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28.07.2000 - 

Hamburger Wirtschaftsbehörde setzt auf Extranet

New-Media-Initiative arbeitet als virtuelles Unternehmen

HAMBURG (hi) - Terminplanung, Informationsforen, Nachrichtenforen, Dokumentendatenbank etc. - wer dieses Anforderungsprofil hört, denkt zwangsläufig an IT-Lösungen wie Microsoft Exchange oder Lotus Notes. Doch es geht auch anders wie das Beispiel der Initiative "Hamburg Newmedia@work" zeigt. Das Team der Initiative setzt auf einen rein Internet-basierten Ansatz.

Seehafen, St. Pauli und das älteste Gewerbe der Welt, diese Akronyme stehen fest für die Hansestadt Hamburg. Eher unbekannt ist dagegen die Tatsache, dass der Stadtstaat auch im Internet-Zeitalter eine wichtige Rolle spielen könnte. "Denn als Medienstadt und Content-Metropole sind wir für die Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts prädestiniert", erklärt Jens Unrau vom Referat Telekommunikation und Multimedia bei der Wirtschaftsbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg.

Allerdings erkannte die Behörde vor rund vier Jahren Handlungsbedarf, weil nach ihrer Selbsterkenntnis die Themen Neue Medien und Internet am Standort Hamburg kaum stattfanden. Um dies zu ändern, gründete die Wirtschaftsbehörde mit der Hamburgischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und dem Förderkreis Multimedia die Initiative Newmedia@work, die laut Referent Unrau wie ein virtuelles Unternehmen arbeiten sollte.

Mit der virtuellen Arbeitsweise vieler Beteiligten begannen denn auch die Probleme. Wie sollte das viel zitierte "One Face to the Customer" hergestellt werden und eine zentrale Ansprechstelle für Interessenten realisiert werden? Wie war die Terminkoordination in den Griff zu bekommen, damit nicht Mitglieder der Initiative an zwei Tagen hintereinander die gleiche Firma besuchten? Wie konnten interessante Neuigkeiten als News gezielt weitergereicht werden, ohne die Adressaten mit einer Flut von E-Mails zu belästigen, die sonst, wie Unrau konsterniert feststellt, ,eh´ nur weggedrückt werden?"

Was lag also näher, entsprechend dem Zweck der Initiative auf ein eigenes Intra- beziehungsweise Extranet zur Kommunikation zu setzen. Vor rund zwei Jahren ließ sich die Initiative, wie Unrau heute aus der Distanz kritisch erzählt, "ein Intranet basteln". Ein Projekt, das im praktischen Alltag dann einen hohen Administrationsaufwand erforderte. Zudem waren der Terminkalender sowie die Adressenverwaltung in ihrer Bedienung sehr kryptisch und hatten, wie der Referent moniert, "den Charme eines Excel-Spreadsheets". Erschwerend kam hinzu, dass Einträge nur sehr umständlich zu tätigen waren. "Wenn Sie X-mal klicken müssen, um einen Termin einzutragen, dann ist das der Tod eines jeden Intranets", gibt Unrau jedem bei der Wahl eines passenden Kommunikationssystems zu bedenken. Damit war die installierte Plattform weit entfernt von den Vorstellungen des Referenten, für den im Idealfall eine Intranet-Lösung eine offene Anwendung ist, die ihm auch während eines Telefonats den Eintrag eines Termins oder einer Gesprächsnotiz etc. erlaubt. "Letztlich war also Handlungsbedarf gegeben", schildert Unrau den Leidensdruck im täglichen Umgang mit der alten Intranet-Lösung.

Entsprechend schnell stand das Pflichtenheft für eine Folgeversion: Leichte Administration, da sich die Initiative wie eingangs geschildert etwas außerhalb der eigentlichen Wirtschaftsbehörde befindet, eine durchdachte Benutzeroberfläche und einfache Bedienbarkeit standen auf der Liste ganz oben. Zudem sollte das neue System die drei wichtigsten Bereiche aus dem Arbeitsalltag auf seiner Oberfläche schnell verdeutlichen. Dazu gehören unter anderem eine News-Sektion in der Tickermeldungen wie etwa OTS-Nachrichten bereitgestellt werden, verknüpft mit der Möglichkeit eine Diskussion zum betreffenden Thema zu initiieren. Ferner sollten Termine für alle Beteiligten ersichtlich sein, um so eventuell den Teilnehmern Anregungen geben zu können. Zudem forderte das Pflichtenheft eine elektronische Bibliothek, um in ihr Dokumente wie Förderrichtlinien, Studien oder Formblätter hinterlegen zu können.

