt, daß IBM seit der EISA-Ankündigung seine Mikrokanal-Anstrengungen drastisch verstärkt habe. Das Unternehmen sei an viele von ihnen herangetreten, um herauszufinden, ob sie das neue Bussystem zu unterstützen gedächten. Sie erhielten bei ihren Mikrokanal-bezogenen Arbeiten neuerdings eine Unterstützung von Big Blue wie nie zuvor.

Unterdessen meldet das "Wall Street Journal", IBM plane Anfang des kommenden Jahres die Einführung weiterer neuer Rechner mit dem AT-Bus. Die Maschine soll, mit dem 32-Bit-Prozessor 386SX bestückt, in der Leistungsskala knapp unter existierenden 32-Bit-Systemen rangieren. Weiter zitiert das Blatt Journalisten, die von IBMs PC-Oberhaupt Bill Lowe gehört haben, er würde den AT-Bus nicht mehr so schnell aus dem Angebot streichen, wenn er heute noch einmal vor der Entscheidung stünde. Auch hier war Big Blue schnellstens um Schadensbegrenzung bemüht: Das Unternehmen schob eine offizielle Erklärung nach, in der es heißt, die Journalisten hätten Lowe "mißverstanden".