Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.


21.03.1986

New IBM-Rechner reißen VAX-Anwender nicht vom Stuhl

Die jüngsten Bestrebungen der IBM, den technisch-wissenschaftlichen Markt zu erobern, werden von den Anwendern solcher Systeme mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Die für dieses Marktsegment kürzlich angekündigten Rechner "reißen" jedoch Franz-Markus Wantscha bei der Krauss-Maffei AG "nicht vom Stuhl". Ein Wechsel zu IBM käme für ihn nur in Frage, wenn für die neuen Systeme auch die entsprechende Softwareumgebung entwickelt werden würde und die Umstellung ohne große Probleme verliefe. Nach Auffassung von Wilfried Gericke müßte dabei nicht nur das Preis-Leistungs-Verhältnis besser sein, sondern auch die derzeitige Unternehmensphilosophie IBMs stärker den Wünschen der Anwender angepaßt werden. Anstatt den Verdrängungswettbewerb noch mehr zu verschärfen, fordert Peter Erbert, Leiter Computerunterstützte Entwicklung und Systeme bei den Ford-Werken, hingegen Systemtransparenz von den Herstellern. Nur mit allgemeingültigen Schnittstellen und Protokollen könne, so Erbert, ein ungehinderter Datenaustausch zwischen den technisch-wissenschaftlichen und den Verwaltungsbereichen über Datenbanken mit gemeinsamem Zugriff realisiert werden.

Peter Erbert

Leiter Computerunterstützte Entwicklung und Systeme, Ford-Werke Köln

Bei den Ford-Werken werden für die Erfassung und Aufbereitung von Meßdaten, für die Entwicklung von Mikroprozessoren und die Steuerung von Prüfständen sowie Produktionsanlagen hauptsächlich Rechner von Digital Equipment eingesetzt. Für CAD/CAM-Anwendungen benutzen wir Systeme von Prime und Computervision. Die technischen Berechnungen und Simulationen werden an den Computern Cyber 835 und 176 und einer Cray-MPX durchgeführt.

Das Bestreben der IBM, den technisch-wissenschaftlichen Markt zu erobern, ist nicht neu und seit dem Erscheinen des IBM-Rechners 1130 vor zirka 20 Jahren bekannt. Wenn Big Blue heute dennoch einen neuen Anlauf macht, dann verfolgen wir dieses Bemühen mit großer Aufmerksamkeit. Die jüngsten Erfolge auf dem heiß umkämpften PC-Markt sind ein Beispiel dafür, welchen Einfluß der Weltkonzern auf die Computertechnologie nehmen kann, wenn er nur entschlossen genug ist.

Die Anwendungen im technisch-wissenschaftlichen Bereich einerseits und im administrativen Bereich andererseits hatten eine unterschiedliche computertechnologische Entwicklung. Dabei haben sich die verschiedenen Hersteller auf den unterschiedlichen Gebieten einseitig profiliert. Anwendungen wie beispielsweise CAD/CAM machten jedoch die Notwendigkeit einer stärkeren Integration beider Bereiche deutlich.

Bei der Vision einer "Factory of the Future" werden die konventionellen Papierverwaltungssysteme durch den verstärkten Einsatz von Mikroprozessoren, Robotern, automatischen Förderanlagen etc. ersetzt. "Computer Integrated Manufacturing (CIM)", oder besser gesagt ein "computerintegriertes Engineering und Manufacturing", erfordert den ungehinderten Austausch von Daten zwischen den technisch-wissenschaftlichen und den Verwaltungsbereichen über Datenbanken mit gemeinsamem Zugriff.

Diese Forderung kann, realistisch gesehen, nur dann erreicht werden, wenn die unterschiedlichen Hersteller von Computer- und Kommunikationshard-/-software sich auf allgemeingültige Schnittstellen und Protokolle einigen. Die Praxis jedoch zeigt, daß die Initiativen für eine solche Systemtransparenz von den Anwendern ausgehen (siehe IGES, VDAFS, MAP). Eine Lösung der Probleme der Systemintegration liegt unseres Erachtens nicht in der Verschärfung des Verdrängungswettbewerbs, sondern in der Bereitschaft der DV-Hersteller, auf die Erfordernisse der Benutzer bereitwilliger einzugehen.

