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21.09.2001 - 

Kolumne

"New York und die Folgen"

Heinrich Vaske Chefredakteur CW

Nachdem sich Nebel und Rauch über New York verzogen haben, ist die Stunde der bitteren Bilanz gekommen. Tiefe Trauer herrscht an der Ostküsten-Metropole, wo zahllose Familien den Tod ihrer Angehörigen beweinen und Unternehmen ergebnislos nach ihren Beschäftigten suchen. Vom Terror direkt betroffen ist auch die IT-Branche: Oracle, Akamai oder die deutsche Softwareschmiede BCT Technology AG beklagen den Verlust von Mitarbeitern.

Während die Dimension der menschlichen Tragödie weithin sichtbar geworden ist, grübelt die Finanzwelt über die ökonomischen Folgen des verheerenden Anschlags, unter denen auch die IT-Branche zu leiden hat. Beispielsweise fielen durch den Angriff auf die Finanzmetropole zahlreiche Kunden- und Analystenveranstaltungen aus. Wegen des tagelangen Flugverbots wurden außerdem Manager und IT-Entscheider in fremden Städten festgehalten und mussten deshalb Konferenzen absagen, in denen es - wie immer in den letzten Tagen eines Quartals - um IT-Investitionen ging. Beobachter rechnen nun erst einmal mit einem Rückgang der IT-Ausgaben und einer neuen Flut von Gewinnwarnungen, weil einkalkulierte Aufträge nicht mehr rechtzeitig erteilt werden und das Konsumklima einen kräftigen Dämpfer bekommen hat.

Es klingt zynisch, aber gleichzeitig mehren sich die Stimmen, die den Anschlag mittelfristig als möglichen Auftakt für eine neue IT-Investitionswelle deuten. Schätzungen zufolge wird allein der Wiederaufbau der IT-Infrastruktur im New Yorker Finanzdistrikt rund zwei Jahre dauern und mehr als 15 Milliarden Dollar verschlingen - Geld, das in die Kassen der IT-Hersteller fließt. Marktbeobachter orakeln ebenfalls, dass die Flugbereitschaft amerikanischer Geschäftsleute zurückgehen, das Interesse an Telefonaten, E-Mails und Videokonferenzen aber zunehmen wird - eine Chance für die TK-Anbieter.

Von massenhaftem Kundenzulauf berichtet schon jetzt der Desaster-Recovery-Spezialist Comdisco. Unternehmen in potenziellen Terrorregionen wollen ihre IT-Infrastruktur absichern und sind offenbar bereit, viel Geld dafür auszugeben. Es gilt als ausgemacht, dass große Konzerne rund um den Globus ihre Investitionen in Sicherheitslösungen und Backup-Systeme aufstocken werden. Insbesondere Unternehmensnetze werden gegen Angriffe von außen abgeschirmt, weil anzunehmen ist, dass die Terroristen auch vor Angriffen im weltweiten Netz nicht Halt machen werden.

Es steht also zu befürchten, dass die zuletzt arg gebeutelte IT-Branche längerfristig ausgerechnet von dieser Katastrophe profitieren wird. Aus der viel zitierten Platitüde "Rückkehr zur Normalität" könnte dann makabre Realität werden. Doch selbst wenn der Markt zu seinem "normalen" Wachstumstempo zurückfindet, bleiben der Eindruck von Terror und die Angst vor neuen Anschlägen und Krieg in den Köpfen. Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen und Schnüffelei der Polizeibehörden in den Netzen werden uns täglich daran erinnern. Davon bleibt niemand verschont - auch nicht die IT-Branche, die das notwendige Equipment liefern wird.