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14.11.1997 - 

Vor allem ältere Desktops bereiten Probleme

Nicht jeder PC schafft die Jahr-2000-Hürde

Die Fähigkeit eines Rechners, mit dem jeweils korrekten Datum zu arbeiten, wird entgegen einer weitverbreiteten Meinung nicht nur durch das Basic Input/ Output System (BIOS) beeinflußt. Entscheidend ist vor allem auch die dem BIOS vorgeschaltete Echtzeituhr (Realtime Clock = RTC). Auch das Betriebssystem, systemnahe Software und die Anwendungsprogramme selbst spielen eine Rolle (siehe CW Nr. 44 vom 31. Oktober 1997, Seite 49: "Mit einem..."). Nach dem Einschalten des Rechners ruft das BIOS zunächst die Echtzeituhr auf und übergibt das Datum an das Betriebssystem. Während des Betriebs greifen Anwendungsprogramme für Datumsinformationen entweder auf das Betriebssystem, das BIOS oder auch direkt auf die RTC zurück (siehe Abbildung). Die Jahrhundertangabe in der Echtzeituhr ist im sogenannten Century Byte programmiert. Ist dieses nicht vierstellig - wie zum Teil bei neueren Systemen - sondern zweistellig ausgelegt, kann es auch bei korrekt arbeitendem BIOS zu Problemen kommen. PCs sind aus diesen Gründen in unterschiedlichem Maße von der Jahrtausendumstellung betroffen.

Der PC-Marktführer Compaq gibt Anwendern auf der deutschen wie auch der internationalen Web-Site Hilfestellungen beim Weg durch den Jahreszahlen-Dschungel. Unter der Adresse www.compaq.com/year2000/ hat der texanische Hersteller relevante Informationen gesammelt. Im Mittelpunkt steht das kürzlich gestartete Programm "Jahr-2000-Kompatibilität". Neben flankierenden Maßnahmen hat das Unternehmen das unabhängige Testinstitut NSTL damit beauftragt, aktuelle und ältere Compaq-Systeme dem sogenannten Ymark-2000-Test zu unterziehen (siehe Kasten "NSTL YMARK 2000").

Anhand der im Web veröffentlichten NSTL-Zertifizierungslisten können Benutzer feststellen, ob und auf welche Weise Compaq-Systeme nachgerüstet werden müssen. Unter anderem finden sich in den Aufzählungen auch die minimal notwendigen BIOS-Releases und Software-Ergänzungen ("Softpaqs"), die zum Download verfügbar sind. Bei älteren Systemen räumt Compaq allerdings Probleme ein. So heißt es: "BIOS-Upgrades sind nicht für alle Systeme verfügbar. Einige Rechner bestehen deswegen möglicherweise den YMARK-2000-Test nicht, so daß Sie einen Austausch in Erwägung ziehen sollten."

Bei solchen "durchgefallenen" Systemen, etwa aus den Serien "Deskpro XE" oder "Prolinea Net", hilft auch das Care-Center (Telefon: 0180/521 21 11) nicht weiter.

Die Hotline rät dazu, nur noch neuere Modelle fit für den Jahrtausendwechsel zu machen: "Alle Geräte von Compaq, die ein Flash-ROM haben, sind Jahr-2000-fähig. Ältere Maschinen sollte man austauschen, sie rechnen sich unter dem Strich für ein Unternehmen ohnehin nicht mehr."

Auch die IBM bietet PC-Verantwortlichen mehrere Möglichkeiten, sich zum Thema Jahrtausendumstellung zu informieren. So existieren beispielsweise sogenannte "Year 2000 Technical Support Center" (TSCs), die einschlägige Anfragen beantworten sollen. Diese sind entweder über die Web-Site http://www.ibm.com/year2000, via E-Mail (y2ktsceie.ibm.com) oder über die kostenfreie Telefonnummer 0130-815 244 zu erreichen. Ausführliche Informationen zur Anpassung von PC-Hardware hält Big Blue in einem Handbuch vor, das von der Jahr-2000-Homepage heruntergeladen werden kann. Darüber hinaus hat der Hersteller eine Datenbank eingerichtet, mit deren Hilfe Mitarbeiter die Jahr-2000-Fähigkeiten von rund 70 000 Produkten abfragen können.