Der Leistungswettbewerb zwischen den einzelnen Systemlieferanten wäre dadurch nicht behindert. Im Gegenteil: Er wäre für den potentiellen Kunden so viel verständlicher, die Wahl um so viel einfacher.

Franz-Markus Wantscha

Leiter des Bereichs Steuerungs- und Antriebstechnik, Krauss-Maffei AG, München

Wir sind Anwender mehrerer DEC-Computer (VAX 750), die für technisch-wissenschaftliche Zwecke eingesetzt werden. Die Anwendungen reichen dabei von der Softwareunterstützung unterschiedlicher Prozessorlinien bis hin zur Prozeßsimulation. Es werden des weiteren mechanische Simulationen für konstruktive Untersuchungen an Lokomotivenfahrgestellen durchgeführt. Inzwischen hat sich hier eine gewisse DEC-Kultur eingenistet, die von vielen Softwarezulieferern und Mikroprozessorherstellern unterstützt wird.

Vergleicht man jetzt die neu angekündigten IBM-Rechner mit den DEC-Systemen für technisch-wissenschaftliche Anwendungen, so ist die Leistungsfähigkeit im wesentlichen dieselbe, die Preise sind jedoch keinesfalls günstiger als bei DEC. Gerade darauf richten wir als Endanwender unser Augenmerk. Bei den neuen IBM-Geräten sehen wir die Problematik, daß für das gesamte Umfeld - sprich: Software, Tools und das entsprechende Handling - bisher noch keine Lösung angeboten wird.

Speziell die Betriebssysteme beider Hersteller sind nur schmal kompatibel und umsetzbar. Obwohl unsere gesamte kommerzielle Datenverarbeitung auf IBM-Rechnern läuft, sehen wir uns durch die jüngsten Ankündigungen auf längere Zeit nicht veranlaßt, auch die technisch-wissenschaftlichen Anwendungen auf IBM umzustellen. Der IBM 6150 sowie die anderen Neuvorstellungen, die in etwa mit der VAX-8000-Serie von Digital Equipment vergleichbar sind, "reißen uns nicht vom Stuhl".

Wir bezweifeln, daß in dieser Rechnerkategorie noch ein so großes Marktwachstum vorhanden ist. Das wird ganz wesentlich davon abhängen, ob die entsprechende Softwareumgebung auch für diese neuen IBM-Rechner entwickelt wird, wie sie schon seit geraumer Zeit für die DEC-VAX-Umgebung auf dem Markt vorhanden ist. Wichtigstes Kriterium ist für die Anwender sicherlich das Preis-Leistungs-Verhältnis. Es dürfte selbst für den Marktführer schwierig werden, DEC aus dem Rennen zu werfen.

Bei einem Umstieg auf IBM wäre für uns unerläßlich, daß wir unsere Vielzahl an Softwarewerkzeugen ohne große Probleme auf den neuen Rechner umsetzen könnten. Da wir mit dem Betriebssystem VMS arbeiten, würden hierbei wahrscheinlich Schwierigkeiten auftauchen. Einfacher zu einem Wechsel zu bewegen sind sicherlich diejenigen DEC-Benutzer, die Unix als Betriebssystem einsetzen.

