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05.01.1984 - 

PCs, Minis, Großrechner: BSC, MSV, SNA, Btx, Teil 1

Nicht aus PCs General-Purpose-Computer machen

Seit IBMs Vorstellung des Personal Computers, spätestens jedoch seit der Vorstellung des SNA-fähigen PC 3270, ist die Bedeutung sowohl der Personal Computer und ihrer Anwendungsmöglichkeiten als auch der Kommunikation zwischen den verschiedenen Rechnerebenen für einen breiten Anwenderkreis deutlich geworden.

Das krasse Mißverhältnis zwischen Anwenderforderungen und den naturgemäß begrenzten Möglichkeiten vieler Rechenzentren, benutzerorientierte Anwendungsprogramme zu schreiben, führte auf seiten der User zu Problemlösungen mit Personal Computern "auf eigene Faust". Häufig wurden diese als Insellösungen konzipiert und dadurch zum organisatorischen und finanziellen Bumerang.

Die Beispiele vieler Entwicklungen zeigen, daß der Mangel an Ressourcen der Grund zur technischen Zentralisierung ist. So ist es nicht verwunderlich, daß auch bei der Einführung von Datenverarbeitungsmaschinen zuerst zentrale Aspekte im Vordergrund standen, Die Tatsache, daß dieses Verfahren als erstes zur Anwendung kam, ist sicher kein Beweis für die Qualität der Lösung. Wann welcher Lösungansatz gewählt werden sollte, ist vom Einzelfall abhängig.

Durchsatzoptimierung oder Flexibilität

Ein Beispiel: 50 Personen können sowohl in einem Autobus als auch in 25 Pkws transportiert werden. Im ersten Fall werden betriebswirtschaftlich die Transportkosten minimiert, im zweiten Beispiel die Wartezeiten der einzelnen Personen oder gewisse Risiken. Ebenso können auch zehn Tonnen Kies mit einem Pkw transportiert werden, zweckmäßiger und kostengünstiger ist jedoch meist ein Großtransportsystem wie der Lkw. Analog dazu sind dezentrale DV-Systeme selten eine Alternative zu zentralen Systemen, sondern meist eine Ergänzung für diese.

In der folgenden Tabelle sind Kriterien aufgeführt, die Vor- und Nachteile von zentralen und dezentralen Systemen sowie von Insellösungen aufzeigen:

Die Großrechner haben mit ihrer Dialogfähigkeit einen ersten Schritt in Richtung Benutzerfreundlichkeit und Datenaktualität gemacht: Moderne Datenbanksysteme ermöglichen schnellen Zugriff auf vielfältige Datenkombinationen. Trotz der direkten Möglichkeiten von Schreib- und Lesezugriffen im Dialogbetrieb

kann mit einem einzigen Datenbestand gearbeitet werden. Sperrmechanismen ("Locking") verhindern, daß Daten von zwei Anwendern gleichzeitig verändert werden.

Die hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit von mehreren Millionen Instruktionen pro Sekunde (MIPS) und die großen internen und externen Speicher ermöglichen es, auch umfangreiche Aufgaben in akzeptabler Zeit zu lösen.

Zentrale Lösungen

Durch die zentralen Einrichtungen und das Fachpersonal im Rechenzentrum sind Sicherheitsaspekte wie Datensicherung und Zugangskontrollen verhältnismäßig einfach zu berücksichtigen.

Nach wie vor zeigt sich jedoch, daß vom Anwender eine weitergehende Vereinfachung der Bedienungsoberfläche gefordert wird. Die Fehlerquote bei Kommandos der Job Control Language ist bei batchorientierten Befehlen sicherlich höher als bei Mini- und Mikrocomputer-orientierten Benutzeroberflächen.

Da Mini- und Mikrosysteme von Anfang an dialogorientiert waren, ist die Steuerung meist menüorientiert aufgebaut.

Zentrale Systeme haben den Vorteil, daß alles auf einer Maschine durchgeführt wird. Dies ist jedoch bei einem Ausfall gleichzeitig ein enormes Handicap. Vielfach wird versucht, das mit Backup-Einrichtungen zu kompensieren; das aber geht automatisch wieder in die Kosten ein. Um die vielen Jobs zu verwalten,

die gleichzeitig laufen, ist Overhead nötig, der um so größer ist, je mehr Jobs zu bearbeiten sind.