Alle PCs ab dem Baujahr 1996 sind nach Angaben aus dem technischen Support der IBM Deutschland für den Jahrtausendwechsel vorbereitet. Das BIOS dieser Systeme setzt das Century Byte der Echtzeituhr nach erstmaligem Booten im Jahr 2000 von "19" auf "20" um. Anwender müssen sich in diesem Fall nicht um die Umstellung kümmern. Problematisch wird es bei älteren Systemen wie einigen IBM-PS/2-Modellen mit 486er CPUs, die in der Jahr-2000-Liste des Herstellers mit dem Merkmal "not ready" versehen sind. In der Praxis sind derartige Rechner nach wie vor weit verbreitet. Das Jahr-2000-Handbuch verweist in diesem Zusammenhang auf den sogenannten "Abschalttest". Dabei wird das Systemdatum auf den 31.12.1999 gesetzt, die Zeit auf wenige Minuten vor Mitternacht gestellt und der PC für wenige Minuten heruntergefahren. Sollte nach dem Wiederhochfahren das Datum nicht korrekt sein, empfiehlt IBM, die Umstellung über den MS-DOS-Befehl "Date" zu erzwingen. In größeren DV-Landschaften mit mehreren hundert oder tausend PCs dürfte dies zu einem erheblichen Zeit- und Kostenaufwand führen.

Ähnlich wie die IBM weist auch Hewlett-Packard darauf hin, daß "HP-Vectra"-PCs, die ab Ende 1995 auf den Markt gekommen sind, keine Probleme mit der Jahrtausendumstellung haben sollen. Die entsprechenden Modelle sind auf der Web-Site des Herstellers - allerdings erst nach etlichen Mausklicks - zu finden http://www.hp.com/cposupport/personal- computing/support-doc/bpv02628.html . Für Pentium- und Pentium-Pro-basierte Vectra-PCs, die nicht auf der Positivliste stehen, bietet der Hersteller BIOS-Updates über ein Electronic Support Center an http://www.hp.com/go/vectrasupport .

Ältere 386er und 486er Vectra-Rechner beherrschen die Umstellung ebenfalls nicht automatisch. Den Angaben zufolge läßt sich das Datum bei diesen Systemen manuell umstellen, da die Vectra-PCs die Jahreszahl generell vierstellig speicherten.

Detaillierte Informationen zu den Jahr-2000-Fähigkeiten seiner Intel-basierten PCs, Notebooks und Server bietet Siemens-Nixdorf unter http://www.sni.de/pc/pc-prod/j2000.htm. Neben Angaben zur jeweiligen BIOS-Version und zum Systemboard finden sich auch genaue Hinweise auf gegebenenfalls benötigte Flash- BIOS-Updates mit Ver- sionsnummern. Wie bei den IBM-Rechnern setzt das BIOS das zweistellige Century Byte zum Jahrhundertwechsel entsprechend um. Die Augsburger verweisen allerdings auf den vergleichsweise hohen Aufwand, den BIOS-Updates im Vergleich zu händischen Datumskorrekturen mit dem Date-Befehl verursachten. Ältere Systeme - wie einige Modelle der "PCD"-Baureihe - ohne Flash-BIOS sind ohnehin auf diese Methode angewiesen, wenn ein kostenträchtiger Austausch der Chips vermieden werden soll.

Der Direktanbieter Dell, hierzulande im hessischen Langen ansässig, bietet auf seiner Web-Site ein ausführliches Hintergrundpapier zum Thema Jahr 2000 an - leider nur in englischer Sprache. Darin erklärt der hauseigene BIOS-Chefentwickler Pete Woytovech das Problem und verschiedene Lösungsansätze. Alle Dell-Systeme ab Ende 1996 sind durch BIOS-Modifkationen bereits auf der sicheren Seite. Für ältere Rechner mit Flash-ROM stellt der Anbieter entsprechend angepaßte Updates bereit.

Auch Rechner-Veteranen ohne wiederbeschreibbare BIOS-Chips sollen über die magische Grenze gehievt werden. Dazu will Dell ein kleines Programm bereitstellen, das über die "Config.sys"-Datei beim Start eines PCs geladen wird und die Echtzeituhr korrigiert, bevor andere Software darauf zugreifen kann. Dieses Programm besteht aus wenigen einfachen Schritten und kann theoretisch in jeder Programmiersprache umgesetzt werden (siehe Kasten "Dells Trick").

