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VDRZ zur "PAPA-Diskussion":

Nicht jeder Adenauer ist auch ein Konrad

21.11.1980

In den CW-Ausgaben Nr. 43 vom 24.10. 1980 und Nr. 45 vom 7.11.1980 verbreitet sich der Fachhochschulprofessor Thomas Adenauer aus Mainz in skurriler Weise über Verlauf und Ergebnisse des durch den Bundesminister für Forschung und Technologie geförderten Pilotprojektes "Pilotanwendungen des öffentlichen Datenpaketvermittlungsdienstes für den Verbund zwischen Service-Rechenzentren und RZ-Kunden", kurz PAPA.

Hierdurch hat das VDRZ-Projekt, das seit dem 1.1. 1979 die Fachwelt bewegt, eine Publizität erhalten, die der Sache abträglich ist. Adenauer stellt nicht nur die Förderungs- und Forschungspolitik der Bundesregierung in Frage, sondern kritisiert das Konzept des Pilotprojektes, das den hohen Anspruch der offenen Kommunikation auf der Basis des Dienstleistungsangebotes Datex-P der Deutschen Bundespost zum Inhalt hat.

Gerade aber dieses VDRZ-Konzept, das den Hersteller-neutralen Zugang zu Datex-P ermöglichen wird, war es, das Adenauer noch Anfang '79 bewogen hat, sich für die Position des VDRZ-Projektleiters für eben dieses PAPA-Projekt zu bewerben. Der Personalausschuß des Verbandes Deutscher Rechenzentren hatte seinerzeit einem anderen Bewerber den Vorzug gegeben. Nach der Lektüre der beiden Adenauer-Artikel kommt der Leser ganz von allein zu der Überzeugung, daß diese Entscheidung die richtige war.

Nicht nur der antiquierte Kenntnisstand um das Projekt, auch die unbekümmerte Leichtigkeit, mit der anerkannte Sachverhalte durcheinandergewürfelt werden, frappieren. Zum Beispiel ist Herrn Adenauer offenbar nicht bekannt, daß P20 unverträglich zu Bildschirmtext ist. Er verlegt auch den Eröffnungstermin für Datex-P auf den 1. Juli 1980 vor, wo jedermann fast allen Tageszeitungen entnehmen konnte, daß Datex-P am 26. August startete. Der gleichen Freizügigkeit im Umgang mit Fakten bedient sich Adenauer, wenn er der Post attestiert, sie habe P32 (IBM 3270-Kompatibilität) und P33 (Siemens 8160-Kompatitbilität) bereits realisiert, wo die Deutsche Bundespost diese Anpassungsdienste für 1981 in Aussicht stellt.

Die Aufzählung der offensichtlichen Fehleinschätzungen und -interpretationen, ja schlichte Verwechslungen des Herrn Adenauer ließe sich hier beliebig fortsetzen.

Da die Fachwelt jedoch ein Recht auf die Kenntnis der Realitäten hat, nehmen wir gern Gelegenheit, über den Stand und die Entwicklung des PAPA-Projektes erneut zu informieren:

PAPA-Ergebnisse auf dem Weg zur internationalen Anerkennung

Das vom BMFT geförderte Projekte PAPA des Verband Deutscher Rechenzentren e. V., VDRZ, hat eines seiner ersten großen Ziele mit dem Oktober 1980 termingerecht erreicht: Die für die Datenkommunikation in offenen Nezten zwingend erforderlichen höheren Kommunikationsprotokolle oberhalb von X.25 konnten codierfähig definiert der Fachöffentlichkeit zur Verfügunggestellt werden.

Es handelt sich um die Protokolle der nach dem international anerkannten 7-Schichten-Modell der 180 beschriebenen Funktionsebenen 4, 5 und 6; das heißt die Protokolle und Schnittstellen der

- Ende-Ende-Transportsteuerung (Ebene 4)

- Sitzungssteuerung (Ebene 5)

- und des formatorientierten virtuellen Terminals (VT) als Bestandteile der Darstellungsebene (Ebene 6)

Die Ergebnisse wurden in einer hervorragenden Zusammenarbeit mit den in diesen Aufgaben tätigen Projekten, Institutionen und Fachleuten erreicht. Es wurden die Erfahrungen aus bereits praktizierten Installationen und Projekten in die Protokolldefinitionen PAPA übernommen. Beispielsweise prägten die Ergebnisse der einschlägigen Arbeiten des Landesamtes für DV und Statistik (LSD) des Landes NRW maßgeblich die Festlegungen zum Ebene-4-Protokoll. Anforderungen aus dem Bereich Bildschirmtext fanden unter anderem Eingang in die Optionen zur Ebene 4.

Die Deutsche Bundespost hat bereits im März dieses Jahres die Protokolle der Ebenen 4 aufgrund des erreichten Fortschrittes für die Diensteinführung Bildschirmtext vorgeschrieben. Die Protokolle der Ebenen 5 und 6 wurden aufbauend auf früheren beziehungsweise zu PAPA zeitlich parallelen Förderprojekten des BMFT (PIX-Projekte) nach dem neuesten Stand der internationalen und nationalen Normung weiterentwickelt und nunmehr ebenfalls vorgestellt.

