Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

08.06.2001 - 

Auf dem Prüfstand: Internetmediahouse AG (IMH)

New-Economy-Leichen im Portfolio

FRANKFURT/M. - Vollmundige Versprechen, marode Internet-Töchter im Portfolio: Hubertus Hoffmann, Gründer der Internetmediahouse AG (IMH), steuerte die Münchner Beteiligungsgesellschaft in die Krise und machte sich aus dem Staub. Nach der Portfoliobereinigung durch die inzwischen bei IMH engagierte Münchner VTC Partners fehlt dem Unternehmen allerdings das Kapital für eine tief greifende Restrukturierung. Von Andrea Goder*

Vor gut einem Jahr schien die Welt für Ex-IMH-Chef Hoffmann noch in Ordnung. Der heute 46-Jährige gehörte zu den Internet-Stars an der Frankfurter Wachstumsbörse. Die Story: Mit einem Strauß bunter Internet-Beteiligungen, vorwiegend aus dem B-to-C-Bereich, sollte das bayerische New-Economy-Unternehmen zu einer Art deutscher CMGI werden. Die Vision: Der Neue Markt macht alles möglich.

Bundesverdienstkreuz am BandeEtwas verspätet folgte dann im Herbst 2000 der Lohn der Anstrengung. Hoffmann wurde mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. "Mit zukunftsweisenden Ideen wie Internet-Kaufhaus oder Internet-Fernsehen gründete er im Bereich der Neuen Medien ein erfolgreiches Unternehmen", heißt es in der Begründung des Bundespräsidialamtes vom Oktober 2000. Zu diesem Zeitpunkt hatte der promovierte Politologe allerdings bereits den Rückzug in den Aufsichtsrat angetreten. Dunkle Wolken waren über der Münchner Beteiligungsgesellschaft aufgezogen. Noch im Juli behauptete Hoffmann, die Umsatzprognosen zu übertreffen, und stellte für 2000 einen operativen Gewinn in Aussicht.

Mit der Vorlage tiefroter Neunmonatszahlen musste IMH dann im November vergangenen Jahres Farbe bekennen. Das sich bereits für das Gesamtjahr 2000 abzeichnende finanzielle Desaster hatte allerdings zu diesem Zeitpunkt die Münchner Venture-Capital-Gesellschaft VTC Partners nicht davon abgeschreckt, im Zuge einer zehnprozentigen Erhöhung des Grundkapitals bei IMH einzusteigen und das Ruder in die Hand zu nehmen. Bei 17,9 Millionen Euro Umsatz war im letzten Geschäftsjahr schließlich ein Jahresfehlbetrag von 46,5 Millionen Euro aufgelaufen. Die stolze Summe ist Ergebnis einer höchst waghalsigen Beteiligungspolitik, deren Risiken das neue IMH-Management mit hohen Abschreibungen zum Jahresende zu verringern versuchte. Das Ebit belief sich im gleichen Zeitraum auf minus 5,8 Millionen Euro.

Im ersten Quartal kehrten die neuen IMH-Chefs dann mit eisernem Besen. Was wochenlang unter dem Begriff Portfoliobereinigung lief, kam einem Ausmisten großen Stils gleich. Zunächst wurde den größten Verlustbringern der Geldhahn zugedreht. Auf der Abschussliste stand im Januar die defizitäre Internet-Tochter Blue Orbit, an der IMH mit 54 Prozent beteiligt war. Nachdem die E-Services-Agentur im vierten Quartal 2000 mit ihren IPO-Plänen ins Straucheln geraten war, verweigerten die Münchner ihrem einstigen Hoffnungsträger weitere Kapitalspritzen. Die Folge: Die Internet-Company musste im Januar Insolvenz beantragen. "Das Geschäftskonzept von Blue Orbit wäre mittelfristig nicht werthaltig gewesen", begründet der neue IMH-Vorstand Richard Ramsauer den Rückzug.

Das vom neuen Management ausgegebene Motto "No Value, no Cash" bedeutet auch für weitere Beteiligungen das Aus. Den Gründern von Beauty-Spy beispielsweise, einem Online-Kosmetikanbieter, gelang es ebenfalls nicht, die Anschlussfinanzierung zu sichern. Genauso wie die Betreiber des Online-Shopping-Portals City-24 mussten sie Anfang des Jahres den Gang zum Insolvenzverwalter antreten.

