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09.04.2004 - 

Kolumne

"Nicht der Untergang des Abendlandes"

Christoph Witte Chefredakteur CW

Dass nach vielen anderen Industrien jetzt auch die IT-Branche beginnt, Arbeit in Billiglohnländer auszulagern, kommt nicht überraschend, ist eher zwangsläufig. Obwohl der Anteil der IT-Arbeiten, die nach Osteuropa oder Indien verschoben werden, noch klein ist, scheint der Trend unumkehrbar. Je besser Unternehmen ihre Prozesse beherrschen, desto leichter lassen sich Teile davon ausgliedern und irgendwo auf der Welt möglichst billig erledigen.

In einer globalen Ökonomie gibt es keinen Grund, für Arbeit mehr zu bezahlen, als sie in China oder Bangladesh kostet. Geiz ist geil, auch hier. Übrigens, was für IT-Anbieter gilt, stimmt mit leichten Abstrichen auch für IT-Anwenderunternehmen. Beispiele sind hier die Deutsche Leasing oder die Deutsche Bank, die beide bereits in Indien programmieren lassen.

Weil Indien, Osteuropa, Russland und China in den vergangenen Jahren stark in die Ausbildung ihrer Jugendlichen investiert haben, werden immer öfter auch anspruchsvolle Tätigkeiten ausgegliedert. Dabei kümmern sich Offshore-Anbieter konsequent darum, die Risiken der Auslagerung zu verringern. So arbeiten kleine Teams der Offshore-Anbieter immer öfter vor Ort beim Kunden, um dessen Anforderungen und Spezifikationen für die Offshore-Programmierer und -Entwickler zu übersetzen. Auch Sprachbarrieren verschwinden zunehmend: Schätzungen zufolge lernen momentan mehr Chinesen Englisch, als es Amerikaner gibt.

Am Trend zum Offshoring kann auch die Politik nichts ändern. Würde sie Barrieren aufbauen, wie sie zurzeit in den USA diskutiert werden - dort ist davon die Rede, Offshore-Nutzer von Regierungsverträgen auszuschließen -, würde das mittelfristig höchstens zu weiteren Automatisierungen in der Produktion führen, um die Arbeitskosten auf diese Weise zu senken. Auch die Gewerkschaften kämpfen vergeblich. Mit ihrer starren Haltung zu Tarifen und Wochenarbeitszeit beschleunigen sie die Abwanderung von Arbeit eher, als dass sie sie bremsen. Weil die Industrienationen allesamt von den Schwellen- und Entwicklungsländern ausgestochen werden, wenn es um die Kosten pro Arbeitsstunde geht, können Politik und Gewerkschaften nur das kleinere Übel wählen: einerseits helfen, die Automatisierung voranzutreiben, um den Anteil des Kostenfaktors Arbeit an der Produktion von Gütern zu senken, und andererseits in erheblich höherem Maße in die Ausbildung der Bürger, in Schulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen investieren. Denn für die globale Konkurrenz fit werden können wir nur hier. Davon reden zwar auch hierzulande alle, aber der winzige Etat von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn straft die Maulhelden Lügen.