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08.12.2000 - 

Schlechter Aktienkurs schafft unzufriedene Arbeitnehmer

New-Economy-Vorreiter Amazon hat mit Gewerkschaften nichts am Hut

MÜNCHEN (CW) - Die Geschäfte gehen nicht gut, der Kurs sinkt ins Bodenlose - und prompt reagieren die Angestellten recht konventionell. Viele Amazon-Arbeitnehmer wollen sich wegen der schlechten Wirtschaftslage des Unternehmens gewerkschaftlich organisieren. Für Amazon-Gründer Jeffrey Bezos eine gruslige Vorstellung.

Die Avantgarde-Unternehmen des Internet wie der Buchhändler Amazon.com hielten immer viel auf ihr dynamisches Image: Jung und engagiert surfen deren Mitarbeiter immer oben auf der Technologiewelle. Doch kaum sinkt der Wert ihrer Aktien in den Keller, scheint die Angestellten des Vorzeigeunternehmens der New Economy der avantgardistische Geist zu verlassen, und Mitarbeitervertretungen sind wieder gefragt.

Amazons Management sprach sich hingegen mit Nachdruck gegen jeglichen gewerkschaftlichen Einfluss im Unternehmen aus. Arbeitnehmervertretungen schadeten Betrieben und Mitarbeitern gleichermaßen, weil sie "aktiv Misstrauen gegenüber Vorgesetzten schüren", hieß es in einer intern an Abteilungsleiter verteilten Empfehlung, die der "New York Times" in Auszügen vorliegt. Gewerkschaftlicher Einfluss schaffe eine "unkooperative Haltung" innerhalb der Belegschaft.

Das mittlere Management von Amazon wurde angehalten, aufmerksam zu verfolgen, ob Bewegungen in der Belegschaft auszumachen seien, die auf ein gewerkschaftliches Engagement hindeuteten. Zu erkennen seien derlei Umtriebe, wenn Mitarbeiter in Gruppen zusammenstünden und "plötzlich ihr Gespräch beenden, wenn ein Vorgesetzter naht", zitierte die Zeitung weiter. Verräterisch sei auch unhöfliches Verhalten in der Kantine.

Überflieger verliert viel von seinem CharmeDas gesteigerte Interesse von Amazon-Mitarbeitern an einer gewerkschaftlichen Vertretung hat Gründe: Der Überflieger der ersten Stunde hat viel von seinem ursprünglichen Charme verloren: Der Aktienkurs rauschte in diesem Jahr um 71,12 Prozent in den Keller und setzte zuletzt bei knapp 26 Dollar auf. Für viele Mitarbeiter, die mit der Aussicht auf gewinnträchtige Optionen geringe Gehälter in Kauf nahmen, sind das schlechte Nachrichten. In ihren Ohren klingt die gewerkschaftsfeindliche Aussage ihres Chefs Bezos, "jeder in unserer Firma ist ein Mitbesitzer, wir brauchen keine Gewerkschaft" deshalb mittlerweile etwas hohl.

Nicht von ungefähr umwirbt die Technologiegewerkschaft Washington Alliance of Technology Workers 400 Kundendienstmitarbeiter des Online-Buchhändlers. Der Prewitt Organizing Fund, der auch deutsche und französische Amazon-Mitarbeiter gewerkschaftlich organisieren will, adressiert im Namen der Gewerkschaften allein 5000 Arbeiter in acht US-Vertriebslagern der Bezos-Company.

Die Renaissance der Arbeitnehmervertreter in Yuppie-Firmen kommt nicht ganz überraschend: In Schweden etwa verzeichnet der Industrieangestellten-Verband SIF seit dem Sommer 2000 einen signifikanten Zustrom von neuen Mitgliedern aus der New Economy. Insgesamt 1000 neue Angehörige haben sich im dritten Quartal unter das schützende Dach der Gewerkschaft begeben - immerhin doppelt so viel wie im Vergleichszeitraum des Vormonats. Auch der schwedische Gewerkschaftsverband Jusek kann eine wachsende Zahl von Mitgliedern verzeichnen: Im Oktober legte Jusek um 20 Prozent zu, die meisten der Neuorganisierten stammen aus Internet-Firmen.