Eine Lösung, die ihrem Anforderungskatalog gerecht wurde, fanden die Newmedia-Förderer quasi um die Ecke in Hamburg. Im Zuge ihrer Förderarbeit hatten sie bereits mit dem Start-up-Unternehmen Zap AG Kontakt gehabt. Das 1996 gegründete Unternehmen, das für das 2. Halbjahr diesen Jahres den Börsengang plant, hat mit Ucone eine Internet-basierte Kommunikationssoftware entwickelt. "Neben den persönlichen Kontakten zu dem Unternehmen sprach für uns vor allem die einfache Implementierung des Systems", begründet Unrau die Entscheidung zugunsten von Ucone. So benötigte das System auf Client-Seite lediglich einen Java- und Javascript-fähigen Browser und erforderte als Server einen Java-fähigen Web-Server wie etwa Apache. "Und diesen Pentium-Rechner konnten wir zudem bei unserem Internet-Service-Provider platzieren, so dass wir keine sicherheitsrelevanten Bereiche des Netzes der Wirtschaftsbehörde berührten", erklärt Unrau. Die meiste Arbeit vor dem Rollout im Februar 2000 bereitete die Vorüberlegung, wie die Informationen zu strukturieren sind und wie die Kommunikationsprozesse verlaufen.

Nach dem Abschluss dieser Vorarbeiten stand dem Start nichts mehr im Wege. Quasi Plug-and-play-mäßig müssen die Teilnehmer nur die IP-Adresse des Servers eingeben und sich einloggen, um gemeinsam im virtuellen Unternehmen zu kommunizieren und Projekte zu planen. Zu Beginn der Aktivitäten lag laut Unrau noch ein kleiner Pferdefuß in den Workflow-Funktionalitäten der Lösung. Diese Anforderung ist inzwischen durch die modulare Verknüpfungsmöglichkeit von Ucone mit der Zap-Software "Jobworks" erfüllt worden. Mit der Workflow-Management-Software können nun gesamte Workflows anforderungsspezifisch abgebildet und Web-basiert gehandelt werden.

Ansonsten schätzt Unrau an dem System die schnelle Umsetzung, die keine Abstimmung mit der zentralen DV-Abteilung erforderte, sowie den geringen Administrationsaufwand. Die Verwaltung der Kommunikationsplattform kann von den Teilnehmern, in diesem Fall Unrau, selbst bewerkstelligt werden.

Wirtschaftsbehörde HamburgIn der Freien und Hansestadt Hamburg fungiert die Wirtschaftsbehörde analog zu Flächenländern als Wirtschaftsministerium. Neben ihren ministeriellen Aufgaben übernimmt die Behörde zudem kommunale Aufgaben. Das Schwergewicht der Aktivitäten liegt in der unternehmensorientierten Standortpolitik, der Sicherung und Weiterentwicklung positiver Rahmenbedingungen für die Wirtschaft und der aktiven Wirtschaftsförderung. Auf Betreiben der Behörde wurde 1996 die Initiative "Hamburg Newmedia@work" gegründet, um die Chancen der Wachstumsbranche Multimedia/Digitale Wirtschaft zu nutzen. Zuständig für die Betreuung und Weiterentwicklung der Initiative ist das Referat für Telekommunikation und Multimedia.

Die Initiative"Hamburg Newmedia@work" (www.hamburg-newmedia.net) ist eine gemeinsame Initiative der Freien und Hansestadt Hamburg und Hamburger Unternehmen. Zielsetzung ist es, die Stellung Hamburgs als New-Media-Standort zu festigen und die Elbmetropole auf ihrem Weg zu einem europäischen Zentrum der Digitalen Wirtschaft zu unterstützen. Seit ihrer Gründung durch Wirtschaftssenator Thomas Mirow ist die Initiative erster Ansprechpartner zu allen Fragen der Digitalen Wirtschaft. Als zentrale Kooperationspartner fungieren der Förderkreis Multimedia und die Hamburgische Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, die ihre Kompetenz einbringen. Mit im Boot sind mittlerweile, vier Jahre nach dem Startschuss, rund 140 Unternehmen sowie drei namhafte Agenturen. "In letzter Konsequenz", so Referent Unrau, "bauten wir eine Art virtuelles Unternehmen auf."

Abb: Als virtuelles Unternehmen arbeitet die Initiative Newmedia@work über ein Extranet. Quelle: Newmedia@work