Zwar ist der derzeitige Technologiestand der VAX 750 ein bißchen ältlich angehaucht, doch ist das Angebot von DEC, durch die Möglichkeit, Cluster zu bilden, sehr praxisorientiert und damit benutzerfreundlich. Will der Anwender ein Cluster leistungsfähiger machen, hängt er einfach eine CPU mehr dran. Um einen Anreiz für die Kunden zu bieten, müßte der Marktführer mit etwas Vergleichbarem wie der Clusterbildung auf den Markt kommen. Damit hätten die Anwender die Möglichkeit, die kommerzielle DV mit der technisch-wissenschaftlichen zu koppeln. Dabei müßte jedoch der Aufwand, die Programme zu installieren und umzusetzen, in einem vertretbaren Rahmen gehalten werden. Aus dieser Ecke heraus könnte es IBM gelingen, in dieses Marktsegment einzubrechen. Es werden jedoch sicher noch einige Jahre vergehen, bis der Marktführer hier an Boden gewinnt.

Wilfried Gericke

Mechernich

Schon seit einiger Zeit bemerkt man, daß sich IBM wieder mehr dem technisch-wissenschaftlichen Markt widmet. Obwohl beispielsweise in vielen Forschungseinrichtungen die leistungsfähigen Rechner von IBM in den Großrechenzentren dominieren, hat DEC von der Philosophie der verteilten Rechnerleistung sehr profitiert. Sowohl der vermehrte Rechenbedarf am Arbeitsplatz wie auch der Wunsch nach Individuallösungen wurden mit den netzfähigen Computern von DEC befriedigt.

Früher haben die IBM-Mitarbeiter es vermieden, die Namen von Mitbewerbern zu erwähnen. Heute werden bei Präsentationen vor technisch-wissenschaftlichem Publikum die Leistungen der neueren IBM-Produkte oft durch Vergleiche mit DEC-Systemen beschrieben. Die Tatsache, daß Big Blue seinen Marktanteil im technisch-wissenschaftlichen Bereich zu vergrößern sucht, findet natürlich große Beachtung. Wenn der mit Abstand größte Computerhersteller sich einem Marktsegment besonders widmen will, läßt das den betroffenen Kundenkreis auf eine Bereicherung des Angebots hoffen.

Hierbei stellt sich natürlich auch die Frage, unter welchen Bedingungen ein technisch-wissenschaftlich orientierter DEC-Anwender sich zu einem Wechsel zu IBM entscheiden könnte. Die einfachste Antwort darauf lautet: IBM muß besser sein. Dies bedeutet, daß nicht nur das Preis-Leistungs-Verhältnis der Hard- und Software besser sein muß, sondern auch, daß die derzeitige Unternehmensphilosophie des Marktführers mehr den Wünschen der Benutzer technisch-wissenschaftlicher Systeme angepaßt werden müßte:

- Individuallösungen von Problemen dürfen nicht so aufwendig und damit nicht so kostspielig sein.

- Diese Individuallösungen müssen auch durch den Kunden ohne großen Kostenaufwand modifizierbar sein.

- Die Intensität der Kommunikation zwischen dem Hersteller und dem Kunden (...) nicht von der Finanzkraft des Kunden abhängen.

Außerdem müßte die Benutzerorganisation von IBM mehr Ähnlichkeit mit der von DEC haben und genauso kritisch und einflußreich sein wie Decus (DEC User Society, weltweit fast 100 000 Mitglieder). Die Kundennähe des Herstellers garantiert eine rasche Reaktion auf Kritik, Änderungs- und Produktwünsche der Anwender.

Darüber hinaus sollten die Mitglieder der Benutzervereinigung aus dem breiten Spektrum der DV-Betroffenen - vom Anwendungsprogrammierer bis zum RZ-Leiter - entstammen.

Wenn alle diese Voraussetzungen gegeben sind, könnte für einen User derartiger Systeme ein Herstellerwechsel in Frage kommen. Dennoch darf man nicht vergessen, daß das Umsteigen auf einen Mitbewerber fast immer mit einem zusätzlichen Aufwand an Schulung und Programmumstellung für den Betreiber und Benutzer verbunden ist. Das vermehrte Engagement von IBM im technisch-wissenschaftlichen Bereich dürfte meiner Meinung nach jedoch eher zu Lasten der Steigerungsraten der anderen Mitbewerber gehen.