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13.08.1999 - 

Internet-Aktienhandel in Deutschland

Newcomer Consors steht für den Erfolg einer Branche

Von Andrea Goder* MÜNCHEN - Online-Broker profitieren auch in Deutschland vom Internet-Boom. Doch das Aktiengeschäft, das den Anlegern per Mausklick zu vermeintlich millionenschweren Depots verhelfen soll, birgt noch Risiken. Überrollt von der Nachfrage, haben die Anbieter hierzulande alle Mühe, ihre Infrastruktur am Laufen zu halten.

Mit dem Siegeszug des Internet wurde der Traum vom eigenen Depot-Manager Wirklichkeit. Ein Typ von neuen Anlegern verwaltet seine Wertpapierbestände selbst. Seine Vita liest sich in der Regel so: Er ist männlich, zwischen 25 und 45 Jahre alt, überdurchschnittlich gebildet, verfügt über ein hohes Einkommen und braucht bei Wertpapiergeschäften keinen Nachhilfeunterricht. Das Depotvolumen liegt im Schnitt bei 80000 Mark; die Zahl der Orders beträgt minimum 30 pro Jahr.

Warum Deutschlands Discount-Broker und Direktbanken vom Kundenansturm regelrecht überrannt werden, hat neben dem Internet-Trend vor allem mit den günstigen Konditionen der Geldhäuser im Cyberspace zu tun. So liegen die Gebühren beim Kauf oder Verkauf von Aktien um bis zu 75 Prozent unter denen im klassischen Bankgeschäft. Das sogenannte Discount-Brokerage, dessen Vorläufer sich in Deutschland seit 1994 als zunächst reines Telefon- und Fax-Banking nur langsam entwickelt haben, ist deshalb längst zu einem Wachstumsmarkt par excellence geworden. So buhlen hierzulande mittlerweile rund ein Dutzend Anbieter um die Gunst des "mündigen" Anlegers - angeführt vom Nürnberger Newcomer Consors Discount-Broker, der Commerzbank-Tochter Comdirekt Bank, dem Hypovereinsbank-Ableger Direkt Anlage Bank (DAB) sowie dem Deutsche-Bank-Sprößling Bank 24 (siehe Abbildung).

Der Internet-Aktienhandel brachte aber auch grundsätzliche Bewegung in die bis dato starre Struktur der deutschen Bankenlandschaft. 1994 mit dem Kapital der Hofer Privatbank Schmidt gestartet, war Consors der erste Discount-Broker in Deutschland, der Aktienorders via Internet ermöglichte.

Mit Erfolg, denn die Newcomer, die im April den Börsengang am Neuen Markt wagten, arbeiten bereits seit drei Jahren profitabel. Im zurückliegenden Geschäftsjahr verdreifachten die Franken ihren Umsatz auf 117,8 Millionen Mark. Der Gewinn lag bei 14,1 Millionen Mark. Rund 71 Prozent der Orders entfallen momentan auf den Vertriebsweg Internet, 28 Prozent kommen über das herkömmliche Telefon-Broking. Ein Prozent der Kunden erteilt seine Börsenaufträge noch per Fax. Im "Mix aus schlanken Strukturen, schnellem Service und umfassenden Info-Angeboten" sieht Karl-Matthäus Schmidt, mit 30 Jahren Deutschlands jüngster Bankenvorstand, sein Erfolgsrezept. Zählten die Nürnberger Ende 1998 noch 86000 Kunden, waren es Mitte dieses Jahres bereits 130000.

Den Anspruch, Deutschlands Discount Broker Nummer eins zu sein, erhebt aber auch die Comdirekt Bank mit Sitz in Quickborn. 39 Prozent des Aktienhandels werden von hier aus über ein 400 Mitarbeiter zählendes Call-Center abgewickelt; 60 Prozent der Orders kommen über das Internet. Die Commerzbank-Tochter führt eigenen Angaben zufolge 167 000 Depots, zum Jahreswechsel waren es noch 113 500. Allerdings entscheidet die Zahl der Depots nach Ansicht von Experten nicht allein über die Marktführerschaft. Spannender ist das Volumen der Transaktionen, wo momentan an den Gebühren am meisten verdient wird. Hier liegt Consors nach eigenen Angaben mit 1,4 Millionen Orders im ersten Quartal 1999 in Führung. Comdirekt hingegen brachte es in den ersten sechs Monaten dieses Jahres nur auf 1,5 Millionen "Trades".

