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22.01.1982 - 

Ausländische Hersteller bedrohen den britischen DV-Markt:

Nicht länger abwarten und Tee trinken

Die Talfahrt des britischen DV-Sektors scheint gebremst. Häufig mangelt es nicht an Kreativität, sondern es fehlen einheimische Unternehmen, die stark genug sind, neue Ideen zu verwirklichen. Die britische DV-Industrie muß aggressiver und flexibler reagieren, wenn sie verhindern will, daß ausländische Hersteller den Markt beherrschen. Paul Thornton, Geschäftsführer der Pactel GmbH, erläutert die Problematik.

Ausländische Hersteller halten bereits einen 50prozentigen Anteil des insgesamt auf rund neun Milliarden Mark geschätzten Marktes für Produkte der Informationstechnologie (IT) in Großbritannien. Bei einer Fortsetzung bisheriger Trends wird dieser Anteil bis 1990 noch auf 70 Prozent ansteigen, was einem Handelsdefizit von vier bis fünf Milliarden Mark entspricht.

Diese Ergebnisse enthält die Studie "Strategie für Informationstechnologie", die von der Pactel Unternehmensberatung erarbeitet wurde. Auftraggeber war die National Enterprise Board (heute British Technology). In den letzten sechs Monaten ergaben sich allerdings diverse Anzeichen dafür, daß die Talfahrt des britischen DV-Sektors beendet ist oder zumindest gebremst wird.

Der britische Markt für Produkte der Büroautomation wird - wie überall in Europa - von den großen amerikanischen Herstellern wie Wang, IBM, Rank Xerox dominiert. In Großbritannien fehlen auch Firmen zweiten Ranges wie zum Beispiel Triumph-Adler oder Olivetti, die zwar nicht zur Weltliga gehören, die jedoch einen erheblichen Anteil ihrer einheimischen Märkte gewinnen konnten.

Eine der wichtigsten Initiativen auf diesem Gebiet zwischen der von British Technology unterstützten Nexos Group und der Delphi Corporation zur Weiterentwicklung und Vermarktung des Delta Systems (Fernsprechvermittlung mit Voice Message Switching) ist vor kurzem gescheitert. Die von Logica entwikkelten und von Nexos vertriebenen Textverarbeitungssysteme haben nur einen geringen Marktanteil gewinnen können.

In Großbritannien mangelt es nicht an Kreativität auf diesem Gebiet - britische Firmen und Labors können auf den Gebieten der lokalen Netzwerke (Cambridge Ring) und Sprachbearbeitung auf alle Fälle Schritt halten. Das Unternehmen Office Technology Limited hat beispielsweise ein Electric Mail System entwickelt, das die Integration von Text und Sprache (Voice Annotation) in eine Mitteilung realisiert. Es fehlen jedoch einheimische Unternehmen, die potent genug sind, solche Produkte erfolgreich zu vermarkten.

Telekommunikationsmarkt im Wandel

Der britische Anteil am Weltmarkt für Telekommunikationsprodukte ist seit 1960 von 25 Prozent auf ca. 6 Prozent zurückgegangen. Die traditionellen Hersteller auf diesem Gebiet wie Plessey oder GEC konnten mit der ausländischen Konkurrenz wie zum Beispiel Siemens oder Northern Telecom nicht Schritt halte(..).Eine bedeutende Ausnahme bildet das britische Unternehmen Racal, das zu den erfolgreichsten Herstellern der Welt in der Telekommuniktionsbranche gehört. Die Branc(..) verspricht sich viel von System X - der in Großbritannien entwickelten digitalen Vermittlungsstelle für öffentliche Fernsprechnetze. Internationale Erfolge für dieses Produkt blieben bis jetzt jedoch aus.

Als erstes Land, das ein öffentliches Videotext-System (Prestel oder Bildschirmtext in Deutschland) eingeführt hat, gilt Großbritannien als Vorreiter auf diesem Gebiet. Der eher schleppende Anlauf des Prestel-Systems (14 000 Teilnehmer nach drei Jahren) stellt jedoch eine große Enttäuschung für die Branche dar. Wäre der Bundespost-Auftrag für die Btx-Zentralen an GEC und nicht an IBM gegangen, so hätte dies die Enttäuschung im Inlandsgeschäft zum Teil kompensiert.

Erfahrenes Personal gefragt

Die schlagartige Liberalisierung des britischen Marktes durch die Behebung des Postmonopols hat viele neue Konkurrenten zur Teilnahme an diesem Markt verlockt. Eines der Ziele dieser Liberalisierung ist es, die britische Industrie dazu zu gewinnen, aggressiver und flexibler zu reagieren und damit konkurrenzfähiger zu werden.

Trotz der schlechten Wirtschaftslage bleibt die Nachfrage nach erfahrenem Personal im Softwarebereich nach wie vor lebhaft. Viele offene Stellen sind vorhanden, und Gehälter sind im letzten Jahr um zirka 14 Prozent gestiegen. Berufsanfänger erfahren jedoch zunehmende Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Job in der DV-Branche.

Der Servicesektor (Rechenzentren, Systemhauser, Softwarehäuser) stellt

eine traditionell starke Komponente des DV-Sektors in Großbritannien dar. Bei dem internationaler werdenden Wettbewerb auf diesem Gebiet ergibt sich die Frage, inwieweit sich britische Unternehmen gegen potente Konkurrenten aus den USA Frankreich und neulich Japan behaupten können.

Information Technology Year

Eine interessante Initiative der Regierung ist IT 82 - Information Technology Year. Durch eine umfangreiche Aufklärungsaktion versucht die Regierung den Kenntnisstand über Informationstechnologie und ihre Bedeutung für das private wie auch für das geschäftliche Leben zu erhöhen.

Inwieweit es der Regierung gelingen wird, die Gewohnheiten des eher konservativ einzustufenden britischen Geschäftsmanns dadurch zu beeinflussen, bleibt noch offen. Auf

alle Fälle werden in 1982 die Weichen für den zukünftigen Erfolg oder Mißerfolg der britischen IT-Branche und DV-Industrie gestellt.