Alle Arbeiten wurden unter anderem mit der beim BMI aus in der Fachwelt anerkannten Spezialisten zusammengesetzten ad hoc-Gruppe "Höhere Kommunikationsprotokolle" der AG DFV des KoopA ADV abgestimmt, anschließend im Auftrag des Projektes PAPA vorlagereif ausgeführt und wieder der ad hoc-Gruppe zur Entscheidung zwecks Einsatz als Einheitliche Höhere Kommunikationsprotokolle - EHKP - zugeführt.

So erschienen beispielsweise die EHKP 4 Basisversion als Vorabdruck des BMI im Mai 1980, veröffentlicht im Bundesanzeiger Nr. 122 vom 8. Juli 1980. Die zweite Ausgabe zu EHKP 4, mit Basisdienst und Optionen integriert, wird in Kürze durch den BMI herausgegeben werden können. In der Veröffentlichung im Bundesanzeiger läßt sich auch noch einmal nachlesen, welche Institutionen sich bereits für den Einsatz der EHKP entschieden haben.

Das Deutsche Institut für Normung, DIN FNI AA 16, wurde frühzeitig und fortlaufend über die Arbeiten von PAPA informiert. Mitarbeiter des Projektes sind in den Unterausschüssen des AA 16 tätig; ergänzend wurden die schriftlichen Ausarbeitungen des Projektes als Arbeitspapiere (so die DIN-Formulierung) in die Normung eingebracht. PAPA-Vertreter haben sogar im Auftrag des DIN die erreichten Ergebnisse auf ISO-Sitzungen und zugehörigen Working-Groups (WG) erfolgreich vertreten.

Das Projekt PAPA hat mit der Realisierung der Protokollentwicklungen begonnen, nachdem der von Siemens gewählte Netzanpassungsrechner EDX-P PCC in ersten Anschaltungen seine Funktionsfähigkeiten bewiesen hat. Ziel von PAPA wird es somit sein, im Laufe des Jahres 1981 die mit Datex-P heute nicht gebotene Möglichkeit der Netzöffnungen in praktischen Anwendungen in den Rechenzentren der Pilotgemeinschaft zur Verfügung zu stellen und zu erproben.

Datex-P wird, wie fast jedermann weiß, auch mit P32 oder P33 nur herstellergeschlossene Lösungen zulassen. In Ergänzung zum Dienstleistungsangebot der DBP wird dem Anwender durch das Projekt PAPA die Möglichkeit geboten werden, offene Kommunikation zu nutzen. Im technischen Sinne werden die Protokolle in einem abgegrenzten Risikobereich, nämlich dem Anpassungsrechner, erprobt und im Anschluß daran dem Normungsprozeß die gesammelten Erfahrungen wieder zugänglich gemacht.

Wir hoffen, daß dann im Laufe der nächsten Jahre Hersteller die Entscheidung treffen, oberhalb von X.25 auch die höheren Protokolle in die Endgeräte (Terminals und Rechner) zu übernehmen.

Millionen von Fehlinvestitionen bei Herstellern und Anwendern werden eingespart, wenn die Sachfindung wie aufgezeigt durch Fachleute aus Wirtschaft und Verwaltung beraten und überwacht, angelehnt an den jeweils neuesten Stand der Normung und durch Übernahme von Erfahrungen aus anderen Projekten, in Form von Pilotvorhaben wie beispielsweise PAPA erfolgt.

In diesem Zusammenhang werden alle Mittel, die in PAPA eingesetzt werden, über einen aus unabhängigen Experten zusammengesetzten Ausschuß einzeln beraten und erst bei nachgewiesenem Bedarf dem Projektträger BMFT/GMD deren Freigabe empfohlen. Der projektbegleitende Ausschuß berät das Projekt in den entscheidenden Sachfragen und Finanzierungen dadurch, daß unter anderem Empfehlungen an den Projektträger wie auch an die Projektleitung bei Bedarf in jedem Einzelfall abgegeben werden. Der Ausschuß tritt drei bis viermal pro Jahr zusammen. Unter anderem sind auch Postministerium und FTZ Mitglieder dieses Ausschusses, die das Wissen um die Netzbeschaffung und Planung für Datex-P miteinbringen und dementsprechend sicherstellen, daß Fehl- und Doppelentwicklungen vermieden werden. Das Projekt PAPA ist also eingebettet in die Planungen des BMFT der DBP, des BMJ (und damit KoopA ADV), hält engen Kontakt mit der Normung, und trägt den Wünschen einer breiten Gruppe von Anwendern Rechnung. Die Hersteller von Rechner und Terminals arbeiten im Projekt mit, bringen ihre Erfahrungen und Systemlösungen ein und werden die höheren Kommunikationsprotokolle in Ergänzung zu Schnittstellen nach X.25 nach freier Entscheidung übernehmen, sowie deren Stabilität durch Pilotprojekte erkennbar oder nachgewiesen ist.

Anwender erhalten die Chance, sich rechtzeitig für die Technologien der 80er Jahre aufzustellen und ihren Bedarf den Herstellern gegenüber zu formulieren. Pilotprojekte zur Erprobung neuer Technologien und Anwendungen sind allgemein anerkannt die derzeit beste Möglichkeit zur Minimierung von betriebs- und volkswirtschaftlichen Risiken.

Peter Lange-Hellwig ist Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Rechenzentren e. V. VDRZ. Hannover.