Eine andere Direktbank-Strategie fährt die Deutsche Bank, die bis auf weiteres auf eine stärkere Fokussierung in Sachen Web-Aktienhandel verzichtet und ihre defizitäre Tochter zurückpfiff. Zum 1. September 1999 wird die Bank 24 mit dem Filialgeschäft zur Deutschen Bank 24 verschmolzen. Als "Schuß ins Knie" werteten viele Beobachter die Reintegration in den Mutterkonzern und sehen den deutschen Branchenprimus in Sachen Online-Broking trotz der stabilen Position als derzeitige Nummer drei bereits auf der Verliererseite. Grund für den Kurswechsel von Deutschlands größtem Bankhaus dürften vor allem die hohen Anlaufverluste der Tochter gewesen sein, die sich inoffiziellen Angaben zufolge auf über eine halbe Milliarde Mark belaufen.

Auch die Direkt Anlage Bank (DAB), die seit 1994 Wertpapiergeschäfte per Telefon und Fax anbietet, mußte in den vergangenen Monaten Prozentpunkte an die Wettbewerber abgeben. Lieferten sich die Münchner Discount-Broker noch zum Jahresende 1998 mit 80500 Kunden ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Consors, konnten bis Ende Mai 1998 nur 13500 neue Kunden gewonnen werden.

Fest steht: Der Aktienhandel im Internet floriert längst auch in Deutschland. Unter den einschlägigen Anbietern hat deshalb ein um so heftigeres Hauen und Stechen um künftige Marktanteile begonnen. Beflügelt durch die Consors-Erfolgsstory am Neuen Markt, haben mittlerweile auch Hypovereinsbank und Commerzbank das Going Public ihrer Web-Sprößlinge angekündigt. Bereits Mitte September geht zudem die in "Entrium Direct Bankers AG" umbenannte Quelle Bank an die Börse. In einer groß angelegten Werbekampagne bezeichnen sich die Fürther mit über 700000 Kunden als Deutschlands größte Direktbank. Was allerdings nichts daran ändert, daß man im Web-Aktienhandel zunächst noch kleinere Brötchen backen wird. Gleiches gilt für andere Newcomer, die derzeit in den Markt drängen - etwa die Allgemeine Deutsche Direktbank oder 1822 direkt. Noch schreibt - außer Consors und Comdirekt - keine der Banken schwarze Zahlen. Und noch bestimmen besagte "Big Four", wo es im Online-Broking hierzulande langgeht.

Für die Cyberspace-Kundschaft wirkt sich der zunehmende Wettbewerb indes positiv aus. Auf der Jagd nach der in der Regel gutbetuchten Online-Klientel überbieten sich die Geldhäuser mit attraktiven Angeboten. Niedrigere Transaktionsgebühren relativieren sich dabei allerdings oft durch höhere Depotgebühren oder durch ein geringeres Leistungsspektrum. Denn als Maß aller Dinge gelten in der Branche längst die vielzitierten Mehrwertdienste.

Erwirtschaftet der inoffizielle Marktführer Consors derzeit schätzungsweise noch 86 Prozent seines Umsatzes mit Transaktionsgebühren, dürfte sich dies angesichts des zu erwartenden rasanten Preisverfalls rasch ändern. Zusatzprodukte wie Versicherungen sowie das Angebot qualitativer Marktanalysen sind deshalb das Gebot der Stunde. Eine weitere vermeintliche Marktlücke hat Consors zudem mit der erst vor kurzem bekanntgegebenen mehrheitlichen Übernahme des Regensburger Internet-Auktionshauses IEZ-Auktion aufgetan.

Ein Muß ist für immer mehr Kunden auch die kostenlose Übermittlung von Aktienkursen in Echtzeit, um so das internationale Börsengeschehen vom heimischen PC aus live mitverfolgen zu können. Als trendy gilt zudem das sogenannte Intraday-Trading - also der Kauf und Verkauf von Aktien innerhalb weniger Minuten. Letzteres ist vor allem die Spezialität der "heavy traders" - Anleger, die durch viele Transaktionen die Drähte im Netz zum Surren und die Kassen der Anbieter zum Klingen bringen.