Bei Fujitsu-ICL arbeitet man derzeit noch an Applikationen, die auch Rechner mit ältereren BIOS-Versionen in die Lage versetzen sollen, die Einstellungen der Echtzeituhr zu korrigieren. Entsprechende Software soll bis Ende 1997 verfügbar sein. In einigen der jüngeren "Ergopro"-Modelle setzt das BIOS die RTC-Werte automatisch um, wenn der Rechner im Jahr 2000 erstmalig hochgefahren wird. Der Hersteller bietet im Web neben allgemeinen Informationen zur Umstellung auch eine Liste sämtlicher PC-Modelle mit Angaben zur BIOS-Version und den Fähigkeiten zur automatischen Datumsumsetzung http://www.fujitsu-icl.co.uk/year2000 .

Mehr als dürftig ist dagegen das einschlägige Web-Angebot des deutschen PC-Marktführers Vobis. Eine telefonische Anfrage zum Thema Jahr 2000 blieb bis Redaktionsschluß unbeantwortet. Aus dem Schneider sind die Benutzer von Macintosh-Rechnern. Apple verkündet mit berechtigtem Stolz auf seiner Web-Site, daß alle Macintosh-Rechner aufgrund ihres besonderen technischen Konzepts seit dem Ur-Würfel von 1984 keinerlei Probleme mit dem Millennium-Bug haben. Das teilweise ROM-basierte Macintosh-Betriebssystem kann in der aktuellen Version Daten vom Jahr 30081 v. Chr. bis 29940 n. Chr. verwalten.

Sogar Besitzer von "Apple-II"-Sammlerstücken können aufatmen: Ab dem "II gs" funktioniert die Hardware ohne Probleme, für die Vorgängermodelle bis zum "II c+" - die allesamt keine Systemuhr besitzen - lassen sich Uhrwerke von Drittanbietern nachrüsten. Ein Anruf beim "Apple Assistance Center" (Telefon: 0180/ 350 18) kann somit entfallen.

NSTL YMARK 2000

- Entwickelt im Auftrag der kanadischen Regierung;

- Echtzeituhr (RTC) muß zu Motorolas "MC146818" kompatibel sein und die Daten im gepackten BCD-Format bereitstellen;

- Jahrhundert-Byte muß an der Speicheradresse 32h oder 37h der RTC liegen;

- Echtzeitwechsel vom 31. Dezember 1999 zum Neujahrstag 2000 muß möglich sein;

- BIOS muß zusätzlich manuelle Umstellung der Jahreszahl erlauben (falls die Echtzeit-Umstellung versagt);

- Schaltjahre müssen für den Zeitraum von 2000 bis 2009 inklusive korrekt erkannt werden;

- kostenlos erhältlich unter www.nstl.com/downloads/y2000.exe.

DELLS TRICK

1. BIOS-Funktion "Get RTC Date" aufrufen.

2. Falls Jahrhundert nicht 19, Exit.

3. Wenn Jahrhundert gleich 19, aber Jahr größer 80, Exit.

4. Wenn Jahrhundert gleich 19 und Jahr kleiner 80, Jahrhundert auf 20 setzen.

5. BIOS-Funktion "Set RTC Date" mit neuem Datum aufrufen.

6. Betriebssystem-Funktion "Set Date" mit neuem Datum auf- rufen.

7. Exit.

Informationen der Hersteller

Compaq: http://www.compaq.com/year2000/; Care-Center für Notebooks, Desktops und Enterprise-Produkte, Telefon: 0180/521 21 11

IBM: Year 200 Technical Support Center: http://www.ibm.com/year2000; E-Mail: y2ktsceie.ibm.com; Kostenfreie Telefonnummer: 0130/815 244

Hewlett-Packard: http://www.hp.com/cposupport/personal-computing/support-doc/bpv02628.html; Electronic Support Center: http://www.hp.com/go/vectrasupport

Siemens-Nixdorf: http://www.sni.de/pc/pc-prod/j2000.htm

Dell: http://www.dell.com/r&d/vectors/3/v3-cent.htm

Fujitsu-ICL: http://www.fujitsu-icl.co.uk/year2000