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18.01.1991

Nicht die Zeit zum Träumen

Wir können den Mann aus unserem Cartoon beruhigen: Natürlich ist der Mainframe nicht tot, man wird die Jumbos für den Stapelbetrieb mit Massendaten oder transaktionsorientierte Anwendungen wie bei Flugreservierungssystemen noch brauchen. Nur Phantasten behaupten, das Ende der IBM-370-Welt sei nahe. Aber das sagt ja niemand. Und doch gibt es ein Dinosaurier-Sterben. Es kommt in der Argumentation derjenigen vor, die den Mainframe lebendiger reden wollen, als er ist. Da wird der Pappkamerad des verblendeten Mainframe-Gegners aufgebaut, um den vermeintlich fehlgeleiteten Downsizer zu bekehren - das Garn, das Propaganda heißt, ist fein gesponnen. Es wird verglichen, gerechnet, bewertet - und siehe da: Downsizing lohnt sich nicht, die Mainframe-Lösung, zumal auf IBM-Systemen, ist billiger - kein Scherz, nachzulesen etwa in den Insight-IBM-Reports der britischen Xephon-Marktforscher, die auch hierzulande auf marktpolitisch relevanter Ebene gerne zitiert werden.

Steht also eine Mainframe-Renaissance bevor? Können wir die Downsizing-Diskussion getrost vergessen? Die Antwort lautet: ja - wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind, als da wären zentrale Organisation, zentrales Datenmanagement, zentrale Datenhaltung und Querverbindungen in sämtlichen Anwendungskreisen, kurz: monolithische Strukturen Zentralmacht, Bürokratie. Das dürfte, folgt man den Xephon-Gurus, die Regel sein.

Glückliche Mainframe-Träumer! Arme IBM! Denn es ist nicht die Zeit zum Träumen. Für zusätzliche Anwendungen, die auf Wettbewerbsvorteile abzielen, werden in immer mehr Unternehmen konsequent verteilte Systeme eingesetzt. Downsizing spiegelt die Entwicklung zu einer schlankeren Organisation wider. Downsizing ist Realität. Die Kostenvorteile Mikroprozessor-basierter Lösungen (Stichworte: Workstations, PC-LANs, Client-Server, RISC-Architekturen) liegen auf der Hand. Voraussetzung ist allerdings, daß die Anwenderunternehmen auf den zentralistischen Anspruch verzichten können. Das dürfte häufiger der Fall sein, als die Mainframe-Lobbyisten postulieren.

Man muß indes nicht das von dem Sun-Gründer Bill Joy formulierte Gesetz von den zu teuren Universalrechner-MIPS bemühen, um die günstige Mainframe-Prognose wie eine Seifenblase zerplatzen zu lassen. Wer ein proprietäres 370-System von IBM kauft, kauft auch MVS, VTAM, IMS, TSO, DB2 und so weiter - gewiß kein billiges Vergnügen. Anders herum: Was Unabhängigkeit wert ist, läßt sich nicht in Benchmark-Zahlen ausdrucken. Insofern ist es unzulässig, offene Systeme mit proprietären Systemen zu vergleichen. So besagt etwa das Benchmark-Ergebnis "Mainframe schlägt RS/6000" nichts anderes, als daß die Mainframer schlechte Verlierer sind.