Mit dem sprunghaften Anstieg der Orders ist aber auch das Risiko für Anbieter und Anleger gleichermaßen gestiegen. Zwar sind größere Crashs wie in den USA in Deutschland bislang ausgeblieben. Doch von Systempannen blieben auch Consors & Co. nicht verschont. Allein im vergangenen Jahr kam es bei den Nürnbergern zu fünf Systemausfällen von jeweils mehreren Stunden; entsprechend fällige Entschädigungszahlungen summierten sich zum Teil auf beträchtliche Beträge. Auch bei den übrigen Wettbewerbern hieß es in Sachen Internet-Aktienhandel zumindest minutenweise: Nichts geht mehr!

Vom Online-Boom regelrecht überrollt, stehen Cyberspace-Broker jetzt vor der Aufgabe, ihrer eigenes Back Office dem Wachstum ihres Geschäfts anzuspassen. "Wir rüsten kontinuierlich unserte Server auf und erweitern die Bandbreite unserer Leitungen", ist bei Comdirekt zu erfahren. Auch das IT-Management von Consors behauptet, die Kapazitäten in den vergangenen sechs Monaten um 300 Prozent aufgestockt zu haben. Rekordtag bei den Nürnbergern war bislang der 5. Juli 1999 mit 51600 Orders.

Trotz erheblicher Anstrengungen läuft derzeit aber für die Kunden das Procedere am PC lange nicht so geschmiert, wie es die Hochglanzbroschüren der Anbieter versprechen. Wiederholt mußten Consors-Kunden bei Systemüberlastungen mit schlechtem Service vorlieb nehmen - und auf die teureren Telefonorders ausweichen. Verärgerte Kunden stellen kurzerhand ihre Beschwerden ins Internet, die sich dann so lesen: "Consors nimmt weniger Gebühren für Standardvorgänge, aber man bezahlt es damit, daß alles, was nur minimal von der Norm abweicht, beim erstenmal regelrecht daneben geht."

Doch allen Risiken zum Trotz - die Zahl der Online-Kunden dürfte schon in den nächsten Monaten kräftig steigen. Consors und Comdirekt gehen in den kommenden Jahren von einer Verdoppelung der Depots aus. Die Analysten von Forrester Research rechnen für das Jahr 2000 mit rund einer Millione Online-Wertpapierkonten in Deutschland, 2002 sollen es bereits über drei Millionen sein. Die Rahmenbedingungen könnten besser nicht sein: 5,7 Billionen Mark Geldvermögen in deutschen Landen, die Halbierung des Sparerfreibetrags ab dem Jahr 2000 und - nicht zu unterschätzen - die neue Unabhängigkeit von den klassischen Geldhäusern.

US-Wettbewerber stehen ante portas

Grund, die Hände in den Schoß zu legen, haben die Internet-Pioniere unter Deutschlands Investmentbanken allerdings nicht. Denn US-Wettbewerber wie E-Trade oder Charles Schwab stehen ante portas und zeigen mit dem Aufbau von Dependancen in Großbritannien längst Flagge in Europa. Treten die mit konkurrenzlos niedrigen Transaktionsgebühren operierenden US-Anbieter auch in Deutschland auf den Plan, dürfte dies einen weiteren Preisverfall nach sich ziehen. Noch hat bei einer offiziellen Zulassung allerdings das zuständige Aufsichtsamt für das Kreditwesen in Berlin das letzte Wort.

Auch Deutschlands Cyberspace-Broker denken seit kurzem über eine europaweite Expansion nach. So beteiligte sich Consors vor wenigen Wochen an einem französischen Internet-Wertpapierhaus. Weitere Aktivitäten im Ausland planen die Franken - ähnlich wie auch die Comdirekt Bank - in Italien, Spanien und Großbritannien. Der Sprung in die USA, wo es bereits 100 Gesellschaften gibt, die Internet-Brokerage-Dienste anbieten, und rund sieben Millionen Personen ein Online-Depot führen, dürfte für Consors & Co. jedoch ungleich schwieriger sein.

Web-Adressen

www.bank.24.dewww.comdirect.dewww.consors.dewww.diraba.de (Direkt Anlage Bank)www.direktbank.de (Allgmeine Deutsche Direktbank)www.1822direkt.dewww.entrium.de

*Andrea Goder ist freie Journalistin in München.