Neben dem gestoppten Kapitalabfluss in fragwürdige Investments wurde durch den Verkauf einzelner Beteiligungen Geld in die klamme Firmenkasse von IMH gelenkt. So schlüpfte der Internet-Spiele-Anbieter Toyzone im ersten Quartal unter das Dach der Metro-Gruppe (Primus Online). Die Anteile an der Content Verlag New Media GmbH (49 Prozent) gingen an den Süddeutschen Verlag. Der Erfolg dieser Aktionen hält sich allerdings in Grenzen: In den ersten drei Monaten dieses Geschäftsjahres brachte es die Münchner IMH-Holding durch den Verkauf von Beteiligungen auf nur eine Million Euro Umsatz - 58 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahresquartal. Der Fehlbetrag lag im gleichen Zeitraum bei 1,1 Millionen Euro.

Um Kosten zu sparen, machte IMH vor kurzem auch ihre Tochtergesellschaft in Hongkong dicht. Dieses zuletzt noch von Ex-IMH-Vorstandschef Hoffmann betreute Projekt war ursprünglich als Brückenkopf für eine Asienoffensive gedacht. Doch der Plan, in Fernost einen Internet-Fonds aufzulegen, scheiterte.

Der Traum von der global agierenden Beteiligungsgesellschaft ist für die Münchner mittlerweile auch in Übersee geplatzt. Zadu Inc. und Internet Cool Guide Hol. Inc., zwei US-Firmen, in die IMH investiert hatte, machten vor kurzem ebenfalls Pleite. Und auch die noch verbleibenden IMH-Beteiligungen, etwa die Suchmaschine Bellnet oder die Internet-Model-Agentur Metrodream, locken schon lange keine Investoren mehr hinter dem Ofen hervor. Im Fokus zukünftiger Investments sollen laut Ramsauer nur mehr Firmen im deutschsprachigen Raum stehen.

Portfoliobereinigung abgeschlossenAuch wenn nach den Worten des IMH-Vorstands die Portfoliobereinigung "weitgehend abgeschlossen" ist - das Schicksal einzelner Beteiligungen bleibt dennoch ungewiss. Auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt vor mehreren Wochen äußerten sich die ehemaligen VTC-Manager beispielsweise reserviert über den WAP-Suchmaschinen-Anbieter WAP Communications. Auch die noch im letzten Jahr kursierenden IPO-Pläne der Beans AG, eines Anbieters von E-Commerce-Software, haben sich zerschlagen. An den beliebten, aber seit Monaten verstopften "Exit"-Kanal Neuer Markt klammern die Münchner dennoch ihre Hoffnungen. Als potenzieller Börsenaspirant gilt vor allem die Get Mobile AG. Ob der Online-Handy-Anbieter angesichts der Flaute im TK-Markt allerdings noch mit einer überzeugenden IPO-Story aufwarten kann, bleibt abzuwarten.

In Zukunft wollen sich die Münchner nach den Worten von IMH-Vorstand Ramsauer "ausschließlich auf Firmen, die sich in einer späten Phase der Unternehmensentwicklung befinden", konzentrieren. Mit anderen Worten: Die Zeiten früherer waghalsiger Investments in New-Economy-Firmen sind passé, jetzt wird die seriöse VC-Company herausgekehrt. Die jüngste IMH-Beteiligung (3,6 Prozent) an der Würzburger Salt Logistic AG ist ein erster Schritt in diese Richtung. An dem Softwareanbieter hält auch VTC Partners bereits elf Prozent.

Um das Portfolio, das mit derzeit elf Beteiligungen immer noch sehr Internet-lastig ist, nachhaltig zu restrukturieren, dürfte den Münchnern jedoch das nötige Kapital fehlen. Ende März lag der Finanzmittelbestand des Unternehmens bei rund sieben Millionen Euro.

Angesichts der deshalb auch im Sinne besagter Neuausrichtung höchst unsicheren Zukunftsperspektiven sehen sich die IHM-Lenker nicht in der Lage, eine Prognose für das Geschäftsjahr 2001 abzugeben. "Jede Aussage wäre aus dem Blauen heraus", erklärt Ramsauer. Seinen Worten zufolge sind "detaillierte Ergebnisprognosen" im Beteiligungsgeschäft ohnehin "nicht sinnvoll". Im Fokus stehe vielmehr die Frage, wie sich der Wert von Beteiligungen messen lasse. Schwierig zu beantworten ist diese Frage aber vor allem dann, wenn sich nach bereits drastischen Bewertungskorrekturen immer noch Wackelkandidaten oder "Living Deads" im Portfolio finden.

*Andrea Goder ist freie Journalistin in München.

Abb.1: IMH-Beteiligungen

Noch macht die Internet-Lastigkeit der IMH-Investments dem Firmennamen alle Ehre. Quelle: InternetMediaHouse AG

Abb.2: Kursentwicklung der IMH-Aktie

Die Marktkapitalisierung von IMH ist auf knapp 30 Millionen Euro geschrumpft. Quelle: comdirect