Gerade die zunehmende Anwendung von Textverarbeitung, Kalkulation und Grafik führt zu solchen vielen, kleinen Jobs. Sind die Antwortzeiten des Systems nicht kurz, genug (von der jeweiligen Anwendung abhängig; aber sinnvollerweise unter zwei Sekunden) oder die Fehlermitteilungen nicht aussagekräftig, so empfindet der Anwender Frustration und Ohnmacht gegenüber dem System.

Zusätzliche Indikatoren wie Status anzeigen oder Zugriffsgeräusche auf Massenspeicher geben ihm dagegen bei seiner persönlichen Maschine nützliche Hinweise und das handgreifliche Verständnis, was gerade in seinem "Werkzeug" vorgeht. Das Fehlen solcher Indikatoren dagegen schafft besagte Akzeptanzprobleme.

Die ausschließlich zentrale Verarbeitung verlangt einen hohen Datendurchsatz, da grundsätzlich die Bruttodaten übertragen werden müssen, beispielsweise Daten plus Bildschirm-Masken beim Bildschirm-Dialog. Zentralorientierte Systeme sollten deshalb nur bei zentralorientierten Anwendungen eingesetzt werden, etwa für Börsen- oder Flugauskunftssysteme.

In beiden Fällen wird ein einziger Datenbestand in der Gesamtmenge aktuell benötigt, der sich jedoch dauernd ändert.

Insellösungen mit gravierenden Handicaps

Ebenso wie zentrale Systeme sind Inselsysteme weit verbreitet. Auch sie haben in entsprechenden Anwendungen ihre Daseinsberechtigung.

Bei der Insellösung steht die schnelle und einfache Lösung einer Aufgabenstellung im Vordergrund. Ihre Komponenten und Funktionen sind dem Anwender vertraut und werden nicht von fremden Randbedingungen beeinflußt. Durch die schnelle Lösung entsteht eine Eigenmotivation - man lernt spielend.

Diesen eindeutigen Pluspunkten stehen gravierende Handicaps gegenüber. So ist eine Erweiterbarkeit der Lösungen nur selten gesichert. Speichererweiterungen stoßen schon früh an "fühlbare" Grenzen, die Variationen der Ausgabe sind eingeschränkt.

Gefahr der "Dampfhammer"-DV

Typischerweise lassen sich Kleinlösungen gut realisieren, die Gefahr der "Dampfhammerdatenverarbeitung", bei der die Ausgabe eines Rechners zur Weiterverarbeitung erneut "mit Volldampf eingehämmert" werden muß, ist aber nicht zu vernachlässigen. Die Prozessoren sind an den Forderungen von Kleinsystemen orientiert und deshalb entsprechend langsam. Mehrplatzsysteme sind in solchen Insellösungen demzufolge schwer mit der erforderlichen Leistung zu realisieren.

Die räumliche Bindung von Eingabe, Verarbeitung, Speicherung und Ausgabe sowie die daraus folgende Redundanz von Daten führen bei größeren organisatorischen Einheiten zu gravierenden Nachteilen: So können zum Beispiel Rechner, Speicher und Ein-/Ausgabe nicht getrennt oder von einem entfernt stehenden System "gefüttert" werden. Da keine zentrale Steuerung und Kontrolle möglich sind, ist auch nicht sichergestellt, daß der Kundenstamm auf allen Systemen immer auf dem neuesten Stand ist.

Dezentrale Lösung sinnvoll

Wie bei vielen Dingen sind Extreme selten optimal. Deshalb ist auch in der Datenverarbeitung häufig eine Kombination zwischen den zentralen Großrechnern und Insellösungen sinnvoll. Die dezentrale Datenverarbeitung als Verbundsystem nutzt die Stärken von Groß-, Mini- und Mikrorechner und minimiert die Schwächen. Den Engpässen bei Insellösungen werden die Stärken der Mainframes entgegengestellt. Die Benutzerschnittstelle des Zentralsystemes kann durch die lokale Verarbeitungsmöglichkeit mit Plausibilitätskontrollen und Hilfen im Fehlerfall so aufbereitet werden, daß auch der ungeübte Benutzer gut zurechtkommt. Die zusätzliche Computerleistung vor Ort kann preiswert zur Erhöhung der Benutzerfreundlichkeit eingesetzt werden.