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22.02.2002 - 

Kolumne

"Next Generation Windows Service"

In Redmond herrscht wieder Partystimmung. Bill Gates und Steve Ballmer heben ihr Glas auf die Fertigstellung des .NET-Frameworks und des dazugehörigen Entwicklerpakets "Visual Studio". Natürlich bietet dieser große Augenblick den Microsoft-Chefs ausreichend Gelegenheit, sich als Pioniere der Softwareindustrie zu feiern.

Bei genauerer Betrachtung freilich stellt sich heraus, dass an .NET gar nicht so viel neu oder originell ist. Technisch gesehen bedient sich Microsoft massiv bei Java. Das .NET-Framework setzt alle wesentlichen Konzepte der Sun-Technologie um, von der Virtual Machine über die automatische Speicherverwaltung bis zu den Sicherheitsfunktionen. Natürlich konnte Microsoft sechs Jahre nach der ersten Java-Version einige Verbesserungen anbringen, etwa die immer wieder gerühmte Unterstützung für mehrere Programmiersprachen.

Gar nicht überarbeitet wurde allerdings im Zuge von .NET Microsofts Geschäftsgebaren. So gehört es schon lange zum Standardrepertoire des Desktop-Monopolisten, gegen bedrohliche Technologien der Konkurrenz so lange zu polemisieren, bis sie dann ein paar Jahre später in Redmond neu erfunden werden. Zu den wesentlichen Features der Microsoft-Version zählt dann, dass sie nur unter Windows abläuft. So verhält es sich auch mit dem .NET-Framework.

Als Schutz gegen erfolgreiche Portierungen dient auch diesmal die bewährte Geheimniskrämerei der Redmonder. So reichte Microsoft nur einen Teil der .NET-Programmier-Schnittstellen, der Common Language Infrastructure (CLI), beim Normierungsgremium ECMA zur Standardisierung ein. Im Übrigen hielt sich .NET-Chefarchitekt Anders Hejlsberg explizit offen, dass die eigene Implementierung wegen laufender Updates nicht mit dem angestrebten ISO-Standard kompatibel sein werde.

Mit derartigen Praktiken schützt Bill Gates indes nicht nur seinen Goldesel Windows, sondern schüttelt damit auch lästige Konkurrenz im Anwendungsgeschäft ab. Während die hausinternen Applikationsentwickler über den kleinen Amtsweg rechtzeitig informiert werden, müssen unabhängige Softwarehäuser bis zur letzten Betaversion mit überraschenden Änderungen rechnen. Typischerweise kommt Microsoft dann als erster Anbieter mit Software für die neue Plattform auf den Markt.

Wie der .NET-Markt nach Vorstellung von Microsoft aussehen könnte, davon gibt Visual Studio einen guten Eindruck: Anbieter von zuvor eigenständigen Tools mutieren nun zu Plugin-Lieferanten für das einzig relevante .NET-Werkzeug. Eine ähnliche Verschiebung der Wertschöpfung sollten auch die heftig propagierten .NET Myservices bewirken. Sie können für Internet-basierende Geschäftsanwendungen zahlreiche Standardfunktionen übernehmen. Genutzt werden diese Dienste über Web-Services. Sie dienen allerdings nur dazu, um in standardisierter Form proprietäre Funktionen zu nutzen. Im Fall der .NET Myservices umfasst die API-Dokumentation schon mehr als 500 Druckseiten - damit bietet Microsoft im Rahmen von .NET auch jenen die Möglichkeit zur bewährten Plattformabhängigkeit, die in der einzig verbliebenen Alternative Java entwickeln.